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Der Good-Food-Blog
Daumen hoch für BioDurchschnittliche Bewertung: 4.9157
08. Juli 2015

Daumen hoch für Bio

Bio-Schild vor Gemüse

Beim Thema Bio-Lebensmittel scheiden sich die Geister: Die einen sind überzeugte Käufer biologisch angebauter Produkte, die anderen schütteln den Kopf über hohe Preise. Es sei ja eh kein Bio, nur weil Bio draufstehe, Bio-Hühnern gehe es auch nicht besser, und das Spritzflugzeug fliege eh über das gesamte Weinbaugebiet. EAT SMARTER-Expertin Alexa Iwan hat das Thema genauer unter die Lupe genommen.

Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg führt alljährlich ein sogenanntes Öko-Monitoring durch. Darin werden Bio-Lebensmittel unter anderem auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und anderen Kontaminanten untersucht. Die Ergebnisse für 2014 wurden jetzt gerade veröffentlicht und einmal mehr kam heraus: ökologisch erzeugte Lebensmittel sind deutlich weniger mit Schadstoffen belastet als konventionell angebaute Ware. In Zahlen: Öko-Gemüse wies im vergangenen Jahr rund 320mal weniger Pestizidrückstände auf als konventionelles Gemüse, beim Obst fanden sich 80mal weniger Rückstände in der Bio-Ware. 

Klare Sache, könnte man jetzt sagen – damit hat sich die konventionelle Ware ganz klar disqualifiziert und ist raus aus dem Spiel. Bei Menschen, die ihrer Ernährung einen hohen Stellenwert beimessen, ist das auch genau so. Zum Beispiel bei mir und bei etlichen meiner Kolleginnen und Kollegen, bei vielen gesundheitsbewussten Köchen, bei Umweltschützern oder auch bei Menschen, die krank sind und aus diesem Grunde genau hinschauen, was sie sich auf den Teller legen.

Einige der Erwähnten (mich eingeschlossen) betreiben öffentliche Internetseiten. Und wenn sie dort einen Post absetzen, in dem auf die gesundheitlichen und umweltschonenden Vorteile des Bio-Anbaus hingewiesen wird, kann man drauf wetten, dass es nur ein paar Minuten dauert, bis die ersten Kommentare auftauchen à la „Sowas kann ich mir nicht leisten.“, „Das ist alles viel zu teuer.“, „Wer soll das bezahlen?“ und so weiter.

Dazu zwei Anmerkungen meinerseits:

1.) Pestizide zählen zu den gefährlichsten Umweltgiften der Welt. Sie sind für den Menschen fast ausnahmslos gesundheitsschädigend. Hauterkrankungen, Vergiftungserscheinungen, Krebs, Fruchtbarkeits- und Erbgutschäden, Missbildungen bei Neugeborenen werden als „Nebenwirkungen“ genannt. Googlen Sie einfach mal „Pestizide“ und „Krebs“ – Sie werden wenig Erfreuliches lesen. Würden die Pestizide als kleine schwarze Punkte auf den gespritzten Äpfeln oder Salatköpfen sichtbar sitzen und sich nicht abwaschen lassen, dann würde kein Mensch diese Ware essen. Leider kann man diese Chemikalien aber weder sehen noch riechen. Die Gefahr ist unsichtbar und deshalb leicht zu verdrängen.

2.) Ich kann durchaus nachvollziehen, dass Menschen mit niedrigem Einkommen zurückzucken, weil zum Beispiel die Tüte mit biologischen Möhren teurer ist als die Tüte mit den konventionellen Möhren. Aber ist sie deshalb teuer? So teuer, dass man sie sich nicht leisten kann? Glaube ich nicht. Bei Aldi Süd kostet ein Kilo Bio-Möhren 0,99 Euro, ein Kilo konventionelle Möhren kostet 0,79 Euro. Okay, es gibt andere Lebensmittel, bei denen der Preisunterschied größer ist – aber biologische Möhren wären doch schon mal ein guter Anfang! Man muss ja nicht immer nur in „Ganz-oder-gar-nicht-Kategorien“ denken. Pestizide sind umso schädlicher, je mehr sie sich im Körper anreichern. Das heißt: Auch wenn Sie nur Teile Ihres Lebensmittelkontingents oder sogar nur einzelne Lebensmittel in Bio-Qualität einkaufen, reduzieren Sie Ihre Belastung.   

Die oben erwähnte Untersuchung können Sie übrigens hier nachlesen.

Herzlichst,
Ihre Alexa Iwan

Hier erfahren Sie mehr über Alexa Iwan!

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