Im Check: die Blutgruppendiät | EAT SMARTER
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Sophia Thiel
Im Check: die BlutgruppendiätDurchschnittliche Bewertung: 4.3154

0, A, B oder AB?

Im Check: die Blutgruppendiät

Der US-Naturheilkundler Peter J. D'Adamo hat eine Wunderwaffe gegen Übergewicht und Krankheiten entwickelt. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Medikament. Alleine durch das Abstimmen von Lebensmitteln auf die eigene Blutgruppe sollen die gesunden Effekte entstehen. Doch beruht D'Adamos Theorie auf wissenschaftlich erforschten Fakten? EAT SMARTER hat den Check gemacht.

Abnehmen und Krankheiten heilen – laut dem amerikanischen Naturheilkundler Peter J. D'Adamo ist das ganz einfach. Und dafür bedarf es nur der richtigen Ernährung. Wie es sich für einen echten Diät-Guru gehört, hat D'Adamo auch ein Buch ("4 Blutgruppen: Vier Strategien für ein gesundes Leben") über seine Diät geschrieben. Darin erklärt er, welche Lebensmittel beim Abnehmen und Vorbeugen von Krankheiten helfen. Sein Ansatz: Das Essen muss mit der Blutgruppe abgestimmt werden. In der fehlenden Abstimmung sieht D'Adamo die große Gefahr von Übergewicht: Denn nicht alle Eiweiße vertragen sich mit allen Blutgruppen. Die Blutkörperchen verklumpen, mit den bekannten Folgen.
 

Das Prinzip

Dass sich verschiedene Blutgruppen untereinander nicht vertragen, ist bekannt. Würde jemandem, der Blutgruppe A besitzt, Blut der Gruppe B transfundiert werden, würde sich sein Blut verklumpen. D'Adamo behauptet, dass genau das gleiche passiert, wenn jemand Lebensmittel isst, die nicht zu seiner Blutgruppe passen. Schuld daran sind angeblich bestimmte Eiweiße, die Lektine. Verbinden sich Lektine mit Blutkörperchen, sind laut D'Adamo Krankheiten und Übergewicht die Folge. Seiner Meinung nach ist sogar Krebs mit Hilfe der Blutgruppendiät heilbar.
 

Das steht auf dem Speiseplan

Für jede Blutgruppe hat D'Adamo ein eigenes Ernährungskonzept entworfen, das sich an dem Essverhalten der jeweiligen Vorfahren orientiert. Denn seiner Meinung nach sind die unterschiedlichen Blutgruppen - A, B, AB und 0 - nicht gleichzeitig entstanden. Als erstes entstand 0, und zwar vor mehr als 40.000 Jahren. Damals waren die Menschen Jäger und Sammler, die sich hauptsächlich von Fleisch ernährten. Daraus schließt der Diät-Guru, dass Menschen der Blutgruppe 0 sich auch heute noch so ernähren sollten. Mit viel Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse auf dem Speiseplan würden sie gesund und schlank sein. Milchprodukte, Getreide und Hülsenfrüchte hingegen sollen schlecht für ihren Stoffwechsel sein.

Nach 0 hat sich die Blutgruppe A entwickelt, so D'Adamo. Aus dem Jäger und Sammler wurde ein Ackerbauer, der sich vorwiegend von Getreide und Gemüse ernährte. Daher empfiehlt der US-Naturheilkundler Menschen der Blutgruppe A, ihre Essgewohnheiten denen ihrer genetischen Vorfahren anzupassen und auf Fleisch und Milch zu verzichten. Stattdessen sollen sie viel Getreide, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse essen.

Laut D'Adamo entwickelte sich die Blutgruppe B unter nomadisch lebenden Viehzüchtern in Asien. Menschen dieser Blutgruppe sind an Milchprodukte und Fleisch gewöhnt und sollten diese Lebensmittel auch heutzutage noch verstärkt zu sich nehmen. Dafür aber sollten weder Getreide noch Hülsenfrüchte auf ihrem Speiseplan stehen.

