Re-use Food – Der kulinarische Anti-Verschwendungs-Trend | EAT SMARTER
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Re-use Food – Der kulinarische Anti-Verschwendungs-TrendDurchschnittliche Bewertung: 4.51510
14. Oktober 2014

Re-use Food – Der kulinarische Anti-Verschwendungs-Trend

Machen Sie der Lebensmittelverschwendung ein Ende. © Konstantin Yuganov Machen Sie der Lebensmittelverschwendung ein Ende. © Konstantin Yuganov

Use-it-all – so lautet ein Trend in der Gastronomie-Szene, der sich gegen die Lebensmittelverschwendung richtet. Hanni Rützler erklärt, was dahinter steckt und wie auch Sie von dieser Entwicklung profitieren können.

Geht es Ihnen nicht auch oft so? Sie machen den Kühlschrank auf und finden einen Becher Joghurt, dessen Haltbarkeitsdatum schon lange abgelaufen ist. Oder eine große Schüssel mit gekochtem Reis von vorgestern. Oder – im Brotfach – ein halbes Kilo hartes, trockenes Brot. Und dann? Mit schlechtem Gewissen ab in die Mülltonne?

Wir ärgern uns über die Verschwendung von Lebensmitteln – und tun es doch auch selbst immer wieder. 600 Milliarden Euro pro Jahr kostet uns laut einer Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die weltweite Lebensmittelverschwendung. Das entspricht ungefähr einem Drittel der Nahrung, die für Menschen produziert wird. Die Ursachen dafür sind vielfältig und auch regional sehr unterschiedlich. In struktur- und finanzschwachen Ländern verdirbt ein großer Teil der Lebensmittel oft schon bei der Ernte, der Lagerung und beim Transport; in unseren Breiten entstehen die größten Verluste im Handel und insbesondere bei den Endverbrauchern.

Die Tendenz, im Übermaß zu kaufen, im Supermarkt stets das komplette Sortiment zu erwarten, das Überreagieren bezüglich Ablaufdaten und die steigenden Erwartungen an die Perfektion und Ästhetik der Lebensmittel spielen eine große Rolle bei der Verschwendung. Nicht zuletzt aber auch mangelndes Koch-Know-How.

Nun ist in den letzten Jahren nicht nur das Problembewusstsein bei Produzenten und Verarbeitern, im Handel und bei Konsumenten deutlich gestiegen, sondern wir finden auch auf allen Ebenen immer mehr praktische Ansätze, das Problem zumindest teilweise zu lösen: Hersteller arbeiten an der Optimierung von Produktionsketten, Supermärkte öffnen ihr Sortiment für Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern, sogenannte „Misfits“, und auch vor den professionellen und privaten Küchen macht der Trend zu Reduce, Re-use und Recycle nicht Halt. Neue Ratgeber und Kochbücher animieren – kulinarisch ausgesprochen anregend – zu einem anderen Umgang mit Essenresten und jenen Teilen von Fleisch, Obst und Gemüse, die bisher meist im Abfall landeten.

In der Top-Gastronomie erleben wir gerade einen Boom an Use-it-all-Gemüse-Rezepturen, Österreichs Sterne-Koch Thomas Riederer rettet schon seit Längerem Wurstreste, Gemüseschalen und Kerngehäuse vor dem Mülleimer und hat seinem Kochbuch gegen die Wegwerfgesellschaft den provokanten Titel „Nur der Idiot wirft’s weg“ verpasst. Und es ist nur eines von vielen Kochbüchern mit ähnlich fantasievollen Titeln wie „Taste the Waste: Rezepte und Ideen für Essensretter“ (von Valentin Thurn und  Gundula Christiane Oertel ) oder „Von der Schale bis zum Kern – Vegetarische Rezepte, die aufs Ganze gehen“ (von Bernadette Wörndl). Für Kochfans gibt es damit kaum mehr eine Ausrede, Brokkolistängel, Karottengrün, Zwiebel- oder Wassermelonenschalen achtlos zu entsorgen.

Und dass Joghurts weit über das „Best before“-Datum zu genießen sind, dürfte sich ohnehin schon längst herumgesprochen haben.

Hanni Rützler

 

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Das mit dem Joghurt ist wohl mittlerweile durch TV und andere Medien ein "alter Hut". Mir geht es bei einigen Käsesorten so: Ganz frisch finde ich sie ungenießbar, erst nahe am oder über dem Haltbarkeitsdatum sind sie richtig aromatisch.