Warum haben die Verschlüsse von Mineralwasserflaschen unterschiedliche Farben? | EAT SMARTER
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Die Getränkeprüferin
Warum haben die Verschlüsse von Mineralwasserflaschen unterschiedliche Farben?Durchschnittliche Bewertung: 4.31510
12. August 2014

Warum haben die Verschlüsse von Mineralwasserflaschen unterschiedliche Farben?

Warum haben die Verschlüsse von Mineralwasserflaschen unterschiedliche Farben?

Bei vielen Wasserflaschen haben sich Schraubverschlüsse aus Kunststoff etabliert. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Deckel unterschiedliche Farben haben? Das hat seinen Ursprung in der Gastronomie. Da dort oft Kühlschränke zum Einsatz kommen, bei denen man nur die Getränkedeckel sehen kann, muss der Wirt schnell erkennen können, welche Sorte Wasser er aus dem Kühlschrank zieht. Aber auch für die Haltbarkeit des Mineralwassers kann der Verschluss eine Rolle spielen.

Still, medium oder spritzig? Diese Angaben auf Mineralwasserflaschen beziehen sich – wie Sie es vermutlich bereits wussten – auf den Kohlensäuregehalt des jeweiligen Mineralwassers. Die Kohlensäure hat übrigens nicht nur Einfluss auf den Geschmack des Wassers, sondern macht es auch besonders haltbar. Die Säure wirkt als Selbstschutz gegen mikrobiologische Verunreinigungen. Denn Keime mögen den geringeren pH Wert von kohlensäurehaltigem Mineralwasser gar nicht. In Mineralwasserflaschen aus Glas oder PET wird häufig Kohlenstoffdioxid unter Druck eingefüllt, anschließend werden sie verschlossen, so dass kein Gas entweicht. Die Flaschen stehen unter Druck und das Mineralwasser ist zunächst konserviert. Erst wenn Sie die Flasche öffnen, wird der Druck verringert, die Kohlensäure entweicht.

Wie bei anderen Getränken auch fordert der Gesetzgeber, dass der Verschluss von Mineralwasser die Flasche einwandfrei abdichtet - selbst bei hohem Innendruck darf der Deckel so gut wie kein Kohlendioxid durchlassen. Hierbei spielt der Verschluss eine entscheidende Rolle. So haben zum Beispiel die Dichtungen der sich in ihm befindenden Inlays bestimmte „Barriereeigenschaften“ und verhindern, dass Kohlensäure austritt.

Aber es gelten noch weitere Vorschriften für Verschlüsse: Sie müssen beispielsweise hygienisch einwandfrei transportiert und gelagert werden. In modernen Abfüllanlagen werden sie zusätzlich desinfiziert, um den höchsten Sicherheitsstandards zu genügen. Meine Kollegen und ich helfen mit unseren Untersuchungen und Analysen dabei, Mineralwasser und andere Getränke noch sicherer zu machen, um die Gefährdung von Umwelt oder Gesundheit zu vermeiden.

Wir führen chemische Prüfungen der Verschlüsse auf Schadstoffe und Schwermetalle sowie Prüfungen der physikalischen Eigenschaften wie Härte, Dichte und Verbundfestigkeit durch. Dazu kommen Anwendungen im Praxistest: Wir simulieren zum Beispiel den Transporteinfluss auf die Verpackung sowie statische und dynamische Prozesse während der Lagerung. Bezogen auf die Mineralwasserflasche und den Verschluss bedeutet das, dass wir unter anderem in Vibrationstests herausfinden, ob Kohlensäure entweicht, sowie das Behältnis prellen oder den freien Fall simulieren, um zu sehen, wie haltbar es ist. Manchmal rütteln wir Getränkekästen im Auftrag der Hersteller auf speziellen Geräten auch schon mal so richtig durch, um die Anlieferung per LKW zu simulieren. Außerdem werden die Flaschen extremen Temperaturen oder intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt.

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Über den Autor dieses Beitrags

Guido Eggers ist Diplom-Braumeister und kennt die Getränkebranche seit Jahrzehnten. Als Getränke-Experte beim renommierten Lebensmittellabor SGS Institut Fresenius, das zum weltweit führenden Warenprüfkonzern SGS gehört, testen er und sein Team täglich, ob Mineralwasser, Bier, Wein oder Softdrinks das halten, was sie versprechen. Dass diese Getränke, ihre Verpackungen und auch die Herstellungsprozesse einwandfrei sind, interessiert vor allem Hersteller und Händler, die die SGS zum Beispiel mit Produktprüfungen auf Schadstoffe und Nährwerte oder mit Lieferantenkontrollen und dem Qualitätsmanagement beauftragen.

Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

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