Warum trotz Sport das Gewicht stagniert | EAT SMARTER
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Sophia Thiel
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Neue Studie

Warum trotz Sport das Gewicht stagniert

Wenn trotz Sport das Gewicht stagniert Wenn trotz Sport das Gewicht stagniert

Bewegung gleich Gewichtsverlust, diese Rechnung geht nicht immer auf. Wer sich viel bewegt, bei dem purzeln die Pfunde, glauben wir zu wissen. Denn so lesen und hören wir es schließlich immer wieder. Doch viele Menschen erfahren genau das Gegenteil: Sie trainieren fleißig, machen mehrmals die Woche Gymnastikübungen, joggen, spielen Fußball – und das Gewicht stagniert. Wie ist das möglich? EAT SMARTER klärt auf.

Tatsächlich leben Menschen, die sich regelmäßig bewegen, gesünder: Die Risiken für die meisten Erkrankungen – darunter Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs – sind bei ihnen deutlich geringer. Doch es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass der Effekt auf den Gewichtsverlust deutlich überschätzt wird und bei vielen das Gewicht stagniert statt zu schwinden. Mehr noch: Unter Umständen macht uns mehr Bewegung dicker. 

Trugschluss durch sportliche Aktivität

"Der Sport-Mythos" ("The Myth About Exercise") titelte das US-Nachrichtenmagazin "Time" kürzlich. Die Hauptthese des Artikels: Natürlich verbrennt Bewegung Kalorien – doch gleichzeitig stärkt sie das Hungergefühl. Die Folge: Wir ersetzen die verbrannten Kalorien sofort wieder – und futtern uns gleich noch ein paar zusätzliche an. Denn wer Schweiß treibenden Sport absolviert hat, sagt sich: "Jetzt kann ich mir auch eine Portion Pommes erlauben." Die Folge: Das Gewicht stagniert oder steigt.

Überkompensatorisches Essen nach dem Sport

Joggen und danach zu McDonald’s – wir kennen diese Bilder noch von Bill Clinton. Unser Belohnungssystem überlistet uns, und wir fühlen uns auch noch gut dabei. Solange, bis wir auf die Waage steigen und sehen, dass das Gewicht stagniert oder gestiegen ist. "Wer körperlich aktiver ist, hat größeren Hunger und isst auch mehr", sagt Steven Gortmaker. Er leitet das Prevention Research Center on Nutrition and Physical Activity an der Universität Harvard. Zusammen mit Kendrin Sonneville vom Bostoner Kinderkrankenhaus veröffentlichte er im vergangenen Jahr eine Studie mit 538 Jugendlichen, die das ernüchternde Ergebnis brachte: Wenn die Probanden anfingen, Sport zu machen, nahmen sie nach dem Ende der 18-monatigen Untersuchung mehr Nahrung zu sich – durchschnittlich 100 Kalorien mehr als sie gerade durch den Sport verbrannt hatten.

"Überkompensatorisches Essen nach Sport ist nicht ungewöhnlich", bestätigt die Ernährungs- und Sportmedizinerin Susanne Wiesner vom Adipositaszentrum der Lindbergklinik aus Winterthur (Schweiz). Wenn in der ersten Tageshälfte zu wenig Kohlenhydrate zugeführt werden, könne das gerade nach Sport zu erhöhtem Kalorienkonsum führen. Häufig werde auch der Energiebedarf durch körperliche Belastung überschätzt. Um zu vermeiden, dass sich der Körper an die Bewegung gewöhnt und das Gewicht stagniert, sollte laut Wiesner spätestens alle vier bis sechs Monate das Trainingsprogramm etwas verändert werden.

Stresshormone bewirken, dass das Gewicht stagniert

Auch der Stresseffekt durch übertriebenes Training könne dazu führen, dass das Gewicht stagniert oder zunimmt. Susanne Wiesner: "Bei Übertraining wird das Hormon Cortisol verstärkt ausgeschüttet, welches weniger Zucker und Fette in den Muskel und dadurch mehr Nährstoffe in die Fettzelle bringt. Unter dieser Situation verwendet der Muskel das eigene Eiweiß, um Energie zu gewinnen. Das kann sogar zum Verlust von Muskulatur führen kann." Ganz wichtig sei es, nie aus den Augen zu verlieren: "Sport muss Spaß machen, sonst rutscht man in den schlechten Stress-Stoffwechsel rein." Die "Time"-Thesen seien nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber auch nicht verallgemeinerbar, findet dagegen Elmar Trunz-Carlisi: "Sonst müssten ja alle Leistungssportler furchtbar dick sein." Der Sportwissenschaftler leitet das Institut für Prävention und Nachsorge (IPN) in Köln (jüngste Veröffentlichung "Schlank im Schlaf: Der Fitness-Turbo", Graefe und Unzer Verlag).

"Natürlich kann es sein, dass sich jemand, der gerade ein bisschen Sport gemacht hat, auf dem Nachhauseweg mit Pommes und Cola versorgt. Oder dass die verlorenen Kalorien durch das eine oder andere Bier danach mehr als wieder eingespielt werden. Aber das ist keine Zwangsläufigkeit." Und Diät ohne Sport ist auch keine Lösung: "Auf Dauer ist ein gesundes Abnehmen ohne Bewegung nicht möglich. Nur über Bewegung ist der Abbau der Muskulatur zu stoppen, der zwangsläufig bei einer Diät einsetzt." Als möglichen Grund, dass das Gewicht stagniert, obwohl man Sport treibe, könne er sich höchstens vorstellen, so Trunz-Carlisi, "dass jemand, der bei zu geringer Nahrungszufuhr extrem viel Sport treibt und dadurch Muskelmasse abbaut, sozusagen seinen "Motor" verkleinert, in dem Moment übermäßig an Fettzellen zulegt, wenn er mit dem Sport aufhört."

