Fliegen im Gourmetmenü? Vorschau auf den Ento-Trend | EAT SMARTER
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Food-Trends
Fliegen im Gourmetmenü? Vorschau auf den Ento-TrendDurchschnittliche Bewertung: 4.7153
03. Februar 2015

Fliegen im Gourmetmenü? Vorschau auf den Ento-Trend

Ento-Trend: Heuschrecken gehören dazu. © bajita111122 – Fotolia.com Ento-Trend: Heuschrecken gehören dazu. © bajita111122 – Fotolia.com

Wenn Insekten auf dem Teller landen – und zwar als Speise –, liegt dies am sogenannten Ento-Trend. Trendforscherin Hanni Rützler erklärt, was es damit auf sich hat.

Dass Food-Trendforschung kein bloßer Schreibtisch-Job ist, darum werde ich oft beneidet. Schließlich gehört der regelmäßige Besuch von – überwiegend guten – Restaurants in aller Welt auch zur Job-Description. Manchmal aber werde ich dafür auch bemitleidet. So wie vor kurzem, als ich im Freundeskreis von einem mehrgängigen Menü mit Insekten erzählt habe, das der junge österreichische Spitzenkoch Harald Irka in meinem Studio in Wien zubereitet hat. Auf der virtuellen Speisekarte standen – angeregt durch Christoph Thomann, der es sich mit seinen Mitstreitern im Verein „Speiseplan“ zur Aufgabe gemacht hat, Insekten als Lebensmittel zu etablieren – Heuschreckenpastete, Mehlwurmkrokant, Rindfleisch-Grille-Heimchen-Leibchen und einige andere Gerichte, deren Verzehr meine Freunde und Freundinnen eher mit den bekannten Ekel-Prüfungen im Dschungelcamp in Verbindung bringen.

Gleich vorweg gesagt: Mein Gaumen war beim Verkosten eher positiv überrascht. Die Ekel-Schranke errichtet vor allem der Kopf, das heißt, unsere Vorstellung davon, was man essen kann und mag und was nicht. Schließlich stehen Heuschrecken, Wachsraupen, Soldatenfliegen-Larven und anderes Krabbelgetier anderswo in dieser weiten Welt schon lange routinemäßig auf dem Speiseplan. Und auch, dass die Kopfschranke Schritt für Schritt überwunden werden kann, haben wir in den letzten Jahren immer wieder erlebt: Wie viele Menschen haben sich zum Beispiel noch vor 20 Jahren vor rohem Fisch geekelt? Und heute gibt es fast an jeder Straßenecke eine Sushi-Bar. In vielen Supermärkten sind die Bentō-Boxen mit rohen Meerenfrüchten längst zu einem beliebten Take Away geworden. Und schließlich sieht die in Deutschland kulinarisch sehr beliebte Nordseekrabbe nicht viel weniger „krabbelig“ aus als die gemeine Heuschrecke.

Darüber, ob der Genuss von Insekten bald auch in Europa zu einem durchschlagenden Food Trend wird, lässt sich natürlich streiten. Dagegen spricht vorerst nicht nur, dass ihre Präsenz auf unseren Tellern für viele noch gewöhnungsbedürftig wirkt, sondern vor allem die Tatsache, dass es für die Krabbeltiere, Larven und Puppen in Europa – mit Ausnahme von Belgien – noch keine gesetzliche Zulassung als menschliche Ernährung gibt. Und Gourmets wenden zu Recht ein, dass der Großteil der hierzulande zum Kochen verfügbaren Insekten das kulinarische Potential, das in dieser Tierart stecken könnte, nur vermuten lässt. Denn die momentan in Europa verfügbaren Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken werden primär zur Verarbeitung als Tierfutter gezüchtet, also nicht nach kulinarischen Kriterien für die Zucht ausgewählt. Weltreisende Food-Hunter berichten aber immer wieder auch von angenehmen sensorischen Überraschungen mit bei uns noch nicht bekannten Insekten und Zubereitungsarten; schließlich zählen die „Kerbtiere“ (wie Insekten von Entomologen auch genannt werden) zu der artenreichsten Klasse der Tiere.

Apropos Ento: Den Trend habe ich nach dem griechischen Wort für Insekten (éntomon) benannt, nach dem sich offiziell auch die Wissenschaft benennt, die sich mit Insekten beschäftigt. Es ist ein Wort, über dass Sie in Zukunft sicher öfter stolpern werden.

Dafür, dass wir uns schneller als gedacht an Insekten als Teil unserer Nahrung gewöhnen werden, sprechen nämlich zahlreiche ökologische, ökonomische, gesundheitliche und nicht zuletzt auch kulturelle Gründe: Die Zucht von Insekten ist ungleich nachhaltiger als jene von Schweinen, Rindern und Geflügel – und mit ihrem Konsum lässt sich unser Proteinbedarf besser decken als mit „traditionellem“ Fleisch. Viele Wissenschafter, die sich mit Problemen der Welternährung auseinander setzen, sind schon heute davon überzeugt, dass es „ohne“ in Zukunft gar nicht gehen wird. Und Menschen, die sich nur deshalb einer tierfreien Ernährung verschrieben haben, weil sie sich an der herrschenden Praxis der Massentierzucht von Säugetieren stoßen, lassen sich vermutlich von kulinarisch attraktiven Insekten-Speisen durchaus zum Konsum verführen. Ganz zu schweigen von jenen, die sich gerne als Genuss-Avantgardisten sehen und durch den demonstrativen Konsum von Mehlwurm-Quiche, Grashüpfer-Pralinen, Grillen-Spieß oder Soldatenfliegen-Schöberl in der Krabbensuppe von Otto-Normalesser unterscheiden wollen.

