Die Kunst der sanften Bewegung | EAT SMARTER
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Der Profi-Coach
Die Kunst der sanften BewegungDurchschnittliche Bewertung: 4.51565
17. April 2015

Die Kunst der sanften Bewegung

Geben Sie Ihrem Körper die Bewegung, die er braucht Geben Sie Ihrem Körper die Bewegung, die er braucht

Anstatt beim Laufen mühelos die Kilometer herunterzuspulen und mit Smoothies ganz entspannt ein paar Pfunde loszuwerden, ist der Weg in Richtung „fitter und schlanker werden“ oft gepflastert von undurchführbaren Diäten, nicht einhaltbaren Vorhaben und diversen Heimsportgeräten, die bereits Spinnweben angesetzt haben – kennen Sie das?

Dabei ist es – wie immer – eigentlich ganz einfach (wenn wir es nur glauben könnten). Alles was es braucht, ist eine gesunde und ganz individuelle Wahl, die Sie für sich treffen; eine gesunde Wahl hinsichtlich Ernährung und Bewegung. Denn dass es mit dem Abnehmen oder regelmäßig Sport treiben nicht klappt, liegt in aller Regel daran, dass wir unsere Bedürfnisse und Vorlieben in diesen Bereichen nicht kennen. Viele von uns wissen nicht, welche Nahrungsmittel uns wirklich gut tun und welche wir meiden sollten. Wenn es um die Fitness geht, bleibt oft der Spaßfaktor auf der Strecke.

Finden Sie Ihr ganz eigenes Idealbild

Hinzu kommt, dass wir körperliches Training und Diäten oft als „Muss“, als Pflicht, ansehen. „Ich muss jetzt endlich abnehmen“, „Ich muss dringend Sport machen“. Das hat nicht zuletzt mit unserem Glauben zu tun, dem entsprechen zu müssen, was uns Werbung und Medien vorgeben. Fit und schlank, so wird uns suggeriert, ist jung und schön. Da ich ursprünglich selbst aus der Werbung komme, weiß ich, wovon ich rede. Umsomehr ist es mir ein Anliegen, Sie heute dafür zu motivieren, einzig Ihrem ganz eigenen Idealbild zu entsprechen.

Ersetzen Sie das Wörtchen „muss“ durch „darf“, „Diät“ durch „bewusste Ernährung“ und „Training“ durch „freudvolle Bewegung“ und machen Sie sich klar, dass Sie das einzig und alleine für sich selbst tun, für diesen wunderbaren Körper, den Ihnen die Natur geschenkt hat und der Sie übrigens bis an Ihr Lebensende begleiten wird. Ich meine es ganz ernst! Bedanken Sie sich doch einmal bei diesem wunderbaren Gebilde, das Sie tagtäglich durch Ihr Leben trägt und Sie viele wunderbare Erfahrungen machen lässt. Fangen Sie an, Ihren Körper zu lieben und zu spüren, was er wirklich braucht. Nehmen Sie sich die Zeit, ihn liebevoll zu pflegen und zu erhalten. Oft behandeln wir unseren Körper wie ein Instrument, das einfach zu funktionieren hat, tatsächlich aber sprechen wir hier über eine ganz sinnliche Angelegenheit. Und auch über Verantwortung. Denn in erster Linie bestimmen wir selbst, wie gut es uns mit unserem Körper geht.Spielerisch und mit Spaß

Ich habe in jungen Jahren, als ich mein erstes Unternehmen gegründet habe, viel geraucht, bis ich das Laufen entdeckte. Ich will nicht sagen, dass Laufen zu meiner Ersatzdroge wurde, aber anfangs kannte ich hier kein Maß und kein Ziel. Ich lief und lief, ohne ein Gefühl dafür zu haben, wann die Kondition zu Ende war, mit dem Ergebnis, dass ich danach häufig völlig ausgepumpt war und mir damit die schöne Entspannung von Körper und Geist, die sich nach einem guten Lauf einstellen kann, genommen habe. Aus heutiger Sicht habe ich sicherlich ein eher ungesundes Lauftraining betrieben und auch mein Schuhwerk war damals nicht passend. Jahrelang war das Laufen sehr wichtig für mich.

