Der neue Hype um Brot | EAT SMARTER
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Der neue Hype um BrotDurchschnittliche Bewertung: 3.2155
18. August 2015

Der neue Hype um Brot

Dunkler Laib Brot mit einer abgeschnittenen Scheibe Vielleicht ist der seit Anfang der 1990er Jahre beklagte Niedergang der einst so stolzen deutschen Brotkultur, der Hand in Hand zu gehen scheint mit dem „Bäckersterben“ und dem Aufstieg der Backshops in Supermärkten, die nur mehr fertige Teiglinge aufbacken, ja nicht zuletzt auch ein Ausdruck der zunehmenden Säkularisierung unserer Gesellschaft, des sozialen Bedeutungsverlusts von Religion. Kurz gesagt: Wenn uns Religion nicht mehr so wichtig ist, dann ist uns auch eines seiner zentralen Symbole, das Brot, nicht mehr so wichtig. Dann darf es auch aus tiefgefrorenem Teig bestehen und aus industrieller Fertigung in die Aufbacköfen kommen.

Man könnte gegen diese These durchaus einwenden, dass der Bedeutungsverlust des Brotes als wichtiges und hochgeschätztes Nahrungsmittel weniger „religiöse“ Gründe hat, sondern einfach der Tatsache geschuldet ist, dass uns heute auch unzählige andere Nahrungsmittel in ausreichendem Maße und zu vergleichsweise günstigen Preisen zur Verfügung stehen – und wir eben nicht mehr bloß auf Brot angewiesen sind, um ausreichend elementare Nährstoffe aufzunehmen.

Brot: Handwerk ist wieder im Trend

Bei meinen Recherchen zu neuen Food-Trends und zum Wandel unserer Esskultur beobachte ich aber untrügliche Zeichen für einen neuen – spirituell befeuerten – Hype um Brot: Um Brot aus handwerklicher Herstellung, um Brot nach alten Rezepturen unter Verwendung von Sauerteig, sowie um Brot aus seltenen Getreidesorten wie etwa Kamut oder Brot aus Hülsefrüchtemehlen. Vor allem in den Großstädten – von San Francisco bis Wien – eröffnen wieder neue Handwerksbäcker ihre Tore, mit schicken Läden und einer bewusst inszenierten Aura, die von einem neuen „Spirit“ kündet. Brot wird dort nicht einfach als Nahrungsmittel aus Wasser und Mehl, nicht nur als „Tragfläche“ für Wurst und Käse behandelt, sondern – auch aus der Sicht vieler begeisterter Kunden – als kulinarische Offenbarung wahrgenommen.

Es hat zumindest für mich den Anschein, dass die in den Nischen der Backbranche sich ankündigende Renaissance der Brotkultur gleichfalls ein Produkt der auch in den westlichen Gesellschaften wieder wachsenden Sehnsucht nach Spiritualität ist, nach einer engeren Ausrichtung des Lebens an anderen als bloß materiellen und ökonomischen Kriterien.

Brot als Gourmet-Begleiter

In einem exklusiven kalifornischen Restaurant konnte ich erst vor kurzem eine Erfahrung machen, die eine solche These weiter unterstützt: Zum mehrgängigen Menü gab es nicht nur die obligate Weinbegleitung, sondern zum jeweiligen Gang stets auch passende Brote und Gebäcksorten. Wenn Brot so wieder zum Begleiter wird, gewinnt es auch wieder eine neue, über die körperliche Sättigung weit hinausreichende Bedeutung.

Ihre
Hanni Rützler

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