Wenn Heimatgefühl die Getränkeauswahl bestimmt | EAT SMARTER
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Die Getränkeprüferin
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26. August 2014

Wenn Heimatgefühl die Getränkeauswahl bestimmt

Wenn Heimatgefühl die Getränkeauswahl bestimmt

Lokale Spezialitäten liegen im Trend. Ob Bier aus der örtlichen Brauerei oder Apfelsaft vom Bauern um die Ecke – 54 Prozent der Deutschen achten beim Einkauf besonders auf Lebensmittel aus der Region. Der Grund: Mit solchen Produkten verbinden die meisten nicht nur ausgezeichneten Geschmack, sondern auch eine hohe Qualität sowie nachhaltige Produktionsbedingungen. Mehr als jeder zweite Kunde würde für regionale Produkte sogar bis zu 15 Prozent mehr bezahlen. Im Vergleich dazu ist etwa Bio-Qualität deutlich weniger Deutschen wichtig, so die Ergebnisse der aktuellen SGS-Verbraucherstudie 2014.

Gerade bei Getränken vertrauen viele Konsumenten den Herkunftsangaben und greifen ohne Abwägen zu. Doch nicht immer halten die Produktaufdrucke, was sie versprechen. So kam beispielsweise kürzlich ein Bierhersteller aus Mecklenburg-Vorpommern in die Schlagzeilen. Er vermarktete ein Bier als regional, obwohl es in Niedersachsen gebraut wurde. Auch der Inhalt von Säften mit „heimischen Früchten“ sorgte kürzlich bei Verbrauchern für Unmut. So erklärte der Hersteller, dass es sich bei dieser Geschmacksrichtung lediglich um Früchte handelt, die typisch für den mitteleuropäischen Raum seien. Die Wahrheit: Je nach Saison und Marktlage können diese auch überregional beschafft werden.

Schon bei der Definition von Wörtern wie „regional“ oder „heimisch“ gibt es offensichtlich weitreichende Unterschiede. Nicht nur die fehlenden geografischen Angaben sind irreführend. Oftmals bleibt unklar, ob der Ursprung der Rohstoffe, der Verarbeitungsort oder sogar nur die Rezeptur regional ist. Auch die Konsumenten sind sich nicht einig: Laut Regionalitätsstudie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft empfinden rund 37 Prozent der Deutschen den Großraum ihrer Stadt als regional. Knapp die Hälfte zählen dagegen ihr eigenes Bundesland oder andere gar ganz Deutschland zu diesem Bereich. Viele Verbraucher achten auf Gütezeichen und Siegel und sind trotzdem bei der Produktwahl häufig unsicher, so die SGS-Verbraucherstudie. Vom EU-Signet bis hin zur regionalen Eigenmarke von Supermärkten: Viele Produzenten haben ein großes Interesse an der Vermarktung von heimischen Produkten und benutzen dafür ein eigenes Logo.

Das neue „Regionalfenster“ soll für mehr Durchblick sorgen und Kunden verlässliche Orientierung geben: Bundesweit sollen Verbraucher mit diesem Etikett einfach und schnell regionale Produkte sowie die Herkunft der eingesetzten Zutaten erkennen. „Milch aus Hessen, abgefüllt in 36381 Schlüchtern“ steht dann beispielsweise gut sichtbar und in einheitlichem Design auf dem Karton. Hier stammen also 100 Prozent des Produktes aus der angegebenen Region. Bei Lebensmitteln mit zusammengesetzten Zutaten müssen mindestens 51 Prozent des Gesamtgewichtes aus der angegebenen Region hervorgehen. Dass diese Kriterien eingehalten werden, kontrollieren unabhängige Prüfstellen, so auch die SGS-Gruppe Deutschland. Seit Anfang 2014 ist das neue Regional-Siegel auf Lebensmitteln zu finden und soll nach dem Willen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft als Lösung für die entstandenen Unklarheiten dienen.

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Über die Autorin dieses Beitrags

Beate Schambach ist Diplom-Oecotrophologin und seit 2008 als Projektmanagerin bei SGS Institut Fresenius tätig. Seit Zulassung der SGS als unabhängige Zertifizierungsstelle für das „Regionalfenster“ kümmert Sie sich um entsprechende Anfragen von Lebensmittel- und Getränkeproduzenten. Dabei organisiert sie unter anderem die Kontroll-Audits, bei denen von neutralen SGS-Experten geprüft wird, ob die eingesetzten Zutaten tatsächlich aus der benannten Region stammen.

Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

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