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Live Smarter Blog der Techniker Krankenkasse
20. Juni 2017

Tierhaltung, Spritzmittel, Nachhaltigkeit

Was die Bio-Siegel aussagen

Fleisch, Obst und Gemüse mit einem Bio-Siegel vermitteln dem Käufer das Gefühl, etwas Gutes für sich und die Umwelt getan zu haben. Tatsächlich ist Bio oft besser als konventionell – doch es lohnt sich, auf die Details zu schauen.

Bio-Kühe

Es gibt Menschen, die kaufen ausschließlich Bio-Produkte. Es gibt andere, die den Nutzen und die Kontrollierbarkeit von „Bio“ komplett anzweifeln und nur konventionelle Ware mit nach Hause nehmen. In der Masse der Bio-Siegel und Attribute wie „aus integrierter Landwirtschaft“, „aus artgerechter Haltung“ oder „aus der Region“ den Durchblick zu behalten, ist gar nicht so leicht. Daher hier ein kleiner Leitfaden, was sich hinter jedem Siegel versteckt.

1) EU Bio-Logo

EU-Bio-Siegel

Dieses EU-weit verwendete Logo dürfte sich in deutschen Supermärkten am häufigsten finden. Mehrere Hunderttausend Produkte tragen das Label.

Laut den Regeln des EU Bio-Siegels darf ein Produkt nur dann „öko“ oder „bio“ genannt werden, wenn...

 

auf chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichtet wird
eine festgelegte Zahl an Tieren pro Quadratmeter nicht überschritten wird
die Tierhaltung artgerecht ist
das Futter ebenfalls aus biologischem Anbau stammt
Antibiotika nur zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden
Keine Gentechnik eingesetzt wird
In verarbeiteten Lebensmitteln höchstens 49 Zusatzstoffe enthalten sind.

Entspricht ein Produkt zu 95 Prozent diesen Anforderungen, darf es das Bio-Logo tragen.

Das Bio-Siegel der EU ist besser als nichts – immerhin bleiben die Chemiekeulen bei Düngung und Schädlingsbekämpfung im Schrank.

Doch vor allem die Tierhaltung bietet Raum für Kritik. Denn ob es nun „artgerecht ist“, dass Tiere bis zu 24 Stunden lang zum Schlachthof transportiert werden, sei dahingestellt. Auch ist der Spaltenboden, auf dem Mastschweine oft stehen, beim Bio-Logo teilweise erlaubt.

Immerhin, das in der konventionellen Tierhaltung übliche Kupieren der Schwänze, das Abkneifen der Zähne und das Einziehen von Nasenringen ist in Betrieben mit EU-Bio-Zertifizierung nicht routinemäßig erlaubt.

Leider sind Produkte, die den EU-Bio-Siegel-Richtlinien entsprechen, oft nicht besonders nachhaltig. Da liegen im Winter schon mal Bio-Kartoffeln aus Ägypten im Supermarkt, oder zwei Bio-Fenchelknollen liegen in einer Plastikschale und sind zusätzlich eingeschweißt. Dieser Verpackungswahnsinn soll den Kontakt oder das Risiko des Vertauschens zwischen konventioneller Ware und Bio-Ware so gering wie möglich halten.

Der häufig kursierenden Meinung, Bio-Produkte würden nicht kontrolliert, entgegnete Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg gegenüber EAT SMARTER: „Deutschlandweit gibt es Kontrollstellen, die Bio-zertifizierte Betriebe überwachen. Dazu gehören auch unangekündigte Besuche. Auf der Verpackung des Lebensmittels ist immer ein Hinweis abgebildet, welche Kontrollstelle das jeweilige Lebensmittel kontrolliert hat. Dazu kommt, dass auch die staatlichen Kontrollstellen Bio-Lebensmittel unter die Lupe nehmen. Auch Öko Test und Stiftung Warentest beziehen regelmäßig Bio-Lebensmittel mit in ihre Lebensmitteltests ein.“

Am Beispiel von Bio-Eiern zeigen sich jedoch die Grenzen dieser Kontrolle. EAT SMARTER sprach dazu mit Markus Wolter vom WWF Deutschland. Wolter berichtete: Höfe, deren Eier das EU-Bio-Siegel tragen, werden standardmäßig einmal im Jahr kontrolliert. Diese Kontrolle geschieht nach vorheriger Anmeldung. Besonders bei Legehennenbetrieben wird jedoch oft auch ein zweites Mal geprüft, dann unangemeldet. Kontrolliert wird allerdings nur, ob die Richtlinien der EG-Öko-Verordnung, beziehungsweise zusätzlich die Einhaltung der Verbands-Richtlinien wie Bioland, Biopark oder andere eingehalten werden. Haben die Hühner im Stall oder Auslauf zerrupftes Federkleid, interessiert dies die Kontrolleure in erster Linie nicht. Außer sie gehören Verbänden wie Bioland, demeter oder Naturland an, die das Tierwohl mittlerweile als Prüfkriterium in der Kontrolle der Verbandsrichtlinien eingeführt haben.

