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11. April 2014

Wie viel „gesund“ ist gesund?

Wie viel “gesund“ ist gesund?

Neulich beim Mittagessen kommentierte meine Tochter (11) die Zucchini in der Suppe mit den Worten: „Im nächsten Leben suche ich mir keine Ernährungswissenschaftlerin als Mutter aus!“ Ein paar Tage später beim Mittagessen sagte mein Sohn (15) beim Anblick der Vollkorn-Nudeln auf seinem Teller: „Wenn ich eines Tages ausgezogen bin, esse ich nie wieder ein Stück Vollkorn!“

Oh mein Gott -- bin ich tatsächlich so eine Rabenmutter, die ihre Kinder mit gesundem Essen quält!? Naja... manchmal schon ;-) Meistens aber nicht.
Klar, bei uns ist Essen wahrscheinlich ein größeres Thema als in manch anderer Familie. Ich koche gerne, ich koche oft und ich koche oft & gerne gesund. Aber eben auch nicht immer.

Die Sache ist doch die: Wer sich 80 Prozent der Zeit gesund und ausgewogen ernährt, den bringen die restlichen 20 Prozent nicht um. Insofern habe auch ich 1 - 2 Tiefkühlpizzen für den Notfall im Eisfach, Schokolade und Gummibärchen im Regal und eine Tüte Chips im Schrank. Ach ja: Nutella gibt’s bei uns übrigens auch, allerdings nur am Wochenende. Was mir wichtig ist – und was ich, zugegeben, mitunter auch gegen kindliche Widerstände durchsetze – ist die große Linie: Morgens gibt es ein gesundes Frühstück und gesunde Pausenbrote, im Mittagessen findet sich in der Regel viel Gemüse, unser Brot ist ein richtiges Vollkornbrot und wenn wir kalt essen, gibt es immer Salat oder Rohkost dazu. Ansonsten darf gerne mal genascht werden und ich erlaube auch mal Pommes. Ist das zu schlimm gesund? Ich finde nicht.

Was ich aber finde, ist, dass Essen und Ernährung Teil der Erziehung sind. Und da bleibt es nun mal nicht aus, dass man sich als Mutter oder Vater ab und an mal unbeliebt machen muss. Oder – positiv formuliert –, dass man seine Kinder ab und an liebevoll in die richtige Richtung lenken sollte, indem man einfach mal keine Alternative bietet. Vollkornnudeln sind uncool? Tja, ich habe aber grad keine hellen Nudeln im Haus.

Ich weiß, dass meine Kinder, wenn sie einmal groß sind, wahrscheinlich erst mal alles anders machen werden als ich. Aber ich bin mir sicher, dass die Saat irgendwann Früchte tragen wird und sie merken, dass gutes Essen einfach gut tut. Und deshalb habe ich mich innerlich sehr gefreut, als mein Sohn gestern beim Abendessen bemerkte: „Der Spargel heute schmeckt irgendwie komisch, so säuerlich und fade.“ – denn das könnte er nicht beurteilen, wenn er nicht genau wüsste wie gut & lecker frischer Spargel schmecken kann.

Herzlichst, Ihre Alexa Iwan

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Hi, das kenn ich!! Hätte auch ich schreiben können. Bin Ernährungsberaterin und so ist auch bei uns zu Hause, gesunde Ernährung ein grosses Thema. DA ich auch noch vegan lebe im Gegensatz zum Rest der Familie haben wir immer wieder viele Diskussionen. Gesunde Ernährung ist mir sehr wichtig, doch auch bei uns gibt es Dinge zum Naschen und auch mal Dinge die ganz schnell gehen. So lange alles in Maßen konsumiert wird und durch eine gesunde Ernährung und Sport diese Dinge wieder ausgeglichen wird, finde ich ist alles in Ordnung. Essen, kochen, Zutaten und auch mal das lesen von Zutatenlisten, all das sind auch bei uns am Tisch immer wieder Themen(denke mehr als in anderen Familien) Denke auch das meine Kinder, 10 und 13 vieles anders machen werden als ich aber doch merke ich immer wieder wie die gesäten Samen schon ein wenig auf gehen. Sie lieben Vollkornnudeln, Gemüse und Salat in allen Variationen. Hoffe meinen Kindern für die Zukunft ein gutes und gesundes Grundwissen mit auf den Weg gegeben zu haben. Danke für diesen erheiternden Blog in dem sich ganz viele Familien wiederfinden werden Liebe Grüsse
 
Ha! Der Text hätte von mir sein können. Allerdings ist mein Sohn erst 14. Auch meine Kinder "leiden" von Geburt an unter der Tatsache, dass ihre Mutter Ernährungswissenschaften studiert hat und jobmäßig täglich mit dem Thema beschäftigt ist. Aber ich finde, dabei geht es ihnen unterm Strich ganz gut. Auch bei uns gibt es Süßkram, Pizza, Pommes und Limo - aber eben in Maßen. Außerdem vergeht bei uns kaum eine Mahlzeit, bei der wir nicht in irgendeiner Form übers Essen reden: ob es schmeckt, was am nächsten Tag gekocht werden soll, ob Kartoffeln nicht eigentlich auch Gemüse sind, was hinten auf der Verpackung steht (ich kann das mittlerweile ohne Lesebrille oft nicht mehr entziffern), dass es nichts nützt, den Paprika nochmal zu probieren, weil er schon bei den drei ersten Versuchen nicht geschmeckt hat... Damit sind wir sicherlich keine ganz normale Familie, aber die Kinder "leiden" eigentlich nur ein bisschen. Im Grunde fühlen sie sich als Experten und sind auch stolz darauf. Außerdem sind Kompromisse bei uns an der Tagesordnung. So gibt es an den meisten Tagen Vollkornbrot vom Bio-Bäcker (auch für die Schulbrote), am Wochenende aber oft helle Brötchen oder Croissants vom Bäcker um die Ecke. Mit Vollkorn-Nudeln können wir alle nichts anfangen. Wir lieben richtige italienische Pasta. Kann allerdings sein, dass ich in die Nudelsoße schon mal pürrierte Paprika schummele. Geschadet hat das den Kindern bisher nicht. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann auch auf den Geschmack von Paprika und anderem Gemüse kommen, dass ich nicht nur deswegen liebe, weil es so gesund ist.
 
Liebe Alexa, das sehe ich ganz genau so. Meine Kinder sind etwa im gleichen Alter und ich finde es wichtig, überhaupt ein Bewustsein über Ernährung und das, was da so auf dem Teller liegt, zu schaffen. Nur wer in seiner Kindheit die Unterschiede kennen lernt und viel probieren darf, kann später auch Entscheidungen treffen. Und ich habe, genau wie du, die Hoffnung, dass diese Entscheidungen ab und zu auch die "Richtigen" sein werden. ;-) In diesem Sinne: Bon appetit - der ganzen Familie. :-)