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Der Good-Food-Blog
30. August 2017

Woche 1

Drei Wochen ohne: mein Selbstversuch in Sachen Zucker

Seit Monaten lese ich im Internet und auf diversen Social-Media-Kanälen Aussagen von Menschen, die sich „wie neugeboren“ fühlen oder die „endlich wieder Mensch“ sind – seitdem sie nach der Zauberformel „I quit sugar“ leben.

Zuckerfrei Selbstversuch

Machen wir uns nichts vor: Komplett ohne Zucker zu leben, ist unrealistisch. Dafür müsste man eine strenge Atkins-Diät einhalten und das ist ganz sicher kein Spaß. Was die Menschen, die ich oben zitiert habe, tun, ist: auf weißen Haushaltszucker sowie Produkte mit Zuckerzusatz verzichten. Sie verwenden natürlich süße Produkte wie Obst, aber eben keine künstlich gezuckerten Lebensmittel. Und davon gibt es ja bekanntlich eine ganze Menge.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eine Frau der Mitte bin. Extreme sind nicht mein Ding. Aber ich bin auch Journalistin und sehr neugierig. Und nun war ich am vergangenen Montag bei einer Darmspiegelung. Dafür muss man bekanntermaßen seinen Darm einmal komplett entleeren (mithilfe diverser Mittelchen).

Und während ich nach der Untersuchung so auf der Aufwachliege lag und langsam wieder zu mir kam, kam mir eine Idee. Ich könnte diesen „Reset“ in der Nahrungsaufnahme doch dazu nutzen und einen kleinen Selbstversuch starten.

Fühlt man sich tatsächlich besser, wenn man keinen Haushaltszucker zu sich nimmt?

Tja, was soll ich sagen... Mein Selbstversuch scheiterte (vorläufig) bereits in Minute 5, nach dem ich ihn gefasst hatte. Die freundliche Arzthelferin hatte mir nämlich einen kleinen Keks neben meine Tasse Aufwachtee gelegt. Und noch bevor ich drüber nachdenken konnte, war der Keks schon in meinem Mund. Na, das fängt ja gut an...

Doch ich war gewillt und motiviert, ab sofort strenger mit mir selbst zu sein. Was auch überhaupt kein Problem war. Ich bin von Natur aus kein Süßigkeiten-Junkie. Am Nachmittag aß ich Pfirsiche und Blaubeeren anstelle eines Kekses. Einfach lecker.

Abends erwischte mich dann allerdings wieder eine Gewohnheit. Da ich den ganzen Tag über meist nur Tee und Wasser trinke, mag ich abends gerne eine Fassbrause. Die enthält weniger Zucker als normale Limo, aber es ist eben Zucker. Also schnell wieder weg mit der Flasche – auch wenn ich schon die ersten drei Schlucke getrunken hatte.

Meine erste Woche ohne Zucker

Tag 2 startete unproblematisch. Ich esse morgens immer Müsli mit Obst und es machte mir überhaupt nichts aus, auf Crunchy-Müsli zu verzichten und nur Haferflocken und Hanfsamen zu mischen. Gerade im Sommer ist das Obst so süß, das reicht vollkommen. Während der Arbeit musste ich dann allerdings erneut eine Lakritz-Fledermaus ausspucken, die auf dem Studiotresen in einer Schüssel angeboten wurde und fast von alleine in meinen Mund geflattert war...

Erste Erkenntnis nach zwei Tagen: krass, wie automatisch man manche Dinge tut... Tag 2 war übrigens ein sehr warmer Tag. Als ich abends Heim fuhr, kam ich an der (sehr, sehr guten!) Eisdiele unseres Ortes vorbei. Kurz habe ich überlegt, ob ich für meine Familie Eis mitbringen soll. Aber nein, das ging ja nun nicht. Das fand ich – ganz ehrlich – ziemlich doof.

