Edeka Werbespot "Heimkommen" | EAT SMARTER
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Der Profi-Coach
Zeit, bei uns selbst anzukommenDurchschnittliche Bewertung: 5152
11. Dezember 2015

Zeit, bei uns selbst anzukommen

Der Werbesport "Heimkommen" der Supermarktkette Edeka ist ein viraler Hit, der Menschen vor dem Bildschirm zu Tränen rührt. Profi-Coach Uwe Pettenberg hat den Spot analysiert: Welche Sehnsucht bedienen der tot geglaubte Opa, die weinende Familie und nicht zuletzt das gesellige Happy End?

Screenshot des Edeka-Werbespots "Heimkommen"

Derzeit kursiert ein Werbespot von Edeka in den sozialen Netzwerken und auf You Tube, den Millionen bereits angeklickt und gesehen haben und der Millionen zu Tränen rührt. Menschen sind zutiefst berührt und treten in Dialog, dem viralen Marketing und den modernen Medien sei Dank.

Der Weihnachtsclip zeigt einen kleinen, alten Mann, der am Heiligen Abend vom Einkaufen nach Hause kommt und seinen Anrufbeantworter abhört, um zu erfahren, dass die Tochter und ihre Familie es auch dieses Jahr wieder nicht schaffen werden, zu Weihnachten nach Hause zu kommen.

In der nächsten Einstellung sieht man die übrigen Kinder, wie sie auf der ganzen Welt verstreut, zutiefst beschäftigt in ihren verantwortungsvollen Berufen, Briefe bekommen, die sie überrascht (ein Brief in der heutigen Zeit?) und besorgt öffnen, um dann blass gegen eine Wand zu sinken, zu weinen anfangen, schließlich die Koffer packen und sich dann alle, ganz in schwarz gekleidet, vor dem Haus des Vaters versammeln und sich weinend in den Armen liegen.

Als sie das Haus betreten, stellen sie fest, dass im Esszimmer Licht brennt und sie entdecken, dass der Tisch für sie alle festlich gedeckt und mit Kerzen geschmückt ist. Vorsichtig tritt der Vater aus dem Nebenzimmer und sagt: „Wie hätte ich Euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?"

"In weniger als zwei Minuten ganz großes Kino"

Er hat sich zum Äußersten entschlossen, nämlich seinen Tod vorzutäuschen und damit seine Kinder zu Tode zu erschrecken, um sie endlich zum Fest der Liebe bei sich zuhause zu haben. Wie groß müssen seine Gefühle der Einsamkeit, seine Verzweiflung und seine Sehnsucht gewesen sein. Wie wenig wussten offenbar die Kinder, wie kostbar die Zeit mit der Familie ist.

Dies sind die ganz offensichtlichen Botschaften des Spots: „Kümmert Euch mehr um die einsamen alten Menschen in unserer Mitte und wartet nicht, bis es zu spät ist. Seid Euch bewusst, wie wertvoll und kostbar Zeit mit der Familie ist.“ Ob es moralisch bedenklich oder gar pietätlos ist, zu diesem Zweck mit dem vorgetäuschten Tod zu spielen, möchte ich mir nicht anmaßen zu beurteilen. Unser schlechtes Gewissen triggert er allemal.

Bemerkenswert ist jedoch, dass diese Kinder jahrelang zu Weihnachten „keine Zeit“ hatten, für die Beerdigung dann aber durchaus. Edeka bietet hier in weniger als zwei Minuten ganz großes Kino: Die Liebe lässt letztendlich alle Bedenken und Hindernisse überwinden und die Geschichte geht gut aus, obwohl zunächst alles dagegen spricht.

Was genau berührt uns am Edeka-Werbespot?

Angesichts der Tatsache, dass so viele Menschen von dieser Geschichte berührt sind, stellt sich die Frage: Was genau berührt uns daran so sehr? Was rührt uns an diesem Spot?

Zum einen spiegelt er den tiefen Wunsch, den wir alle in uns tragen, nach dem Miteinander mit unseren Lieben zum einen und dies in Frieden zum anderen. Damit sind zwei der größten und grundsätzlichsten menschlichen Themen angesprochen, die gerade jetzt und heute besonders präsent und besonders brisant sind. Wir alle wollen dazugehören und das vor allen Dingen und zuallererst in unserer Familie. Dort wollen wir gesehen und geliebt werden. Wir wünschen uns Geborgenheit und wir wünschen uns Harmonie. Angesichts der immer deutlicher und spürbar werdenden äußeren Unruhen und Gefahren wünschen wir uns auch Sicherheit und Frieden. Alle diese Sehnsüchte werden hier bedient.

Darüber hinaus gelingt diesem Werbeclip etwas, was sich immer mehr Menschen zutiefst wünschen: Er holt uns in den Moment, er lässt uns innehalten für 1,47 Minuten, in denen wir gespannt, traurig, schockiert und berührt sind. In unserer schnelllebigen, oberflächlichen Welt gelingt es diesem kleinen Kurzfilm, dass wir für wenige Augenblicke im Gefühl sind, er geht uns unter die Haut und lässt uns mindestens nachdenklich, vielleicht sogar ein bisschen mehr bei uns selbst zurück.

Sehnsucht, zu Hause anzukommen

Ich erlebe es jeden Tag mit meinen Klienten und Seminarteilnehmern:  „Ich möchte meine innere Mitte finden“; „Ich möchte mit mir in Frieden sein“; Ich möchte mich selbst mehr lieb haben können“; „Ich möchte endlich ankommen“ sind einige der heute am meist geäußerten Wünsche im Coaching und spiegelt unsere kollektiven Sehnsucht, nach Hause zu kommen, zu Hause zu sein, wider.

Denn dies ist wahrscheinlich die größte Sehnsucht: Dass wir bei uns selbst ankommen, dass wir bei uns selbst zu Hause sind. Wenn uns das gelingt, finden wir ganz von selbst Geborgenheit und Frieden in Gemeinschaft.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen friedliches Ankommen!

Herzlichst, Ihr Uwe Pettenberg

Hier noch einmal der Edeka-Spot: 

Weitere berührende Weihnachts-Spots im TV gibt`s hier.

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