Was wir glauben, inszenieren wir | EAT SMARTER
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Der Profi-Coach
Was wir glauben, inszenieren wirDurchschnittliche Bewertung: 4.51516
03. Oktober 2014

Was wir glauben, inszenieren wir

Was wir glauben

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich die Gelegenheit mit meinem Sohn eine Fernsehsendung, eine Dokumentation, zu verfolgen, die einen Gnadenhof für Bären präsentierte. Hier wird Zirkusbären, die ein hohes Alter erreicht haben, bis zu ihrem Lebensende ein angenehmer und artgerechter Lebensabend beschert. Was dort zu sehen war, trieb mir und meinem Sohn die Tränen in die Augen. Denn die zerrupften, geschundenen Bären tun immer weiter das, was sie schon immer getan haben: Sie laufen im Kreis. Unbeirrt.

Die Antwort auf alle Ihre Fragen ist schon da

Wir Menschen verhalten uns da ganz ähnlich: Selten sind wir freiwillig bereit, die eigene Komfortzone zu verlassen. Viele unter uns vermeiden Leid, anstelle Lust zu gewinnen. Denn die Orientierung erfolgt mehr an dem, was nicht gelingen, als an dem was funktionieren könnte. Wir schränken uns ein, weil wir uns unseres wirklichen, großen Potenzials gar nicht bewusst sind. Wir haben es verlernt, realitätsfrei zu träumen, um auf unsere Herzenswünsche zu hören, die für unser Heil so wichtig sind. Der berühmte Modeschöpfer Karl Lagerfeld sagte einmal in einem Interview: „Wenn ich genau hinhöre, dann höre ich auf alle meine Fragen bereits eine Antwort in mir!“ Es stellt sich die Frage, warum wir so oft lieber auf die anderen (wer auch immer das ist, siehe oben) als in uns hinein hören.

Die Angst nicht (mehr) dazu zu gehören

Um dazuzugehören sind wir bereit, viel zu geben. Bereits in frühester Kindheit beginnt dieser sonderbare Anpassungsprozess, der Menschen dazu nötigt, Gefühl und Verstand zu trennen. Wir lernen bereits in ganz jungen Jahren, dass wir nicht in Ordnung sind, wenn wir nicht funktionieren. Im Sinne eines ungestörten Lebens beginnen wir zu funktionieren und uns anzupassen. Neben dieser Stimmungslage „nicht in Ordnung zu sein“ wird damit auch die Saat für neue Gefühle gesetzt: Schuld und schlechtes Gewissen.

Dies erklärt auch das Phänomen, dass wir im Erwachsenenalter immer mehr Energie aufwenden, um nicht so zu werden wie unsere Mutter und unser Vater. Dass wir darauf aus sind, gerade unsere eigenen Kinder ganz anders zu erziehen, aber leider immer noch nach dem Betriebssystem der eigenen Erziehung agieren. Wir sind grundsätzlich sehr „faule“ Wesen und so ist das Bequemste, was wir immer tun können, leider die Re-Inszenierung der elterlichen Beziehung. Denn genau diese ist uns allen als erste Erfahrung ins Leben mitgegeben. Es ist das Einfachste, was wir tun können, und deshalb tun wir es.

Und diese Übernahme von Erfahrungen geht noch weit über Verhaltensweisen der Eltern hinaus. Denn je nachdem, was unsere Mutter gern in der Schwangerschaft gegessen hat, wird dies auch uns mehr oder weniger gut schmecken. Denn wir haben diese Information des Geschmacks bereits mit der Muttermilch aufgesogen. So verbinden wir oftmals auch Gerüche und Geschmäcker mit der ehemals hoffnungsfrohen Erwartungshaltung, dass irgendwo da draußen in dieser Welt immer jemand zu finden ist, der uns so nimmt wie wir sind, der uns wärmt, der uns hilft und der uns vielleicht auch beschützt.

Was glaubt es in Ihnen?