An Tag 3 hatte ich das Gefühl im Experiment angekommen zu sein. Es war aber auch nicht schwierig für mich. Ich hatte weder Kopfschmerzen, noch Gelüste, noch schlechte Laune, noch sonst irgendein Symptom, mit dem Menschen auf Zuckerentzug ansonsten kämpfen.

Anstelle eines Stück Kuchens am Nachmittag habe ich mir einen Smoothie gemixt – auch wenn ich vorher beim Einkaufen durchaus gedacht hatte, dass der Mohnkuchen vom Bäcker ziemlich lecker aussah. Abends hatten wir Besuch und es wurde Schokolade genascht. Aber nur von den anderen. Ich habe Nüsse gegessen. Alles easy.

Nüsse

Tag 4: Es lief. Und ich grübelte. Kann es wirklich sein, dass das Ganze so einfach ist? Zumindest für jemanden wie mich, der zwar ab und an nascht, aber keine Unmengen an Zucker isst? Ich wurschtelte mich durch den Tag, knabberte Nüsse und Obst und hatte das Gefühl mich tatsächlich noch ein bisschen besser zu ernähren als sonst.

An Tag 5 war ich verabredet. Zum Tennis. Mit einer Freundin, die deutlich besser spielt als ich. Ich wusste also schon, dass ich mich mit ihr würde anstrengen müssen. Aber ich mag Herausforderungen und die Stunde startete super. Ich traf den Ball wie schon lange nicht mehr und meine Freundin zog mich mit ihren schnellen Schlägen mit. Cool dachte ich, bevor wir nach 15 Minuten die erste Trinkpause machten.

Als wir danach weiter spielten, lief bei mir allerdings gar nichts mehr. Ich hatte große Konzentrationsschwierigkeiten und meine Kraft ließ deutlich nach. Es dauerte einen Moment, bis mir klar wurde, was los war und dass ich jetzt leider nicht einfach ein Sportgetränk trinken oder einen Energy-Riegel essen konnte. Beides enthält natürlich Zucker. Blöde Sache, die sich ad hoc aber nicht lösen ließ.

Insofern ging diese Tennisstunde für mich sehr unbefriedigend zu Ende. Zweite Erkenntnis: wer keinen Zucker isst und sportliche Leistungen vollbringen möchte, der muss gut vorplanen. Denn die schnell verfügbaren Reserven im Körper sind in so einer Situation sehr schnell verbraucht.

Tag 6 war ein Samstag und ich backte Kuchen und Muffins für eine Kochpräsentation. Dabei verwendete ich meine normalen Rezepte, in denen mit Rohrohrzucker gesüßt wird. Es sind keine großen Mengen, die da rein kommen, aber es ist halt Zucker. Irgendwie blöd, wenn man backt und noch nicht mal den Teiglöffel ablecken kann...

Tag 7 geht mit einem Konzert zu Ende. Hilfe, was kann ich hier trinken? Aperol Spritz? No. Gin Tonic? No. Mojito? Doppel-No. Trockenen Weißwein? Gab’s nicht. Bier? Mag ich nicht. Cola, Fanta etc.? Bloß nicht! Cola Zero? Ist auch nicht besser. Apfelschorle? Weiß nicht... Zählt der viele Zucker, der natürlicherweise in Apfelsaft drin ist, jetzt etwa nicht? Ich fand, jetzt wurde es langsam echt ein bisschen anstrengend – weil: spaßgebremst.

Fazit nach der ersten Woche

Wenn man, so wie ich, sowieso die meisten Mahlzeiten frisch kocht, bezieht sich Zuckerverzicht eigentlich nur auf Süßigkeiten und süße Getränke. Mit ein bisschen gutem Willen und Disziplin kann man das aushalten. Es gibt genug natürlich süße Alternativen.

Körperlich merke ich die Umstellung im Alltag bislang nicht – weder positiv noch negativ. Einzig beim Sport heißt es für mich: Besser vorsorgen und einen Haferflocken-Drink o.ä. im Gepäck haben. Mal sehen, was die nächsten zwei Wochen bringen.

Herzlichst,

Dr. Alexa Iwan (Dipl. Ökotrophologin)

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