Spirituosen-Spuk zu Halloween | EAT SMARTER
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Die Getränkeprüferin
Süßes oder Saures? Spirituosen-Spuk zu HalloweenDurchschnittliche Bewertung: 5153
30. Oktober 2015

Süßes oder Saures? Spirituosen-Spuk zu Halloween

Hexenlikör, Kürbisschnaps und Himbeergeist – der wahre Grusel zeigt sich oftmals erst am Tag nach Halloween. Viele Partyleichen verfluchen dann die Geister, die sie tranken. Kräuter, Kurzer und anderer Partyliköre schmecken süß, haben es aber in sich. Und zwar neben Zucker auch 15 bis zum Teil über 40 Volumenprozente Alkohol. Doch was sind eigentlich ein Geist und ein Likör? Wieso gibt es so viele Schnäpse mit launigen Produktnamen und Geschmacksrichtungen? Ich gehe für Sie dem Spirituosen-Spuk auf den Grund.

Halloween-Cocktails

Der Begriff „Spirituose“ stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt nichts anderes als Geist. Das allerdings hat nichts mit Halloween zu tun. Der Oberbegriff Spirituose steht vielmehr für Getränke mit einem Mindestalkoholgehalt von 15 Volumenprozenten.

Je nach Sorte können sie aber noch hochprozentiger sein: Mindestens 40 Volumenprozente sind es etwa beim Whiskey und 37,5 Volumenprozente bei den Obstbränden. Für einen Likör reichen die genannten 15 Volumenprozente. Ein Ausnahmegeist ist der Eierlikör. Er hat einen Mindestalkoholgehalt von 14 Volumenprozenten.

Wie werden Spirituosen hergestellt?

Spirituosen können mithilfe unterschiedlicher Verfahren hergestellt werden. Klar ist: Mit der Hefegärung allein kommt man nicht weit. Denn Hefen, wie sie zur Herstellung von fermentierten Getränken wie Wein oder Bier verwendet werden, geben bei rund 15 Volumenprozenten ihre Tätigkeit auf. Höhere Alkoholgehalte erreicht man nur, wenn destilliert – also gebrannt – wird oder durch Zusatz reinen Alkohols.

ObstbrandFür einen Obstbrand werden beispielsweise frische Früchte oder Most vergoren und die Maische anschließend – der Name sagt es schon – gebrannt. Aus dem Brennvorgang resultiert ein Gemisch aus Alkohol, Wasser und Aromen. Dieser Prozess erfordert viel technisches Know-how, damit etwa keine Fuselöle in das Destillat übergehen. Solche Stoffe beeinträchtigen auch die Qualität des Endproduktes.

Wann heißt ein Alkoholgetränk wie?

In den Laboren von SGS Institut Fresenius prüfen wir die Spirituosen im Auftrag der Hersteller, damit so etwas nicht passiert.

Die Bezeichnung „Geist“ dürfen nur Spirituosen tragen, die auf eine bestimmte Weise zubereitet werden. Ein Himbeergeist darf zum Beispiel nur so heißen, wenn er auch wirklich aus der verwendeten Frucht hergestellt wurde. Das heißt, dass für die Spirituose bei der Herstellung ganze, nicht vergorene Himbeeren mit Alkohol versetzt wurden und anschließend die Destillation erfolgt ist. Ein „Geist“ darf also nicht aromatisiert werden.

Anders sieht das bei Likören aus. Die meisten Liköre werden nämlich auf Basis von Neutralalkohol hergestellt, der mit Zucker sowie mit Geschmack gebenden Zutaten wie Fruchtextrakten, Kräuter- oder Gewürzzusätzen, Sahne oder Milch vermischt wird. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Himbeer-LikörFantastisch sind oft auch die Namen auf dem Etikett – von Dracula Blut über Hexenfeuer bis hin zu Froschkotze. Diese allerdings können die Pflichtangabe „Likör“ allenfalls ergänzen. Denn der Alkoholgehalt von Likören beträgt mindestens 15 Volumenprozente, oft allerdings deutlich mehr. Zudem haben die süßen Spirituosen in der Regel einen Zuckergehalt von mindestens 100 Gramm pro Liter.

Und da liegt die Tücke der Liköre: Aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes wird der Alkoholgehalt geschmacklich kaum wahrgenommen. Die Volumenprozente müssen allerdings, wie bei allen alkoholischen Getränken, immer auf dem Etikett stehen.

Vielleicht achten Sie bei der heutigen Kostümfeier einmal darauf! Viel Gruselspaß an Halloween!


Über die Autorin dieses Beitrags

Nicole Oschwald ist staatlich geprüfte-Lebensmittelchemikerin und Leiterin der Kundenbetreuung am Freiburger Standort von SGS Institut Fresenius. Das dortige Labor ist Kompetenzzentrum für die Analyse von alkoholhaltigen und alkoholfreien Getränken, Fleisch- und Wurstwaren und Tierarzneimittelrückständen. Eine weitere Spezialität des Standorts ist die Aromaanalyse, die für die Getränke- und Lebensmittelindustrie eine große Rolle spielt. Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de

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