Ernährung als Schulfach | EAT SMARTER
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Der Good-Food-Blog
Ernährung als SchulfachDurchschnittliche Bewertung: 4.9158
30. September 2015

Ernährung als Schulfach

Ernährung als Schulfach

Eine Aufgabe aus einem Mathebuch, Grundkurs, 11. Klasse: Bestimmen Sie einen Funktionsterm der Integralfunktion von f mit f(x)=e-x zur unteren Grenze -1 und skizzieren Sie einen Graphen von J-1. Bestimmen Sie J-1(0) und J-1(1). Lösen Sie die Gleichung J-1(x)=2.

Mein Sohn (17) und seine Mitschüler können das lösen. Und ich bin durchaus beeindruckt, dass sie das können. Ob ich das selbst auch mal konnte, in der 11. Klasse...? Möglich – aber ich kann mich, ehrlich gesagt, daran nicht erinnern. Ich kann mich allerdings auch an keine Situation im Leben erinnern, in der ich so etwas je gebraucht hätte.

Was viele der Jugendlichen dagegen nicht können, ist: eine anständige Nudelsauce kochen. Hefeteig für Pizza herstellen. Oder Kuchen backen. Wenn niemand zuhause ist, der für sie kocht, essen diese Kinder Pesto aus dem Glas, TK-Pizza und Kekse aus der Packung. Und dann lernen sie Mathe.

Für mich persönlich ist das eine verkehrte Welt und nur sehr schwer erträglich. Was tun wir hier eigentlich??!! Verstehen Sie mich nicht falsch: ich bin durchaus dafür, dass die Schule unsere Kinder fordert und herausfordert. Aber bitte: es kann doch nicht sein, dass in einem Fach wie Mathe Dinge auf dem normalen Stundenplan stehen, die man nur braucht, wenn man Ingenieur ö.ä. werden möchte. Und gleichzeitig werden Fähigkeiten und Sachverhalte, die eigentlich unsere Lebensgrundlage darstellen, thematisch noch nicht mal gestreift!

Obst- und Gemüseanbau, Tierhaltung, Lebensmittelproduktion, Lebensmittelvermarktung, Kochen, Vorratshaltung, Hygiene – das alles findet in den meisten Schulen überhaupt nicht statt. Man kann es sich natürlich nun einfach machen und sagen: das sind alles Dinge, die klassischerweise in der Familie vermittelt werden. Tja, aber genau hier liegt das Problem. Denn die klassischen Familien sind ja nun bekanntermaßen ein Auslaufmodell. Wenn beide Eltern arbeiten, die Oma 500 km weit weg wohnt oder ein Elternteil alleinerziehend ist, dann kommt das Kuchenbacken im Alltag leider zu kurz. Dass dem so ist, darüber kann man jetzt jammern – man kann sich aber auch einfach überlegen: was können wir tun, um die nächste Generation davor zu schützen, sich nur von Industrieprodukten zu ernähren, krank, dick und unbeweglich zu werden?

Ich finde die Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand: Ernährung als Schulfach. Ein bisschen weniger theoretische Mathematik und stattdessen ein bisschen mehr praktischer Umgang mit Lebensmitteln. Das sollte doch möglich sein, in einem Land wie Deutschland.

Was denken Sie?

Herzlichst,

Ihre Alexa Iwan
(Dipl. Ökotrophologin)

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