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Live Smarter Blog der Techniker Krankenkasse
28. Februar 2017

Chronic Fatigue Syndrome (CFS) – wenn nichts mehr geht

Chronic Fatigue Syndrome: Für Menschen mit Chronischem Erschöpfungssyndrom sind selbst leichte Tätigkeiten so anstrengend wie ein Marathonlauf. Noch immer wird die Krankheit oft falsch diagnostiziert, Erkrankte als Simulanten abgestempelt.

Chronic Fatigue Syndrome: immer todmüde

Melanies Odyssee mit dem Chronic Fatigue Syndrome begann, als sie 24 Jahre alt war. „Dieser lästige Infekt war wahrscheinlich eine leichte Frühjahrsgrippe mit ein bisschen Fieber, ein bisschen Halsweh“, schreibt sie auf fatigatio.de, der Selbsthilfe-Website für Menschen mit CFS. Doch als Der Infekt überstanden war, blieb eine bleierne Müdigkeit: „Ich fühlte mich ständig schlapp und müde, hatte Kopfschmerzen, war antriebsschwach und depressiv.“ Später kamen noch Lähmungserscheinungen, ständige Schmerzen und quälender Husten hinzu.

Melanie konsultierte Hausärzte, Neurologen, Psychologen. Doch niemand fand die Ursache für ihr Problem: Die Symptome blieben, die junge Frau verlor ihren Job, verbrachte oft Tage im Bett. Selbst das Ausräumen der Geschirrspülmaschine war häufig zu anstrengend und schmerzhaft. Erst Jahre später stellte eine Ärztin die Diagnose CFS: Chronic Fatigue Syndrom oder zu Deutsch Chronisches Erschöpfungssyndrom.

In Deutschland gehen Experten von über 300.000 Fällen aus. Häufig erkranken beruflich erfolgreiche Erwachsene zwischen 30 und 50 Jahren. Frauen sind öfter betroffen als Männer.

Doch die Diagnostik für CFS ist noch immer schwierig, da die Symptome diffus sind und schnell andere Erkrankungen in den Fokus geraten. Häufig werden die Symptome von CFS zunächst mit einer Depression verwechselt. Doch während es depressiven Menschen an Antrieb fehlt, würden Menschen mit CFS gerne Dinge tun – ihnen fehlt jedoch schlicht die Kraft.

Woher kommt das Chronic Fatigue Syndrome?

Das chronische Müdigkeits- beziehungsweise Erschöpfungssyndrom ist nicht mit der Fatigue zu verwechseln, einem Zustand anhaltender Schwäche zum Beispiel bei Krebs, insbesondere während und nach der Chemotherapie oder anderen schweren, chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Multiple Sklerose. Zwar ruft die Fatigue ähnliche Symptome hervor, hat aber eine andere Ursache.

Was genau die Ursachen des CFS sind, haben Wissenschaftlern noch nicht ergründen können. Es wird jedoch vermutet, dass zwei Szenarien die Krankheit ausbrechen lassen können: a) eine Schwächung des Immunsystems, auf der anderen Hand aber auch b) eine fortwährende Aktivierung des Immunsystems, jeweils in Verbindung mit bestimmten Stresshormonen, Viren oder seelischen Belastungen.

Bei manchen Patienten beginnt CFS nach banalen Infekten, bei anderen nach schweren Erkrankungen. Ein chronisches Müdigkeitssyndrom kann sich zum Beispiel auch nach einer Virusinfektion wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber oder einer Borreliose entwickeln. Stress kann ebenfalls einen Trigger-Faktor für die Entstehung von CFS darstellen.

Wie macht sich das CFS bemerkbar?

„Wie wäre es, wenn eine Virusgrippe mit Ganzkörperschmerzen, Fieber und extremer Erschöpfung nicht nach wenigen Tagen oder Wochen vorbei wäre, sondern Sie in diesem Zustand die nächsten 14 Jahre rund um die Uhr leben müssten?“, schreibt Heike auf der Website der Lost Voices-Stiftung für CFS-Betroffene.

Die Beschreibung der 37-Jährigen können viele von CFS Betroffene einschränkungslos unterschreiben.