Doch es kam, wie es kommen musste: Eines Tages machten die Knie nicht mehr mit. Stechende Schmerzen sorgten dafür, dass ich mit dem Laufen aufhören musste. In der Folgezeit war ich etwas ratlos, was ich jetzt tun sollte; das Laufen fehlte mir, aber ich hatte noch keine Idee, was ich stattdessen tun könnte. Ich nahm zu und wurde immer unzufriedener. Schließlich kristallisierte sich dann doch eine Bewegungsform heraus, auf die ich große Lust hatte: Ich wollte gerne regelmäßig Rad fahren. Freunde von mir planten einen Alpencross, und das reizte mich sehr. Aber noch glaubte ich, dafür keine Zeit zu haben. Wann um Gottes Willen sollte ich diese mehrstündigen Trainings in meinem fast immer voll gepackten, durchgeplanten Tagesablauf ansetzen? Sie ahnen es wahrscheinlich schon, das Training auf den ersten Cross war eine Qual, denn ich glaubte „zu müssen“. Obwohl mir das Radfahren an sich Spaß machte, nahm ich mir selbigen, weil ich glaubte, mir die Trainingszeiten aus den Rippen schneiden zu müssen. So war ich oft mit einem schlechten Gewissen und falschem Ehrgeiz unterwegs.

Nach einem wunderbaren Coaching mit meiner Frau erkannte ich, dass ich das Ganze auch spielerisch angehen könnte. Ich muss nicht, ich darf. Heute radle ich, wann immer es passt. Wenn es mal nicht passt, ist das auch nicht tragisch. Aber erstaunlicherweise passt es jetzt, wo der Druck genommen ist, viel öfter, als ich je zu träumen gewagt hatte. Und so war die nächste Alpenüberquerung per Rad einfach ein Traum.

Meine Frau ist übrigens auch verantwortlich dafür, dass ich mich in puncto Ernährung immer wieder neu inspirieren lasse. Sie lebt mir vor, wie man liebevoll auf seinen Körper hört und ihm die Lebensmittel gibt, die er braucht. Wenn wir im wahrsten Sinnen des Wortes auf unseren Bauch hören, können wir nicht viel falsch machen. So unterschiedlich wie wir als Menschen sind, so unterschiedlich sind unsere Bedürfnisse hinsichtlich dessen, was wir essen. Es lohnt sich sehr, herauszufinden, was Sie ganz speziell für Ihr ureigenes Wohlbefinden brauchen.

Der beste Zeitpunkt ist immer jetzt

Welcher Zeitpunkt wäre also günstiger als jetzt im Frühling, wenn die Tage länger und wärmer werden, um sich von der Natur zu einem Neustart hinsichtlich Ihres körperlichen Wohlbefindens inspirieren zu lassen? Abgesehen davon ist natürlich immer jetzt der genau richtige Augenblick. Sie müssen keineswegs gleich für den nächsten Marathon trainieren; es reicht, wenn Sie sich fürs Erste einfach deutlich mehr bewegen. 

Zum Beispiel könnten Sie jetzt in der warmen Jahreszeit statt mit dem Auto mit dem Rad zur Arbeit fahren oder, wenn das nicht geht, einen Teil des Weges zu Fuß zurücklegen und das Auto in einiger Entfernung abstellen. Es muss ja nicht gleich jeden Tag sein, Sie könnten mit zwei, drei Mal die Woche beginnen. Meiden Sie Aufzüge und nehmen Sie wo immer es geht die Treppe. Eine Treppe könnten Sie auch gleich mehrmals nehmen; wenn Sie das noch in einem flotten Tempo tun oder immer zwei Stufen auf einmal nehmen, werden Kreislauf und Beinmuskulatur es Ihnen danken.

Sanfte Bewegung und kleine Schritte

Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert unsere Laune, unsere Lebensqualität, mindert Stress, weil jede Menge Endorphine (Wohlfühlhormone) ausgeschüttet werden, und natürlich stärkt sie unseren Körper, während wir Kalorien verbrauchen. Körperliche Bewegung hilft unserem Organismus, so zu arbeiten und zu funktionieren wie er soll. Selbst einfaches Gehen ist eine wunderbare Übung, um den Muskeltonus zu erhalten und das Herz zu kräftigen. Vielleicht mögen Sie sich einen Schrittzähler zulegen und einfach nur jeden Tag ein paar tausend Schritte mehr tun – eine ganz einfache Art, Gewicht zu verlieren und wiederum dem Kreislauf Gutes zu tun. Vielleicht mögen Sie ja auch Rad fahren und oder schwimmen gehen: Beides entlastet die Gelenke. 

Finden Sie heraus, was Ihnen Spaß macht und bleiben Sie dabei. Gehen Sie es spielerisch an und suchen Sie sich Verbündete, im Miteinander macht alles doppelt so viel Spaß. Und das Allerwichtigste: Gehen Sie es langsam an und seien Sie liebevoll mit sich selbst. Jeden Tag ein kleiner Schritt wird Sie auf Dauer viel weiter bringen, als wenn Sie gleich am ersten Tag den Mount Everest erklimmen möchten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohes Bewegen.
Herzlichst,
Ihr Uwe Pettenberg

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