So oder so: Der kulinarische Aspekt ist gewiss der entscheidende Punkt, der dem Ento-Trend wirklich auf die Sprünge helfen könnte. Dafür braucht es aber nicht nur viele engagierte Vorkämpfer für die Insekten-Nahrung wie Christoph Thomann vom Verein Speiseplan (www.speiseplan.wien), sondern auch noch viele ambitionierte Spitzenköche wie Harald Irka, die das derzeit noch schlummernde kulinarische Potential der Krabbeltiere voll zur Entfaltung bringen und den Mehlwurm nicht nur – wie heute noch in der Spitzenküche üblich – zur exotischen Verzierung einsetzen.

Ihre Hanni Rützler

 

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Liebe Frau Rützler, Ihr Schreiben interesiert mich sehr. Ich komme aus Thailand lebe seit 1980 in Deutschland. Habe in Thailand Archäologe studiert und leite in Deutschland seit 1992 für viele vhs (Stuttgart, Ulm ...) in Süddeutschland Gesunder Kochen, Kochkurse, mit Qualifikationen in Gesundsheits- und Mentals- Seminare, erzähle ich viel von meinen Lebenserfahrungen. Ich bin sehr mit Natur aufgezogen von meinen Großeltern, Eltern und mehreren Tanten die damals in Zentral- Thailand wo noch mit gesunden Umwelt umgegeben war. Insekten, Würmen, komische Tiere alle Art wie in Ihrem Schreiben waren, und sind noch nie bei mir auf dem Tisch gekocht und gegesen. Aber schon seit ich mich errinere, ist es mir bewusst dass solche Tiere werden in den anderen Regionen Thailands gegessen, weil dort Eiweiß-Mangel unter die Bevolkerungen entstanden, weil es zu wenig Regen und wenig landswirtschaftliche Möglichkeiten dort gäbe. Egal auf welche Begrundung mussen die Leute sich ernähren. Zum Glück gab (gibt) es dort viele Insekten, Würmen, Schlangen, Raupen wie z.B. Seidenraupen, und mehrere Insektenarte die die Leute als Zutaten zum Kochen nahmen und haben das gegessen. Unsere Vorfahren mussen zugeben dass sie nicht so guten Medecin-Gewissheit und Hygiene wie wir heute haben. So haben sie die Tiere, und all das gegessen ohne zu wissen dass manche Tiere die sie aßen waren Ursache ihren Krankeiten (z.B Schaben und Ratte). Stattdessen dachten sie an böse Geister als Ursache. Später als die Welt sich geöffnet hat, haben die Thais von Deutschland (Europa und Amerika) viele Heilsmittel bekommen die die Bösegeist verjagt haben. So sind (waren) Europär und Amerikaner ein Wunder wie Gott. Und, aber, es hat auch Insektenkiller gegeben. Insekten - Bevolkerungen und viele Würmenarte wurden mit z. B. DTT getötet, weil sie Pflanzen (Rice, Zukerohr...) vernichten haben. Manche Vorfahren sind gestorben, weil sie Heuschrecken mit DTT gegessen haben. Aber sie dachte immer noch an ihren vorgeborenen Sunden die jetzt in ihnen wirken. Ich habe schon in derZeit als Kind mir gedacht, ich wurde niemals Heuschrecken essen. (Heute zu Tag möchte ich manchmal es probieren). So, essen zeitige Mitgenossen (Menschen) weiter Insekten obwohl die die gesunde Tiere fast alle tot sind, und trotz genugend andere Sache zum essen gibt. Die Händler brauchen Geld, die konsummer (Touristen) brauchen Abendteuer, deshalb verbreiten dieses Essen sehr schnell (wenn es um Wirtschaft geht). Das Urwald essen nennt man nun "Modern". Durch Medien wie TV ist dieses Essen doppelt so modern. Die Leute die in Jungkelkämpf sie machen das damit wir was zu schauen haben, sonst sind wir tot langweilig sind, und damit sie Geld bekommen. Danach eseen sie ja nicht weiter Gängaru- Hoden. Sie sind Show- Helden das ist normal so. Liebe Frau Rützler ich denke alle Kultur ändern sich mit der Zeit. Wenn wir Solche Tiere essen, sollen wir vorher informiert wie und woher kommen die Tiere auf dem Tisch, Naturfang? wo? suchten? wie? können sie fliegen oder hat man sie nicht fliegen lassen als Insekten? Nicht dass wir nur behinderte Tiere essen das wäre unsinn. Ich bin mal eingeladen von thai- Hausfrauen vor 2 Jahre. Obwohl ich solche Tiere nicht essen, haben die Frauen Heuschrecken auf dem Tisch gehabt. Ich fragte wo die Tiere her kommen. Es hat geheißen das waren Tiere aus Thailand. Aber danach erfuhr ich, dass eine von Kochinen an diesem Abend arbeitet in einer Zoohändler. Ich esse lieber Fisch als so ein Heuschrecken aus dem Zoohändler wo ich nicht weiß was und wie die Tiere geboren und gelebt haben. Trotz moderner Zeit wo alle Fleischsorte und Tofu-Produkte genügend gibt, essen die Leute heute noch das was die Vorfahre bei gebracht haben. Das ist von mänschlich Gesehen normal. So sind Menschen, alle Bevolkerungen auf diese Globus tuen (oder auch nicht durch Cultur-Müde). Ich meine jeder muss das für sich selbst entscheiden was sie essen. Erzählen darf auch jeder. Mit freundlichem Grüß Pakwipa Strahl Gesundheits- Mentals Beraterin Vhs Qualifikation für Gesundheit, Kochkursleiterin Mamas und Omas