"Supermeals" gegen den Welthunger | EAT SMARTER
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Food-Trends
Superfood oder SupermealDurchschnittliche Bewertung: 4.5152
08. Dezember 2015

Superfood oder Supermeal

Die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer, auch oder gerade in Ernährungsfragen. Während auf dem einen Ende der Skala an Superfoods gefeilt wird, geht es auf dem anderen Ende darum, möglichst einfach den Hunger der Welt zu besiegen. Hanni Rützler hat sich mit einigen "Supermeals" auseinander gesetzt, die genau das erreichen sollen.

Junge sitzt auf einer Bank und löffelt sein Essen

Insbesondere bei der Ernährung zeigt sich die Kluft zwischen arm und reich. Nicht nur im Blick auf die Erste und die Dritte Welt, auch innerhalb der wohlhabenden Staaten in Europa und Amerika. Während die einen sich den Kopf darüber zerbrechen, wo sie das beste, zwischen Streuobstwiesen, Weinhügeln und Mischwäldern langsam herangewachsen Bio-Rassehuhn bekommen, sehen sich andere genötigt, sich bei Sozialmärkten anzustellen oder auf Billighühner aus der Massentierhaltung zurückzugreifen.

Und während die einen sich regelmäßig mit sogenannten „Superfoods“ eindecken, mit frischen Heidel-, Acai-, Goji-Beeren und ähnlichen Früchten, deren Antioxidantien altersbedingten Gedächtnisschwund vorbeugen sowie vor freien Radikalen schützen sollen und die als „natürliche Anti-Aging-Quelle“ vermarktet werden, versprechen andere, den Hunger in der Welt mit Speisen-Ersatzprodukten besiegen zu wollen, die sie – wie der junge indische Unternehmer Harsh Batra – ohne jeden Anflug von Zynismus als „Supermeals“ verkaufen.

Soylent: Ernährung in Pulverform 

Soylentwar das erste flüssige, nun auch in Pulverform erhältliche Ersatzprodukt, das mit (scheinbar) allen nötigen Nährstoffen angereichert, traditionelle Lebensmittel beziehungsweise Speisen ersetzen soll. Hatte der amerikanische Software-Ingenieur Rob Rhinehart bei der Erfindung dieses Drinks noch den gestressten Erfolgsmenschen im Auge, der seine Zeit nicht mit Essen, Kochen und dem immer komplizierter werdenden Nachdenken über gesunde Ernährung und ausgewogene Nährstoffzufuhr „verschwenden“ möchte, so tritt Bartas Version für Indien explizit mit dem Anspruch an, die noch immer weit verbreitete Unterernährung zu besiegen.

„Free your body“, befreie deinen Körper, so lautet der Werbeslogan für Soylent. Es könnte aber genauso gut „befreie deinen Kopf“ heißen: Kein Obst und Gemüse, sondern Vitamine. Kein Fleisch und kein Käse, sondern Proteine. Kein Brot und keine Nudeln, sondern Kohlenhydrate. Vor allem auch: Kein Nachdenken über Rezepte und Zutaten. In Pulverform zum Anrühren mit Wasser oder als smoother Drink. Kann lange gelagert, online geordert und ins Haus geliefert werden, reduziert den Energie- und Müllentsorgungsaufwand im Haushalt und ist – ein heute nicht zu unterschätzender Extrabonus – vegan.

Was sowohl in der amerikanischen als auch in der indischen Version dieser Ernährungsform auf der Strecke bleibt, sind der kulinarische Genuss, die Freude am gemeinsamen Zubereiten und/oder Essen. Das mag einen effizienzgesteuerten amerikanischen Software-Ingenieur weniger stören als viele unzureichend ernährte Inder und Inderinnen, denen es ja nicht an Zeit mangelt und für die das gemeinsame Essen – und sei es noch so karg – nicht nur Energiezufuhr bedeutet.

Ganz abgesehen davon, dass die Kosten für die täglich nötige SupermealX-Dosis das Budget eines durchschnittlichen indischen Haushalts bei weitem übersteigt, würde die Versorgung mit SupermealX die Kluft zwischen arm und reich nur weiter festschreiben. Die Wohlhabenden gönnen sich nämlich lieber Superfoods.

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