Reif für die Insel | EAT SMARTER
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Der Profi-Coach
Reif für die InselDurchschnittliche Bewertung: 5151
24. Juli 2015

Reif für die Insel

Es gibt Tage, da möchten wir am liebsten auf eine einsame Insel auswandern, weil sich scheinbar die ganze Welt gegen uns verschworen hat. Was Sie dann tun können, verrät Profi Coach Uwe Pettenberg in seinem heutigen Blog.

Kennen Sie das?  Es gibt Tage, da kommt Ihnen alles und jeder zu nahe, jeder darf quasi „in Sie hineinfassen“, Sie fühlen sich ausgeliefert und schutzlos und gleichzeitig wütend, weil Sie nicht wissen, wie Sie damit umgehen sollen.
 
Das sind die Tage, an denen im Verkehr garantiert ein Idiot hinter Ihnen an Ihrer Stoßstange klebt, an denen Sie vom Chef einen ungerechten Rüffel einstecken müssen, der Sie bis ins Mark trifft, an denen Ihr Kind Sie blöd findet (und Ihnen das auch ganz unverblümt sagt) und die Freundin zickig, und an denen Sie dann noch als Krönung von Ihrem Partner zu hören bekommen „Was bist Du denn so empfindlich?“ Sie fühlen sich wie ein offenes Buch, in dem jeder lesen kann – nur Sie selbst nicht.
 
Wenn Sie jedoch ganz genau hinhören, dann kennen Sie das alles schon. „Du bist immer so empfindlich!“ „Das kannst Du sowie so nicht!“ „Jetzt streng Dich doch mal an!“ – woher kennen Sie das? Wer hat das schon zu Ihnen gesagt? Damals waren Sie ein kleines Kind und konnten die Beurteilungen und ungerechten Forderungen nicht überprüfen und damit auch nicht abwehren. Heute haben sich alle diese Aussagen zu einer Stimme vereint, die sich immer dann meldet, wenn äußere Situationen Ihre Stressresistenz herausfordern. Da werden Sie quasi vom Leben selbst getestet.

Klarheit finden

Da hilft es sehr, wenn wir uns klar machen, dass wir unklar sind, wenn wir solche Tage haben. Wir sind unklar mit uns selbst, und das spürt unsere Umgebung und „nutzt es aus“. Meistens sind wir schon mit dem falschen Fuß aufgestanden, sehr wahrscheinlich den Kopf  bereits mit einer langen To-Do-Liste beschäftigt, kaum dass wir die Augen aufgemacht haben. In Gedanken sind wir nur bei unseren Verpflichtungen und wenig bis gar nicht bei einer klaren Vorstellung dessen, was uns heute wirklich wichtig ist und was wir wirklich tun wollen. Ich könnte auch sagen: Ganz oft lassen wir uns planlos durch den Tag treiben und wundern uns dann, wenn scheinbar alles gegen uns ist.
 
Da gilt es herauszufinden, was für Klarheit sorgen könnte. Fragen Sie sich: Wo ist mein Fokus? Was wünsche ich mir jetzt? Ganz konkret könnten Sie beispielsweise in einer nervigen Verkehrssituation Ihre Aufmerksamkeit für einen Moment ganz auf sich richten. Nehmen Sie einen tiefen Atemzug und fragen Sie sich, wo bin ich gerade? Dann erspüren Sie mal alles um sich herum, den Sitz unter Ihren Beinen und im Rücken, das Lenkrad in Ihren Händen, vielleicht bläst die Klimaanalage oder Regen prasselt auf das Autodach... nehmen Sie einfach alles wahr, was jetzt in diesem Moment ist. Das hilft, die Dinge zu relativieren. Auch verschafft in Alltagssituationen ein öfter mal gezielt eingesetztes „Nein“ mehr Klarheit, denn das setzt voraus, dass Sie sich vorher überlegt haben, was Sie wollen (und was nicht).

Offen sein

Vertrauten Personen gegenüber wie Ihrem Partner, Kindern oder auch Freunden dürfen Sie einfach ganz offen sein. „Ja, stimmt, ich bin heute etwas dünnhäutig, bitte hab Verständnis.“ Menschen, die Ihnen nahe stehen, werden das zu schätzen wissen, Offenheit hat etwas entwaffnendes, die Stimmung wird sich sofort ändern, und ganz oft ist das auch der Einstieg in ein klärendes Gespräch – im Miteinander lässt sich Klarheit leichter finden, außerdem fühlen wir uns dann nicht mehr so alleine, wenn wir uns mit einem vertrauten Menschen austauschen. Denn das Gefühl des Alleine seins („Keiner versteht mich!“) ist an solchen Tagen ganz besonders stark. Wenn Sie sich dann in Ihrer Verletzlichkeit zeigen, kann der Partner oder Freund entsprechend reagieren; lassen Sie sich überraschen, wie wohltuend und schön das sein kann.
 
Vielleicht haben Sie sich ja auch schon manchmal gefragt, warum es so ist, dass wir manchmal einfach keinen Weg aus der Negativschleife unserer Gedanken finden. Unser Gehirn ist evolutionstechnisch so beschaffen, dass wir erst einmal alles das sehen, was gerade nicht so gut läuft. Ursprünglich hatte das mit dem Überleben an sich zu tun. Obwohl es für uns heute nicht mehr um diese Art von Überleben geht, konzentrieren wir uns immer noch auf potentielle Gefahr und Negatives. Doch den Fokus auf die schönen, positiven Dinge zu lenken, das kann man trainieren.
 
Wenn Sie meinen Blog schon manchmal gelesen haben, wissen Sie bereits, dass ich ein großer Freund vom Aufschreiben bin. Deshalb auch heute mein Tipp: Schreiben Sie jeden Abend auf, was Ihnen den Tag über Positives widerfahren ist und wenn jemand etwas Schönes zu Ihnen gesagt hat. Sie werden staunen, wie viel da zusammenkommt. Vielleicht haben Sie auch Lust eine schöne Affirmation für sich zu finden, die Sie durch den Tag begleitet, zum Beispiel „Ich bin es mir wert“, „Ich bin in Ordnung, so wie ich bin“ oder „Es darf auch leicht sein“. Finden Sie eine Affirmation, die Sie wirklich berührt und die Sie jederzeit ganz leicht abrufen können. Auch das ist eine große Hilfe, um in den Moment zu kommen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Tag mit vielen Momenten, in denen Sie ganz bei sich sind!
 
Herzlichst,
Ihr Uwe Pettenberg

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