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Food-Trends
28. Oktober 2014

Fast Food, Slow Edition

In Wien stehen derzeit bekennende Gourmets jeweils an drei Tagen der Woche Schlange vor einem Pop-Up-Fast-Food-Restaurant. Innerhalb kürzester Zeit ist die sogenannte „Fisherei“ in einem kleinen Gasthaus im Zentrum meiner Wahlheimat zum Mekka für Liebhaber klassischen britischen Fast-Foods geworden: Michael Vesely und Adelheid Reisinger servieren hier nichts anderes als Fish and Chips. Freilich, wie der österreichische Gourmet-Kritiker Severin Corti schreibt, „in einer Qualität, wie sie auch die legendärsten unter den Londoner Vorbildern wie die Golden Union Fish Bar, das Nautilus oder selbst das kitschig-köstliche Poppies in Spitalfields nur an guten Tagen bieten.“ Kabeljau in einer Frische wie er sonst nur in der Hyper-Luxusgastronomie zu haben ist, eingepackt in einen simplen Bierteig, so krachend knusprig, dass man ihn mit Worten kaum beschreiben kann.

Lecker: Fish and Chips Lecker: Fish and Chips

Was die Wiener Gourmetherzen derzeit höher schlagen lässt, ist seit ein paar Jahren auch in anderen Weltregionen zu beobachten. Fast Food, jahrzehntelang der Inbegriff für minderwertigen Junk und Ausgeburt „böser“ Gastrokonzerne, erfindet sich völlig neu. Ob „Gourmet Burger Kitchen“ in England, „Chipotle“, „Maoz" oder „Zoës Kitchen“ in den USA oder „Gourmet Hot Dogs“ in Dänemark: Weltweit schießen Restaurants und Restaurant-Ketten aus dem urbanen Boden, die Fast Food in einer neuen, zuvor nicht gekannten Qualität offerieren.

Auch in deutschen Großstädten ist, wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, eine alternative Burger-Bewegung ausgebrochen, die den Platzhirschen „McDonald’s“ und „Burger King“ auf die Pelle rücken: Die Burger-Brater werben mit hochwertigen Produkten („vom Angusrind“), experimentellen Zutaten („Ziegenkäse und Feigensauce“) und – natürlich – mit dem Bio-Versprechen.

Dass gleichzeitig auf den Wirtschaftsseiten regelmäßig von Umsatzrückgängen traditioneller Fast-Food-Anbieter zu lesen ist, zeigt, dass Konsumenten nicht mit dem „fast“ ein Problem haben, sondern eher damit, was dabei manchmal als „food“ offeriert wird, und dass „schnell“ nicht zwangsläufig mit „schlecht“ einhergehen muss. Was die jahrzehntelangen Proteste gegen McDonald’s und Co nicht geschafft haben, ein erfolgreiches, weil unserem Lebensstil besser angepasstes Gastro-Konzept in die Schranken zu weisen, das schaffen nun seit einiger Zeit Gastronomen, die sich den Herausforderungen der neuen Zeit stellen, statt stur auf Omas-Slow-Kitchen zu beharren.

Die neue Devise heißt daher, Fast Food in einer die „Slow“-Prinzipien übernehmenden Version aufzutischen: „Improved Fast Food“ nennt das der Gourmet-Kritiker der New York Times, Mark Bittman. Und er ist überzeugt davon, dass an diesem Trend auch die alten Hasen der Branche nicht vorbeikommen werden. Die „Drohung“ der Konkurrenz mit besserer Qualität sei wirksamer als die „Boykott“-Haltung der Fast-Food-Gegner alten Zuschnitts. Und das ist gut so. Ich jedenfalls mache mich jetzt auf den Weg in die „Fisherei“.

Hanni Rützler

 

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