Volkskrankheit Neurodermitis | EAT SMARTER
3
1
Drucken
1
Live Smarter Blog der Techniker Krankenkasse
Volkskrankheit NeurodermitisDurchschnittliche Bewertung: 5153
29. Dezember 2015

Volkskrankheit Neurodermitis

Juckreiz und Hautausschlag hatte jeder schon mal. Doch könnte das schon Neurodermitis sein? Wie erkennt man die Hauterkrankung und wer ist gefährdet? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Neurodermitis

Wie entsteht eine Neurodermitis?

Unsere Haut ist aus drei Schichten (Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut) aufgebaut. Die Oberhaut besteht aus der Basalschicht, der Stachelzellschicht und der Hornschicht. Die Hornschicht – der sichtbare Teil der Haut – schützt unseren Körper vor Krankheitserregern. Sie wird ständig erneuert, indem aus der Basalschicht neue Zellen nachwachsen. Bei Menschen mit Neurodermitis erfüllt die Hornschicht allerdings ihre Funktion nicht richtig. Häufig ist die Produktion von Filaggrin gehemmt. Hierbei handelt es sich um ein Eiweiß, welches bei der Bildung der Oberhaut eine wichtige Rolle spielt. Aufgrund des Filaggrin-Mangels ist die Zusammensetzung der Hautfette verändert und die Haut verliert dadurch viel Feuchtigkeit. Durch die geschädigte Haut können Reizstoffe und Keime leichter in die Haut gelangen und so zu Entzündungen führen.

Einige Menschen haben auch eine allergische Form von Neurodermitis, dann reagiert ihr Immunsystem auf bestimmte Allergene mit der Ausschüttung von Antikörpern, die wiederum Entzündungen auslösen. Eine allergiebedingte Form von Neurodermitis geht häufig mit stärker ausgeprägten Beschwerden einher.

Wie macht sich eine Neurodermitis bemerkbar?

Eine Neurodermitis kann sich sowohl durch chronische als auch durch akute Beschwerden äußern. Handelt es sich um akute Beschwerden, so ist die Haut gerötet, juckt und kann auch nässende Bläschen bilden. Langfristig ist die Haut sehr trocken, schuppig und kann sich verdicken. Da die Krankheit in Schüben verläuft, sind die Beschwerden mal stärker, mal schwächer und können zeitweise auch ganz verschwinden. 

Was sind die Risikofaktoren für eine Neurodermitis?

Haben einige Familienmitglieder bereits Neurodermitis, kann das Risiko deutlich erhöht sein, dass auch Kinder an Neurodermitis erkranken. Aber auch andere Faktoren können zu Neurodermitis führen. In den letzten Jahren ist die Erkrankung immer häufiger geworden, was Rückschlüsse zulässt, dass auch Umwelteinflüsse in Form von Verschmutzung oder eine übertriebene Hygiene (besonders bei Säuglingen) eine Rolle spielen. Dies fußt auf Beobachtungen, dass Neurodermitis seltener bei Kindern auftritt, die viele Geschwister haben, mit einem Hund im Haushalt leben oder bereits im Säuglingsalter in der Kindertagesstätte betreut wurden. Es wird davon ausgegangen, dass diese Kinder früher Keimen ausgesetzt waren und somit ein besser trainiertes Immunsystem haben.

Wie häufig kommt Neurodermitis vor?

Nur 2–4 Erwachsene haben Neurodermitis, aber etwa 20-40 von 100 Kindern haben mit der Krankheit zu tun. Die Erkrankung setzt häufig in den ersten 6 Lebensmonaten ein, allerdings bessert sich oder verschwindet die Erkrankung bei 50–70 von 100 betroffenen Kindern bis zum 15. Lebensjahr.

Wie wird Neurodermitis festgestellt?

Spezielle Tests sind für die Feststellung einer Neurodermitis nicht nötig. Der Arzt kann die Erkrankung mithilfe einer Untersuchung feststellen. Besteht der Verdacht, dass es sich um eine allergische Form von Neurodermitis handelt, dann wird mitunter ein Allergietest gemacht.

Wie kann man Neurodermitis vorbeugen?

Möglicherweise ist das Risiko an Neurodermitis zu erkranken für Kinder, die gestillt werden geringer. Allerdings liegen hierzu keine eindeutigen Forschungsergebnisse vor. Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung gibt es zudem für Nahrungszusätze mit probiotischen Bakterien. Jedoch sind die Ursachen der Erkrankung nicht abschließend geklärt.

Wie lässt sich Neurodermitis behandeln?

Da es sich bei Neurodermitis um eine chronische Erkrankung handelt, kann diese nicht geheilt, aber durch gezielte Behandlungen zumindest gemindert werden. Besonders feuchtigkeitsspendende Produkte wie Salben oder Lotionen können die Haut vor dem Austrocknen bewahren, so vor Keimen und Reizstoffen schützen.

Patienten mit Neurodermitis sollten spezielle Seifen, Shampoos und Waschlotionen verwenden, da herkömmliche Produkte häufig Tenside und andere Stoffe enthalten, die die Haut austrocknen können.

Neurodermitisschübe werden meist mit Kortisonsalben behandelt, die den Juckreiz und die Entzündung lindern sollen. Pimecrolimus und Tacrolimus sind ebenfalls Medikamente, die bei Neurodermitis eingesetzt werden. Sie werden häufig verwendet, wenn Kortisonpräperate nicht in Frage kommen. Außerdem kann Neurodermitis auch durch feuchte Umschläge, das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel, Bestrahlung mit UV-Licht behandelt werden.     

(chil)

Ähnliche Artikel
Herpes - Lippenbläschen
Die wichtigsten Infos rund um die Viruserkrankung
Sportsucht
Wir erklären, was sich dahinter verbirgt.
Hautärztin untersucht den Rücken eines jungen Mannes
Hautkrebs frühzeitig erkennen und vorbeugen
Schreiben Sie einen Kommentar
 
Für mich ist dieser Artikel nicht ausreichend. Meiner Tochter wurde im Säuglingsalter Neurodermitis diagnostiziert. Durch ein längeren Aufenthalt in der Kinder-und Jugendklinik in Gelsenkirchen ist meine Tochter so gut wie geheilt. Wir cremen nicht, wir brauchen keine Salben und wir gehen sogar einmal die Woche in ein ganz normales Schwimmbad, ohne das die Haut austrocknet. Diese Hauterkrankung spiegelt in vielen Fällen das Seelenleben und Umfeld wieder. Und es ist nicht richtig anzunehmen, dass es überhaupt nicht heilbar wäre. Mit der richtigen Ernährung ( wenig saure Produkte) und geeigneten Entspannungsmethoden kann man diese Hauterkrankung sehr wohl steuern und eine Gesundung kann eintreffen. Ich habe das lebende Beispiel jeden Tag vor Augen.