Kater-Killer und Detox-Drink: Ist das erlaubt? | EAT SMARTER
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Die Getränkeprüferin
Kater-Killer und Detox-Drink: Ist das erlaubt?Durchschnittliche Bewertung: 3154
25. Juli 2015

Kater-Killer und Detox-Drink: Ist das erlaubt?

Getränkehersteller sind kreativ. Bei Produktneuheiten treffen deshalb exotische Zutaten wie Acai oder Mangostane schon mal auf Klassiker wie Pfefferminz- oder Fencheltee. Verkaufsschlager wie Bier oder Kaffee werden mit beliebigen Zutaten oder gleich miteinander gemischt – als „Kaffee-Bier“ – angeboten.

Ob jeder so ohne weiteres neuartige Getränke erfinden und verkaufen darf – darauf haben Lebensmitteljuristen eine klare Antwort: Es kommt darauf an! Wer ein neues Getränk auf dem Markt bringen will, muss nach der europäischen Lebensmittel-Basisverordnung dafür sorgen, dass das Produkt sicher,  also nicht gesundheitsschädlich, ist.

Solange die gewählten Zutaten allein und in Kombination keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen auslösen und das Produkt richtig gekennzeichnet ist, darf so ziemlich alles gemischt werden, was dem Hersteller einfällt – also auch Gurken mit Mineralwasser, Zitrone und Dill oder auch Kaffee mit Holunder.

Die weiteren Rahmenbedingungen für die Lebensmittelsicherheit setzt ein ganzer Katalog gesetzlicher Vorschriften fest. Sie betreffen beispielsweise die Produktionshygiene und Reinheitsanforderungen an bestimmte Zutaten. Es gibt Höchstgehalte für Zusatzstoffe, Pflanzenschutzmittelrückstände oder andere potentiell schädlichen Stoffe.

Was dabei je nach Produkt Pflicht oder Kür ist, beurteilen Labore wie das SGS Institut Fresenius. Grundlage dafür sind individuelle Risikoprofile, Prüfungen der Deklaration und der Rezeptur sowie Produktanalysen. Werden beispielsweise exotische Früchte aus Drittstaaten verarbeitet, empfiehlt sich eine konsequente Wareneingangskontrolle auf mögliche Rückstände. Denn außerhalb der EU gelten mitunter andere Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit. Ab Dezember 2016 gilt für vorverpackte Getränke außerdem die Pflicht zur Nährwertkennzeichnung. Auch hier verhelfen Laboranalysen dem Hersteller zum Durchblick – und zur richtigen Kennzeichnung. Wichtig außerdem: das Mindesthaltbarkeitsdatum. Es muss auf jedem vorverpackten Lebensmittel stehen und wird im Zuge der Herstellung durch Lagerversuche ermittelt.

Entscheidend für den Markterfolg einer Innovation ist natürlich auch die Produktaufmachung und Werbung. Das Motto „Auffallen um jeden Preis“ ist dabei allerdings keine gute Devise. Denn die Beanstandung irreführender Werbung durch die amtliche Überwachung kann schnell zu kostenintensiven gerichtlichen Auseinandersetzungen führen.

Die Möglichkeit, gesundheitlich positive Wirkungen auszuloben, ist streng reglementiert. Nur die in einer Positivliste aufgeführten Aussagen dürfen in der Werbung für Lebensmittel verwendet werden, da diese als wissenschaftlich gesichert gelten. Botschaften wie „Kater-Killer“ oder auch „Detox-Drink“ sind in den Listen nicht aufgeführt und somit keine gute Wahl. Sie suggerieren gesundheitliche Wirkungen, die als irreführend eingestuft werden, da deren wissenschaftlicher Beleg (noch) nicht vorliegt.

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Über die Autorin dieses Beitrags

Nicole Oschwald ist staatlich geprüfte-Lebensmittelchemikerin und Leiterin der Kundenbetreuung am Freiburger Standort von SGS Institut Fresenius. Das dortige Labor ist Kompetenzzentrum für die Analyse von alkoholhaltigen und alkoholfreien Getränken, Fleisch- und Wurstwaren und Tierarzneimittelrückständen. Eine weitere Spezialität des Standorts ist die Aromaanalyse, die für die Getränke- und Lebensmittelindustrie eine große Rolle spielt. Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

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