Die gute Nachricht ist, Sie sind jetzt erwachsen. Auch wenn Sie bereits als Kind das Leben, die Einstellung dazu und die Lebensgestaltung Ihrer Eltern ohne Bewertung aufgenommen haben und es aller Erkenntnisse nach erst einmal undifferenziert als Wahrheit angenommen haben, können Sie heute alles verändern. Ihre Vorstellungen, die das kleine Mädchen oder der kleine Junge in Ihnen aufgesogen haben, aber heute für die erwachsene Frau, den erwachsenen Mann, nicht mehr praktikabel sind, können Sie jetzt bewusst beeinflussen! Sie haben wesentlich mehr Gestaltungsspielraum, Ihr Leben in die Hand zu nehmen und zu managen, als Sie bisher angenommen haben!

Die Ursache Ihrer möglichen Probleme ist, wie Sie darüber denken, was Sie darüber glauben und was Sie bisher daraus gemacht haben! Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Wirkung von Bewusstseinsarbeit (Glauben) zeigen, dass unsere Gene durch die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, beeinflusst werden. Jede einzelne Ihrer Zellen nimmt Ihre Umgebung war und muss darauf reagieren. Seien Sie sich also sicher, auch Ihr Glaube versetzt Berge! Und er hat diese Berge auch schon längst versetzt. Denn Sie tragen tief in sich einen Glauben, der Ihre Welt nach Ihrer „Vorstellung“ gestaltet, auch wenn Sie es gar nicht wahrhaben möchten.

Sie entscheiden, welches Leben Sie führen

Es ist einzig und alleine wichtig, dass Sie für sich selbst feststellen, wie Sie mit dem in Ihrem Leben Dominierenden umgehen, was Sie erlebt haben. Es Ihre Entscheidung, welche Haltung Sie zu vorangegangenen Ereignissen einnehmen. Leben Sie im Vorwurf, in Schuldzuweisung und Anklage? Dann ist dies eine Energie, die Sie bindet und Sie viel Kraft kostet. Sind Sie in Frieden mit Ihren Eltern, können Sie sie lieben, obwohl Sie mit manchem nicht einverstanden sind? Dann sind Sie wirklich frei und entbunden. So können Sie Ihre Lebens-Energie sinnvoll für sich und ein Leben, das gelingt, einsetzen.

Psychologisch betrachtet, bringt es Ihnen also auch nichts, die populäre Frage nach dem „Warum?“ zu stellen. Diese Fragestellung lässt Sie eher an einer leidvollen „Opfer-Energie“, verbunden mit einem Ohnmachtsgefühl, anhaften. Denn nicht wir fragen, und nicht Sie fragen, sondern das Leben fragt Sie! Auf Ihre eigene Interpretation kommt es an! Was ist Ihre Interpretation des Lebens? Was glauben Sie über sich und Ihr Leben? Ist dieser Glaube für die Erreichung eines gelungenen Lebens dienlich? Das, was wir denken und was wir fühlen, verankert sich auch im Körper.

Probleme entstehen im Miteinander ...

Die wichtigsten Erfahrungen machen wir Menschen immer dann, wenn wir gezwungen sind, Probleme eigenständig zu bewältigen. So bin ich der Auffassung, dass Probleme, selbst Symptome und Krankheiten immer auch Chancen sind. Aus meiner Erfahrung treten psychische Probleme immer in zwei Formen auf: auf körperlicher Ebene und auf emotionaler. Im Körper durch Krankheit bzw. Abwesenheit von Gesundheit und im emotionalen Bereich durch Gefühle, die wir – erst einmal – als negativ einstufen und meist ablehnen. Aus sozial-systemischer Sicht, also aus der Sicht der Wirkung des menschlichen Miteinanders, sind diese beiden Formen jedoch eng verwoben.