Mit dem Chronic Fatigue Syndrome zu leben ist so, als hätte man ständig Jetlag, schweren Muskelkater oder einen grippalen Infekt. Dementsprechend schwer fällt jede Bewegung, verursacht Schmerzen oder Übelkeit. CFS-Betroffene können auch mit Schlaf keine ausreichende Erholung erreichen.

Begleitend leiden Betroffene unter einer Vielzahl möglicher weiterer Symptome, darunter:

  • Muskel- und Gelenkbeschwerden ohne Rötung und Schwellung
  • Muskelschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Lymphknotenschwellungen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Schlafstörungen
  • Sehstörungen
  • Fieber
  • Gereiztheit, depressive Verstimmungen

Wie wird CFS diagnostiziert?

Aufgrund der nicht einheitlich beschriebenen Symptome wird das chronische Müdigkeitssyndrom häufig erst spät oder gar nicht erkannt. Peu à peu müssen mit verschiedenen diagnostischen Methoden andere Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose, Depression oder auch Burn-Out ausgeschlossen werden.

Noch immer ist das Syndrom an sich in der Medizin nicht allgemein akzeptiert. Es ist davon auszugehen, dass viele Ärzte die Krankheit auch deshalb nicht diagnostizieren.

Für eine CFS-Diagnose existieren zwei Kriterienkataloge. Die 1994 veröffentlichten Fukuda-Kriterien besagen unter anderem, dass der Patient seit mindestens sechs Monaten unter einer sogenannten „Fatigue“, also deutlicher körperlicher und/oder geistiger Erschöpfung sowie mindestens vier weiteren definierten Symptomen leiden muss. Diese sind

  • Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme
  • nicht erholsamer Schlaf
  • verschiedene somatische Beschwerden
  • Halsschmerzen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen
  • "Post-Exertional Malaise": Unwohlsein und/oder Symptomverschlimmerung nach Anstrengung.

Als besser angesehen, weil spezifischer, gelten die sogenannten Kanadischen Kriterien von 2003. Hier stehen Fatigue und Post-Exertional Malaise im Vordergrund. Laut dem Katalog liegt CFS dann vor, wenn ein Patient seit mindestens einem halben Jahr unter Fatigue, Post-Exertional Malaise und nicht erholsamem Schlaf leidet, ebenso unter kognitiven Beeinträchtigungen. Hier können Sie den gesamten Kriterienkatalog einsehen.

Behandlungsmethoden bei CFS

Leider gibt es für CFS-Betroffene noch keine gesicherten Therapieerfolge. Die Fachwelt ist sich nicht einig, kontrollierte Therapiestudien gibt es nur wenige.

Daher können an dieser Stelle keine allgemeingültigen Therapieempfehlungen gegeben werden; hier muss der Arzt den einzelnen Patienten betrachten und sollte sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten einbeziehen. Eine Psychotherapie oder kognitive Verhaltenstherapie kann unter Umständen helfen, mit den Beeinträchtigungen durch CFS besser zu leben.

Allgemein gültig ist der Rat, sein Leben konsequent dem eigenen Energiehaushalt entsprechend einzurichten und seine Grenzen akzeptieren zu lernen. Das bedeutet: Anstatt immer verzweifelter die allerletzten Energiereserven auszuschöpfen, um weiterhin die Anforderungen ihrer Umwelt zu erfüllen, sollten Erkrankte in die Offensive gehen. Denn eine Überanstrengung kann zu "Post-Exertional Malaise" führen und die Symptome weiter verstärken.  

Ob Selbsthilfegruppen den Betroffenen nutzen oder das Leid eventuell noch verstärken, wird kontrovers diskutiert. Hier finden Sie eine Übersicht regionaler Selbsthilfegruppen.

Der Verlauf der Erkrankung ist unterschiedlich und eine Prognose lässt sich kaum abgeben. Meist dauert eine CFS-Erkrankung mehrere Jahre.  Dabei nehmen die Beschwerden zyklisch ab oder zu, das heißt, nach einer Phase der Verbesserung schließt sich eine Phase der Verschlechterung an. Manchmal verschwindet die Erkrankung nach einiger Zeit wieder. Es gilt: Je früher der Behandlungsbeginn, desto besser die Prognose.


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