Renaissance der Märkte | EAT SMARTER
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Food-Trends
Renaissance der MärkteDurchschnittliche Bewertung: 5152
12. Mai 2015

Renaissance der Märkte

Wochenmärkte bergen viele kulinarische Schätze.   Wochenmärkte bergen viele kulinarische Schätze.

Sie kaufen Obst und Gemüse immer im Supermarkt ein? Schluss damit! Unsere Food-Trendexpertin Hanni Rützler erklärt, warum Sie stattdessen häufiger auf Märkte und in Markthallen gehen sollten.


Die Zeiten, da Wochen- und Bauernmärkte wegen der Konkurrenz durch Handelsketten und Supermarkt-Riesen dem Untergang geweiht waren, scheinen endgültig vorbei. Denn immer mehr Konsumenten entdecken wieder, dass der Kauf von Lebensmitteln auch ein lustvoller und kommunikativer Akt sein kann. Warum immer nur einen Einkaufswagen an anonymen Regalwänden entlangschieben und die Waren am Ende über piepsende Scanner schieben lassen? Die Welt der Wochenmärkte bietet dagegen ein lebendiges Einkaufserlebnis für alle Sinne.

Ja, das dauert meist ein wenig länger. Aber dafür bieten Märkte Attraktionen, die den Zeitverlust mehr als nur aufwiegen. Es beginnt schon damit, dass man – anders als im Supermarkt, wo sich die einzigen Worte, die man beim Einkauf wechselt, meist auf den Euro-Betrag gefolgt von einem saloppen „Tschüss!“ beschränken – mit dem Verkäufer über dessen Ware sprechen kann. Und es endet nicht selten damit, dass in der Einkaufstasche dann ganz andere Dinge landen, als beim Einkauf im Supermarkt: eine delikate Forelle aus der Bio-Zucht, Käse von kleinen, traditionell arbeitenden Sennereien, der Kohlkopf einer Sorte, von der man zuvor vielleicht noch nie gehört hat. Oder handwerklich gefertigte Würste und ein Sauerteigbrot aus einem Urgetreide, das man abends auch der glutensensiblen Freundin anbieten kann. Zwischendurch trifft man oft auch Freunde oder Bekannte, gönnt sich einen Espresso oder ein Glas Prosecco und tauscht Rezept-Tipps aus. So fühlt sich Einkaufen gleich ganz anders an: nicht mehr bloß lästige Notwendigkeit, sondern willkommene Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen, zu genießen und Neues kennenzulernen. Und das war, neben ihrer Funktion als Warenumschlagplatz, schließlich schon seit dem Mittelalter das wichtigste Merkmal der bunten Verkaufsstände.

Dass Märkte eine Renaissance erleben, ist an vielen Orten nicht nur daran zu erkennen, dass wieder mehr Anbieter ihre Produkte selbst vermarkten und die Wochenmärkte damit noch attraktiver werden. In vielen Städten etablieren sich auch neue Standorte, die sich rasch zu lebendigen Zentren von Stadtteilen entwickeln. Nicht zuletzt werden Märkte und Markthallen auch mehr und mehr zu touristischen Anziehungspunkten: Denn anders als Shoppingmalls, die sich weltweit immer ähnlicher sehen, bewahren Wochen- und Bauernmärkte ihre regionale Besonderheit und bieten ein unvergleichliches und spannendes Flair.

Wie Menschen in verschiedenen Ländern leben und essen, lässt sich beim Bummeln über Märkte besser erleben als beim Sightseeing oder auf Stadtrundfahrten. Mitunter sind Märkte sogar die touristischen Highlights. Kein Wunder, dass in einschlägigen Magazinen („National Geographic“) und großen Tageszeitungen („The Guardian“) neuerdings nicht nur die weltbesten Restaurants gekürt werden, sondern auch die attraktivsten Märkte.

Ihre Hanni Rützler

 

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Hanni Rützler
In Wien stehen derzeit bekennende Gourmets jeweils an drei Tagen der Woche Schlange vor einem Pop-Up-Fast-Food-Restaurant. Innerhalb kürzester Zeit ist die sogenannte „Fisherei“ in einem kleinen Gasthaus im Zentrum meiner Wahlheimat zum Mekka für Liebhaber klassischen britischen Fast-Foods geworden: Michael Vesely und Adelheid Reisinger servieren hier nichts anderes als Fish and Chips. Freilich, wie der österreichische Gourmet-Kritiker Severin Corti schreibt, „in einer Qualität, wie sie auch die legendärsten unter den Londoner Vorbildern wie die Golden Union Fish Bar, das Nautilus oder selbst das kitschig-köstliche Poppies in Spitalfields nur an guten Tagen bieten.“ Kabeljau in einer Frische wie er sonst nur in der Hyper-Luxusgastronomie zu haben ist, eingepackt in einen simplen Bierteig, so krachend knusprig, dass man ihn mit Worten kaum beschreiben kann.
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