Auf der Grundlage dieses Erfahrens- und Erlebenscocktails bilden sich laut Fritz Riemann* prinzipiell immer vier Möglichkeiten aus, auf die uns begegnenden Lebenssituationen zu antworten. In jeder mitmenschlichen Beziehung können wir uns auf viererlei Weise verhalten:

  • wir können uns liebend identifizieren
  • wir können uns abgrenzend distanzieren
  • wir können viel auf uns nehmen oder
  • wir können beginnen sie zu wandeln

... und die Lösungen ebenfalls

Und genau diese Bestrebungen sind es auch, die uns im Verlaufe unseres Lebens immer wieder herausfordern. In den nun fast zwei Jahrzehnten meiner Tätigkeit als Lebenstrainer habe ich mich intensiv mit diesen vier Charaktertypen beschäftigt. Dabei haben sich verblüffend klar vier Energiemuster herauskristallisiert, in welchen wir uns wiederfinden können. Es sind dies der unterstützende Heilsbringer, der machende Steuermann, der kämpfende Krieger und der verbündete Bewahrer. Anhand der individuellen Prägung können die Kernpunkte einer Persönlichkeit erkannt, mögliche Probleme aufgespürt und konkrete Lösungsmöglichkeiten gefunden werden. Für ein neues, freies Leben! In den folgenden Blogs berichte ich an dieser Stelle mehr und ausführlicher zu den vier Energiemustern. Bleiben Sie dran! Es wird spannend.

Ihr Uwe Pettenberg

 

*Fritz Riemann 15. September 1902 in Chemnitz; † 24. August 1979 in München) war ein deutscher Psychologe, Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Astrologe und Autor. (Quelle: Wikipedia)

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Verlässliches und Gewohntes sind enorm wichtige Werte in unserer Kindheit. Auch im Erwachsenenalter geben uns Strukturen das Gefühl von Sicherheit. Denn in einer chaotischen Welt ohne Regeln und Normen ließen sich unsere menschlichen Fähigkeiten gar nicht entfalten und uns selbst könnten wir nicht einschätzen lernen, da wir keine Referenzpunkte im Leben hätten.
Energiemuster Teil 1
Wir alle kommen mit einer bestimmten Grundenergie ins Leben. Welche Qualität wir leben, ist wesentlich davon bestimmt, in welchem sozialen Umfeld wir aufwachsen und wie damit umgehen. Da wir immer das uns bestmögliche tun werden, was wir gerade tun können, passen wir uns dem sozialen Umfeld im Rahmen unserer persönlichen Möglichkeiten an. Wie schon zuvor an dieser Stelle erwähnt, bedeutet das aber nicht, dass dies für uns auch besonders positiv ist.
Krieger
Die menschliche Natur bedingt es, dass wir uns immer im Spannungsfeld zweier Pole erleben. Wir balancieren ständig zwischen Sicherheit und Autonomie und zwischen Nähe und Distanz. Dies sind die Grundpfeiler des menschlichen Wertebewusstseins. Auch hier erkennen wir die vier skizzierten Energiemuster und deren grundlegende Kraft in uns.
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Grammatisch richtig heißt es: "Was dort zu sehen war, trieb mir und meinem Sohn die Tränen in die Augen."
Bild des Benutzers EAT SMARTER
Guten Tag Herr Böhm, vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler behoben. Herzliche Grüße aus der EAT SMARTER Redaktion
 
Da bin ich einmal gespannt, was in den weiteren Blogs folgt. Es wäre für mich sehr schön, wenn ich endlich! das "Kriegsbeil" mit meiner Mutter begraben könnte.
 
Ich habe mich in dem Artikel weitgehend wiedergefunden. Schade, dass ich ihn nicht in jungen Jahren gelesen habe, denn ich stehe nunmehr schon ziemlich am Ende meines Lebens.
Bild des Benutzers Doertemeyer
Herr Pettenberg ist wirklich eine Bereicherung für EAT SMARTER. Ich lese seine Blogeinträge sehr gerne.

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