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Die Getränkeprüferin
30. April 2014

Alkoholfrei = frei von Alkohol?

Alkoholfrei = frei von Alkohol?

Alkoholfreies Bier wird immer beliebter. Das merken wir bei der SGS zum Beispiel an zunehmenden Prüfaufträgen für alkoholfreie Produkte aus der Getränkebranche. Bereits von ein paar Jahren nahm eine Umfrage von TNS Infratest den Boom vorweg. Ihr zufolge griffen damals schon 53 Prozent der Erwachsenen gerne mal zu alkoholfreiem Bier. Dies tun meiner Einschätzung nach heutzutage noch mehr Menschen. Denken Sie zum Beispiel einmal an die zahlreichen Sportveranstaltungen, nach denen viele Teilnehmer gerne ein alkoholfreies Weizenbier als Durstlöscher trinken. Doch was bedeutet im Zusammenhang mit Getränken eigentlich die Kennzeichnung „alkoholfrei“? Frei von jeglichem Alkohol? Sie merken bereits an der Art der Frage, dass ich das verneinen muss.

Lebensmittelrechtlich erlaubt, ist bei „alkoholfreiem“ Bier ein Alkoholgehalt von bis zu 0,5 Volumenprozent. Für ein Getränk, das hingegen die Kennzeichnung „ohne Alkohol“ tragen soll, muss der Hersteller einen Alkoholgehalt von 0,0 % belegen. Das wissen übrigens die Wenigsten, wie es auch die erwähnte Infratest Umfrage belegt: 81 Prozent sind sich demnach nicht im Klaren darüber, dass alkoholfrei nicht bedeuten muss, dass gar kein Alkohol enthalten ist.

Je nach Herstellung kann ein alkoholfreies Bier nämlich eine geringe Menge Alkohol enthalten. Aber wie kommt es zu dem Anteil an Alkohol? Sie ahnen es vielleicht bereits: Bier wird nun mal gebraut. Bei diesem Produktionsprozess entsteht – so liegt es in der Natur des Verfahrens – Alkohol, der bei einem Bier ja auch mit für den Geschmack verantwortlich ist. Stellen Sie es sich so vor wie bei Fruchtsäften, die durch den natürlichen Prozess der Gärung ebenfalls nicht gänzlich frei von Alkohol sein müssen.

Um Sie in den Genuss eines „alkoholfreien“ Bieres kommen zu lassen, muss die Getränkeindustrie ganz schön arbeiten. Der Alkohol muss dem Brauprodukt ja auf irgendeine Weise entzogen werden. Dafür gibt es unterschiedliche Herstellungsverfahren. Im Rahmen einer Entalkoholisierung wird dem Bier zum Beispiel mit Hilfe von Filtrationstechniken Alkohol entzogen, während die sensorisch wichtigen Inhaltsstoffe zurückbleiben, die für den Geschmack wichtig sind. Oder möchten Sie ein alkoholfreies Bier trinken, das nicht nach Bier schmeckt? Ich vermute, nein.

Die Alternative zu Filterung lautet: gestoppte Gärung. Bei dieser minimieren niedrige Temperaturen im Gärtank bereits die Alkoholbildung. Sie sehen, zwei Wege ein Ziel: ein alkoholfreies und trotzdem geschmackvolles Bier. Bei dessen Qualitätssicherung werden wiederum wir von SGS Institut Fresenius unterstützend tätig. Seit vielen Jahren sind brauereispezifische Analyseparameter sowie Untersuchungen von alkoholfreien Erfrischungsgetränken und deren Rohstoffen Teil unserer täglichen Arbeit für Unternehmen der Getränkebranche.

Über den Autor dieses Beitrags

Guido Eggers ist Diplom-Braumeister und kennt die Getränkebranche seit Jahrzehnten. Als Getränke-Experte beim renommierten Lebensmittellabor SGS Institut Fresenius, das zum weltweit führenden Warenprüfkonzern SGS gehört, testen er und sein Team täglich, ob Mineralwasser, Bier, Wein oder Softdrinks das halten, was sie versprechen. Dass diese Getränke, ihre Verpackungen und auch die Herstellungsprozesse einwandfrei sind, interessiert vor allem Hersteller und Händler, die die SGS zum Beispiel mit Produktprüfungen auf Schadstoffe und Nährwerte oder mit Lieferantenkontrollen und dem Qualitätsmanagement beauftragen.

Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

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