In aller Munde: Sekundäre Pflanzenstoffe | EAT SMARTER
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Sekundäre PflanzenstoffeDurchschnittliche Bewertung: 4.71511
17. September 2014

Sekundäre Pflanzenstoffe

Sekundäre Pflanzenstoffe (SPS)

Beim Einkaufen in der Lebensmittel-Abteilung eines großen Kaufhauses fiel mein Blick neulich auf einen ungewöhnlichen Artikel. Im Regal mit den Knabberartikeln standen Tüten mit blauen und roten Kartoffelchips. Laut Zutatenliste sind sie aus blauen Kartoffeln sowie roten Süßkartoffeln hergestellt. Natürlich habe ich direkt eine Packung gekauft. Nicht nur, weil diese Chips lustig aussehen und ich wissen wollte, wie sie schmecken. Sondern auch, weil sie ein hochaktuelles Thema in der Ernährungswissenschaft beinhalten: sekundäre Pflanzenstoffe nämlich. Sekundäre was...?

Tatsächlich kann heutzutage fast jeder etwas mit den Begriffen „Vitamine“, „Mineralstoffe“ oder „Spurenelemente“ anfangen. Sekundäre Pflanzenstoffe (SPS) dagegen kennen nur wenige. Dabei kommen sie in allen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Bekanntester Vertreter ist das ß-Carotin aus Möhren und gelb-fleischigem Obst. Lycopin, ebenfalls ein SPS und zwar aus Tomaten, haben Sie vielleicht auch schon einmal gehört. Oder Quercetin, welches in Zwiebeln vorkommt. Der blaue Farbstoff in den Kartoffeln gehört übrigens zur Gruppe der Anthocyane.

Insgesamt haben Forscher bislang einige 10.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe entdeckt. Wahrscheinlich gibt es aber noch eine ganze Menge mehr. Den Pflanzen dienen diese Verbindungen u.a. als UV-Schutz (Farbstoffe), als Schutzstoffe gegen Schädlinge oder zur Festigung. Und auch für uns Menschen scheinen sie eine Reihe segensreiche Eigenschaften mitzubringen.

Kakaobohnen FlavanoleSo haben Studien gezeigt, dass nach dem Verzehr eines Tellers Zwiebelsuppe die Zusammenballung der Blutplättchen so sehr gemindert wird, dass man von einer echten Senkung des Thromboserisikos sprechen kann.  Darüberhinaus scheint das Quercetin aus Zwiebeln auch blutdrucksenkend zu wirken. Den gleichen Effekt haben auch die sogenannten Flavanole aus dunkler Schokolade. Eben diese Flavanole erhöhen außerdem die Geschmeidigkeit der Haut – um ein sichtbares Ergebnis zu erzielen, müsste man allerdings jeden Tag eine ganze Tafel Bitter-Schokolade essen...

Dann doch lieber grüner Tee: Wer drei oder mehr Tassen pro Tag trinkt, der senkt sein Schlaganfallrisiko um 20%. Und auch vor verschiedenen Krebserkrankungen scheinen SPS zu schützen. In Rattenversuchen zumindest wurden weniger Krebsvorstufen im Darm gefunden, wenn die Tiere regelmäßig naturtrüben Apfelmost bekamen.

Grüner TeeInteressant bei der ganzen Sache ist, dass nur ein sehr geringer Teil der mit der Nahrung aufgenommenen SPS tatsächlich im Blut auftaucht. Unser Körper betrachtet die SPS nämlich offensichtlich als Fremdstoffe und ist bemüht, sie so schnell wie möglich wieder los zu werden. Und zwar, indem er sie umbaut und rasch ausscheidet. Doch genau dies scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein: SPS wirken quasi wie eine Art Impfung. Der Körper wird durch sie angeregt, die Immunabwehr hoch zu fahren und immer genügend Abwehrstoffe bereit zu halten.

Insofern ist es dann auch wieder logisch, dass eine Überdosis SPS (z.B. in Form von Tabletten) ins Gegenteil umschlagen kann. Raucher, die ß-Carotin in hohen Dosen zu sich nehmen, haben ein erhöhtes Krebsrisiko. Und es gibt einzelne Menschen, die auf hohe Dosen an Phytosterinen (diese werden z.B. Margarine zugesetzt um den Cholesterinspiegel zu senken) mit Arteriosklerose reagieren. 

Gemüse-MixWenn Sie also gefahrlos in den Genuss der gesunden Eigenschaften der SPS kommen möchten, dann verwenden Sie frische, unverarbeitete Lebensmittel. Auf diese Weise können Sie nichts überdosieren. Essen Sie Obst und Gemüse möglichst ungeschält, denn der Großteil der SPS sitzt in der Schale. Und kaufen Sie Farbe: blaue, violette, rote, orangene oder gelbe Früchte strotzen nicht nur vor Vitaminen, sondern auch vor sekundären Pflanzenstoffen. Für die Verarbeitung gilt: SPS mögen in der Regel keine Hitze und kein Licht. Die Lebensmittel also nicht lange angeschnitten rumliegen lassen und nur kurz und schonend garen.

Die blauen und roten Karoffelchips sind übrigens eine nette Alternative zu herkömmlichen Chips. Sie sind etwas dicker und fester, haben einen leichten, z.T. süßlichen, Eigenschmack und eignen sich gut zum Dippen in Kräuterquark.

Herzlichst, Ihre Alexa Iwan

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