Regelmäßige Bewegung statt sportlicher Höchstleistungen

Sport hält nicht nur den Körper, sondern auch den Geist beweglich – doch auch hier gilt es, das gesunde Mittelmaß zu finden. Wer es mit dem Sport übertreibt, tut sich nichts Gutes. Statt sich zu Höchstleistungen zu quälen, ist es sinnvoller, mäßig, aber regelmäßig in Bewegung zu sein, damit das Gewicht nicht stagniert. Die Treppe statt den Fahrstuhl zu benutzen, das Fahrrad statt den Bus… Den ganzen Tag stillzusitzen, um dann für eine halbe Stunde zu körperlichen Höchstleistungen aufzulaufen, bedeutet dagegen höchsten Stress für unsere Muskeln. Wer den ganzen Tag ein bisschen in Bewegung ist, hat mehr davon. Dann bleibt man in der Mittagspause auch nicht gleich an der nächstgelegenen Pommes-Bude hängen...

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Kann es auch daran liegen das ,das Gewicht stagniert,weil der Körper in eine Art Sparmodus umsteigt,durch eventuell zu wenig Kalorien täglich ? Ist so vielleicht die Hartnäckigkeit des Gewichts zu erklären?
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Hallo Chris, diesen Sparmodus gibt es tatsächlich und er nennt sich in Fachkreisen "Hungerstoffwechsel". Deswegen muss man (auch wenn es sich erst komisch anhört) essen um abzunehmen.
 
Im Artikel wird mehrmals das Beispiel eine Sportlers genannt, der sich nach dem Training einen fetten Burger mit Pommes und Cola gönnt. In so einem Fall ist es nicht verwunderlich, dass das Gewicht stagniert oder gegebenenfalls sogar zunimmt.
 
Das ist etwas einfach. Bei mir ist es die Genmutation auf dem 13er Gen C/C (double C) die unter anderem (!) mit reinhaut. Die bedeutet nämlich JE MEHR MUSKELN = JE MEHR FETT Die Uni Düsseldorf hat 2011 dazu noch mit Kontrollgruppe eine andere Mutation festgestellt, die bei Probanden verhindert hat dass die mit gleicher kcal Anzahl und gleicher Sportaktivität weiter abnahmen. Dazu sorry gibt es auch inzwischen die Erkenntnisse so langsam zu DARMFLORA und die besagt dass bei gleicher kcal Zahl und gleicher Aktivität die mit der "falschen" Darmbakterienflora mehr aus dem Essensangebot herausnehmen. Ich bin das krasseste Bsp. was Ärzte je sahen, ich konnte aus 500 kcal genügend extrahieren (oder meine Bakterien) um das Gewicht und MUSKELMASSE 6 KG ÜBER NORM zu behalten..... und das über sehe lange Wochen, da ich nicht nachgab. Ich bin adipös seit Geburt... doch auch das gibt es. Und sehr viel Sport und Muskelaufbau problemlos immer wieder. Die Forscher wissen noch vieles nicht ! Bei mir wurde auch die 50% Diabetesrisiko Mutation TCF7L2-Genvariante festgestellt (2 Versionen gibt es dazu, bei der T-Variante hilft auch kein Vollkorn also Ballaststoffe null Wirkung) Wobei mit der Variante auch der Stoffwechsel ANDERS AUF GESUNDES REAGIERT wie wir im Dexcom Dauerglukosemessgerät 2x feststellten auf mein Begehren hin in DE, dass auch da selbst die Endokrinologen und Diabetologen falschliegen. Nebenbei ich hab keinen Diabetes noch mit 53.... viel Muskeln haben auch wohl andere Effekte, dennoch bleibt das metabolische Syndrom, es liegt an der seit Geburt versauten Darmflora. Ach ja und mit höherem Eiweiss würde ich aufpassen wegen den Nieren und auch Leber mit den Jahren - dazu ich nehme auch von Low carb und Hocheiweiss zu...... es bleibt niedrigkalorisch immer wieder essen und dazu immer wieder anpassen. Und grad im Muskelaufbau mt 53 nach Menopause bin ich am zunehmen, es ist eine Gradwanderung. Muskelaufbau ist seeeeehr einfach für mich, nur das Bauchfett loswerden unmöglich, ausser man würde es endlich absaugen da genetisch. Ich bleibe egal wie mein Körper sich umfort und besser aussieht und Muskeln extrem kommen, bei dem gleichen Körperfett Prozentsatz. Also ich kann fast alles von Ernährungs- und Sportwissenschaftlern widerlegen, dazu auch die Endokrinologen. Es liegt jetzt an den neuen Erkenntnissen zur Darmflora bei den Bauchhirnforscher und Gastro-Enterologen.... und das kann noch dauern, es bringt der Pharmaindustrie nur weniger Geld.
 
ganz ehrlich, es gibt auch andere fälle.. es wird immer so schön gesagt das man nach dem Sport sich direkt Kalorien reinschaufelt und dadurch das Gewicht Stagniert. Bei mir regt sich momentan beim Gewicht auch garnichts.. und kann mit gutem gewissen sagen das ich wahnsinnig kontrolliert esse.. ich esse gesund, kalorienarm, frisch, vegetarisch, eiweißreich.. ich treibe 4 mal die Woche Sport (7km joggen) und trotzdem tut sich nichts auf der Waage.. Leider kann mir bis heute niemand sagen woran das liegt =(

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