Mehr zum EU Bio-Siegel 

2) Bioland, Naturland und Demeter

Wie bereits angedeutet, gehen die Kriterien von Demeter, Bioland und Naturland über die des EU Bio-Siegels hinaus.

Bioland

Bioland-Siegel

6800 Biobauern, 1000 Lebensmittel-Hersteller: Bioland ist nach eigenen Angaben der bedeutendste ökologische Anbauverband in Deutschland.

Der Verband existiert seit 1981. Seine Kriterien gehen über die EU-Öko-Verordnung hinaus. Das System des Anbauverbandes basiert auf einem geschlossenen Betriebskreislauf, mit dem unter anderem auf die langfristige Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit geachtet wird. Produktions- und Futtermittel stammen weitgehend aus dem eigenen Betrieb, die Tiere werden bevorzugt mit Homöopathie und Phytotherapie behandelt. 2014 allerdings geriet Bioland in die Schlagzeilen, als auf Betrieben nicht erlaubte Antibiotika eingesetzt wurden. Dabei habe es sich jedoch um eine Ausnahmegenehmigung gehandelt, so das Unternehmen.

Zu den 7 Prinzipien von Bioland

Naturland

Naturland-Siegel

1982 wurde der Verband Naturland gegründet. Anders als bei Bioland ist das Naturland-Siegel nicht auf Deutschland und Tirol beschränkt: Aktuell bewirtschaften nach Verbandsangaben 43.000 Naturland Erzeuger in 46 Ländern der Erde eine Fläche von mehr als 330.000 Hektar nach den Richtlinien des Verbands.

Das Naturland-Siegel kennzeichnet neben Lebensmitteln auch Holzprodukte und Textilien. Mit der Zusatzzertifizierung Naturland Fair vereint Naturland seit 2010 Öko & Fair in einem Zeichen.

Zu den Richtlinien von Naturland

Demeter

Demeter Siegel

1928 gegründet, fuß der Demeter-Verband auf der antrophosophischen Lehre von Rudolf Steiner, dem Begründer des Waldorfschulkonzepts. Der Hof als Kreislauf – nach diesem Motto wird auf Demeter-Betrieben gewirtschaftet. Nicht nur Lebensmittel, auch Kosmetika und Reinigungsprodukte können das Demeter-Siegel tragen. Kritiker bemängeln, dass die demeter-Richtlinien oft weiche „Soll-Vorschriften“ sind. Dennoch gehen sie über die Richtlinen des EU-Bio-Logos hinaus.

20 Fakten zu Demeter

... Und das ist nicht bio

Mit blumigen Formulierungen werben Hersteller um unsere Kaufkraft. Oft wird dabei eine ländliche Idylle vorgetäuscht, die es nicht gibt und womöglich auch nie gegeben hat. Laut WWF sagen folgende Formulierungen nichts darüber aus, ob ein Produkt bio-zertifiziert ist oder nicht:

  • "aus kontrolliertem Anbau",
  • "von staatlich anerkannten Bauernhöfen",
  • "unter unabhängiger Kontrolle",
  • "ungespritzt",
  • "ohne Spritzmittel",
  • "aus integrierter Landwirtschaft",
  • "aus Vertragsanbau",
  • "aus alternativer Haltung" oder
  • "aus umweltschonendem Anbau"

Bio muss nicht immer besser sein

Dreifach in Plastik eingewickeltes Gemüse, Bio-Eier aus dem EU-Ausland, Bio-Schlachttiere auf Odyssee durch Europa: Das Bio-Siegel ist kein Garant für Konsum ohne schlechtes Gewissen.

Hinzu kommt, dass gerade kleinere, regional agierende Betriebe die Kosten für die Bio-Zertifizierung und jährliche Kontrollen häufig nicht aufbringen können. Diese Betriebe wirtschaften ohne Siegel, aber den Tieren geht es nicht selten besser als in großen Betrieben. „Es kann durchaus (...) sein, dass es Tieren aus Freilandhaltung von kleinen Höfen besser geht als Bio-Legehennen aus einem großen, schlecht geführten Betrieb“, sagte Markus Wolter vom WWF zu EAT SMARTER.

Festzuhalten bleibt also: Wer „bio“ kauft – egal ob günstig im Supermarkt oder vergleichsweise teuer auf dem Wochenmarkt – erspart dem eigenen Körper Pestizid-Rückstände und der Umwelt chemischen Dünger. Auch die Tierhaltung ist besser geregelt als in konventionellen Betrieben. Doch eine heile Welt ist auch „bio“ nicht.

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