Die jüngste Blutgruppe ist AB. Sie entstand erst im modernen Menschen, als sich die Ackerbauern mit den Viehzüchtern vermischten und so Zugang zu allen Lebensmittelsorten bestand. Wer diese Blutgruppe besitzt, darf alle Lebensmittel essen, so D'Adamo. Nur auf Schweinefleisch sollte verzichtet werden.
 

Fazit

Die Stiftung Warentest und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) haben sich die Blutgruppendiät genau angeguckt und ein vernichtendes Urteil gefällt. "Ungesicherte, verführerisch einfach klingende Annahmen werden dabei zu Fakten, die Lektine in Nahrungsmitteln als eine generelle Gefahr darstellen", so die DGE.

Nur in isolierten Laborversuchen konnte gezeigt werden, dass Lektine und Blutkörperchen zusammen verklumpen können. Im Organismus kann das nicht passieren, da das Eiweiß nur zu einem kleinen Teil ins Blut gelangt: Fast alle Lektine werden während der Verdauung abgebaut. Außerdem verlieren sie ihre Wirkung sobald man sie erhitzt, also die Lebensmittel kocht oder backt. Die Anzahl der Lektine, die dennoch ins Blut gelangt, ist minimal. Auch die DGE bestätigt: "Agglutinationen [Verklumpungen] im Blutstrom sind jedoch (im Gegensatz zum statistischen Labormodell) in keinem Fall dokumentiert." Die Stiftung Warentest argumentiert pragmatisch: "Da wir trotz jahrhundertelanger Verstöße gegen diese Regeln immer noch am Leben sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Diät."

D'Adamos Ernährungsempfehlungen sind sehr einseitig. Dadurch können Mangelerscheinungen entstehen. So rät er zum Beispiel, auf Milchprodukte zu verzichten. Außerdem sind die einzelnen Speisepläne zu fett- und eiweißreich. Diese Mängel gesteht sich der Diätguru sogar selbst ein: Er verkauft nämlich auch Nahrungsergänzungsmittel. Natürlich auf jede Blutgruppe abgestimmt. (bor)

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gibt es eine Überblickstabelle?
Bild des Benutzers EAT SMARTER
Hallo BS, was für eine Übersicht haben Sie im Sinn gehabt? Viele Grüße von ES
 
Peter J. D'Adamo ist nicht zu unterschätzen, leider machen es sich die gegner zu leicht, Sie verdammen alles was nicht sein darf. Tja, selber schuld. Ich jedenfalls lebe weiter nach Peter J. D'Adamo !!!!!!!!
 
Meine Blutgruppe ist A/positiv. Oder war es negativ? Wel-che Auswirkungen dieses auch immer auf die richtige Er-nährung haben kann, ich befürchte, es handelt sich um Produkte, welche ich seit meiner Kindheit verabscheue. Und trotzdem würde ich mich einer detielierten Beratung nicht unaufgeschlossen gegenüber zeigen. Zu Bedenken würde ich allerdings geben, das ich eine Persönlichkeit des Genusses bin.
 
Als Fach -Autor und Ernährungsberater habe ich mit einem interdiz. team alle ernstzunehmenden Diätempfehlungen in 15 Jahren untersucht und getestet, auch die Blutgruppendiät. Fazit: Eine gentische, metabolisch wirksame Prägung durch die Blutgruppe ist gegeben. Diese ist aber wie fast alle genet. Prägungen nur ca zu 1/3 wirksam. Ausschlaggebend ist die Konvergenz zw.dem angelebten Typus, der nach der Pubertät fertig ist, entprechend .z.B. der TCM oder besser der Ayurved. Medizin und der Blutgruppe. d,adamo hat also einen wichtigen Aspekt aufgegriffen, aber seine fundamentalistische These ist genauso falsch wie jene Pauschalverurteilung der DGE