Kinder in die Küche | EAT SMARTER
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Der Good-Food-Blog
Kinder in die KücheDurchschnittliche Bewertung: 5152
11. November 2015

Kinder in die Küche

Neulich habe ich auf Facebook einen Post von Tagesschau-Moderatorin Judith Rakers gesehen. Sie hatte das Foto eines gedeckten Apfelkuchens veröffentlicht und darunter sinngemäß geschrieben, dass dies der erste Kuchen sei, den sie in ihrem Leben gebacken habe und dass sie total stolz auf das Ergebnis sei.

Kinderhände stechen Plätzchen aus

Also... dass sie stolz auf einen selbstgebackenen Kuchen ist, finde ich total nachvollziehbar. Ich bin auch immer stolz, wenn ich was Leckeres gebacken oder gekocht habe. Aber der erste selbstgebackene Kuchen mit – wenn der Wikipedia-Eintrag stimmt – 39 Jahren....? Das ist doch schon etwas traurig, oder?

Und das soll jetzt überhaupt keine Kritik an Judith Rakers persönlich sein (Liebe Frau Rakers, falls Sie das hier lesen: Sie sind einfach nur mein Beispiel aus dem wahren Leben!) – sondern die Feststellung, dass ich es schade und irgendwie traurig finde, wenn jemand erwachsen wird ohne in der Kindheit jemals einen Kuchen gebacken zu haben. Kuchen, Kuchenteig naschen, Plätzchen, Plätzchenteig ausrollen – das alles ist doch eigentlich Kindheit pur! Und da Kuchenbacken so viel einfacher ist als Kochen (und für Kinder natürlich auch interessanter), ist es eigentlich der erste Schritt im Umgang mit Lebensmitteln und im Werkeln in der Küche.

Ich selbst habe übrigens als Jugendliche so viele Kuchen gebacken, dass meine Familie mit dem Aufessen nicht nachkam und ich deshalb die Kuchen an alle möglichen Nachbarn verkauft und so mein Taschengeld aufgebessert habe. Aber das nur am Rande. Worauf ich eigentlich hinaus möchte, ist dies: Leute, holt eure Kinder in die Küche! Backt mit ihnen Kuchen, lasst sie Möhren schneiden und Käse über den Auflauf streuen. Zeigt ihnen, wie man Kartoffeln kocht und ein Schnitzel brät. Lasst sie Eier aufschlagen und in der Sauce rühren. Gebt ihnen Schneebesen und Rührlöffel zum Spielen. Schickt sie bitte nicht aus der Küche raus nach dem Motto „wenn ich das alleine mache, geht´s schneller“. Ansonsten dürfen wir uns nicht wundern, wenn Generationen heranwachsen, die sich alleine nicht versorgen können. Jedenfalls nicht mit frisch Gekochtem. Die nur TK-Pizza und Fertiglasagne essen bzw. ihr Abendessen an irgendeinem Drive-in holen oder den Lieferdienst anrufen. Und in deren Wohnungen es nie nach frisch gebackenem Kuchen riecht, weil sie nicht wissen wie man backt.

Hier ein paar Beispiele, was man Kindern in welchem Alter zutrauen kann:

  • Kindergartenalter: Weiches Obst oder Kartoffeln mit einem stumpfen Messer zerkleinern. Kalte Saucen, Quarkspeisen anrühren. Eier aufschlagen. Mit Unterstützung Kuchenteig rühren.
  • Grundschulalter: Obst und Gemüse mit Sparschäler schälen. Mit kleineren, scharfen Messern schneiden. Eier braten. Kuchen dekorieren. Lasagneschichten. Salate selbst zusammenstellen.
  • 10-12 Jahre: Einfache Gerichte nach Rezept kochen. Einfache Kuchen backen.
  • Ab 13 Jahre: Alles (mit Ausnahme der ganz großen Messer) ist erlaubt und Ausprobieren ausdrücklich gewünscht.

Was glauben Sie, wie stolz ein 10-Jähriger ist, der seinen ersten selbstgebackenen Mamorkuchen auf den Tisch stellen kann....?! Er fühlt sich wie ein König. Denn er hat nicht nur einen Kuchen gebacken, er hat vor allem ganz viel für´s Leben gelernt. Na klar, gibt´s dabei zwischendurch auch mal eine große Sauerei. Na klar, verbrennt sich mal einer. Und wahrscheinlich wird auch irgendwann mal ein Kuchen dabei rauskommen, der steinhart oder auch mit dem allerbesten Willen nicht genießbar ist. Aber so geht Erwachsenwerden: Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, Weitergehen. Rezepte für gaaaanz einfache Kuchen, finden Sie übrigens hier. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen fröhliches Backen & Kochen mit Ihren Kindern,

herzlichst Ihre
Alexa Iwan 

(Dipl. Ökotrophologin)

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