Fassbrause: Nicht überall dasselbe | EAT SMARTER
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Die Getränkeprüferin
Fassbrause: Nicht überall dasselbeDurchschnittliche Bewertung: 4.8155
04. Oktober 2014

Fassbrause: Nicht überall dasselbe

Fassbrause: Nicht überall dasselbe

Fassbrause – die Bezeichnung steht im Berlin-Brandenburger Raum für ein traditionelles Erfrischungsgetränk auf Malzbasis. Seit knapp fünf Jahren allerdings finden sich unter diesem Namen auch immer mehr Mischgetränke mit alkoholfreien Bier im Handel. „Was denn nun?“, mögen Sie sich da fragen. Haben Sie doch sicherlich schon einmal gehört, dass Sie an der Bezeichnung eines Lebensmittels die Art des Erzeugnisses erkennen können sollen. Das ist auch richtig. Ist aber eine Produktbezeichnung nicht per Gesetz festgeschrieben, kann es Unterschiede geben, so beispielsweise bei der Fassbrause.

Für die Berliner und Brandenburger ist die Fassbrause ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk, das auf Basis natürlicherFrucht- und Kräuterauszüge, Malzextrakt, Zucker, Wasser und Kohlensäure hergestellt wird. Ihren Namen verdankt sie dem Umstand, dass sie früher in Fässern angeliefert und unmittelbar daraus gezapft angeboten wurde. Es heißt, ihr Erfinder, der Chemiker Ludwig Scholvien, wollte seinerzeit ein dem Bier ähnliches alkoholfreies Getränk entwickeln. Ob ihm dies gelungen ist? Die traditionelle Fassbrause jedenfalls ist ein erfrischendes, leicht herb schmeckendes Getränk, hat aber mit Bier einzig die Zutaten Malz und Wasser gemein.

Alkoholfreies Bier für FassbrauseDass nun die Fassbrause gut 100 Jahre nach Scholviens Erfindung zunächst im Westen der Republik, mittlerweile aber deutschlandweit eine Renaissance als eine Art alkoholfreies Alsterwasser erlebt, hätte sich der Chemiker wohl kaum träumen lassen. Der Clou an den meisten „neuen“ Fassbrausen ist alkoholfreies Bier, das rund 30 Prozent des Mischgetränks ausmacht und ihm – ähnlich der traditionellen Fassbrause – einen herben, tatsächlich aber bierähnlichen Geschmack verleiht. Den Rest der Mischung machen Limonaden unterschiedlichster Geschmacksrichtungen aus – von Apfel, über Zitrone bis hin zu Holunder oder Rhabarber. Mitunter enthalten die Getränke zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe. Wenngleich alkoholfreies Bier aus technologischen Gründen einen Restalkoholgehalt von bis zu 0,5 Volumenprozent aufweisen kann, gelten die besagten Getränke aus lebensmittelrechtlicher Sicht als alkoholfrei. Zu diesem Thema können Sie gern auch noch einmal meinen Beitrag „Alkoholfrei = frei von Alkohol?“ lesen.

Fassbrause mit ObstgeschmackEs gibt im Geschäft aber auch immer noch Fassbrausen, für deren Herstellung kein alkoholfreies Bier wird, sondern die auf Malzbasis hergestellt werden. Durch aufwendige Verfahren gelingt es Herstellern solcher Fassbrausen dadurch sogar, auf den Flaschen einen Alkoholgehalt von 0,00 Volumenprozent auszuweisen.

Um was für eine Art von Fassbrause es sich handelt, können Sie übrigens dem Zutatenverzeichnis entnehmen. Dort steht, ob als Zutat auch alkoholfreies Bier enthalten ist oder ob es sich um Getränk auf Malzbasis handelt. Manche Hersteller schreiben zusätzlich zu der Bezeichnung Fassbrause aber auch den Hinweis „Mischgetränk aus alkoholfreiem Bier und Limonade“ auf das Etikett oder geben Auskunft zum verwendeten Herstellungsverfahren.

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Über den Autor

Guido Eggers ist Diplom-Braumeister und kennt die Getränkebranche seit Jahrzehnten. Als Getränke-Experte beim renommierten Lebensmittellabor SGS Institut Fresenius, das zum weltweit führenden Warenprüfkonzern SGS gehört, testen er und sein Team täglich, ob Mineralwasser, Bier, Wein oder Softdrinks das halten, was sie versprechen. Dass diese Getränke, ihre Verpackungen und auch die Herstellungsprozesse einwandfrei sind, interessiert vor allem Hersteller und Händler, die die SGS zum Beispiel mit Produktprüfungen auf Schadstoffe und Nährwerte oder mit Lieferantenkontrollen und dem Qualitätsmanagement beauftragen.

Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

 

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