Wie gesund ist Leitungswasser? | EAT SMARTER
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Live Smarter Blog der Techniker Krankenkasse
18. April 2017

Wie gesund ist Leitungswasser?

Schleppen Sie noch oder zapfen Sie schon? In vielen Gegenden Deutschlands hat das Leitungswasser eine gleichwertige, wenn nicht bessere Qualität als gekauftes Mineralwasser. Wann Mineralwasser trotzdem sinnvoll sein kann, erfahren Sie im Live Smarter-Blog.

Leitungswasser

Um die Frage „Leitungswasser oder Mineralwasser?“ ranken sich zahlreiche Halbwahrheiten. Der Glaube, Mineralwasser sei gesünder als Leitungswasser, bewegt viele Verbraucher dazu, ihr Wasser in Flaschen zu kaufen. Auch die Angst, das Grundwasser könnte mit Rückständen aus der Landwirtschaft oder Arzneimitteln belastet sein, hält nicht wenige davon ab, Trinkwasser direkt aus dem Hahn zu entnehmen.

Was den Mineralgehalt angeht, hat die Stiftung Warentest im vergangenen Jahr eine interessante Untersuchung veröffentlicht. Die Tester nahmen Trinkwasser aus 28 deutschen Städten und Gemeinden unter die Lupe, dazu im Vergleich 30 stille natürliche Mineralwässer. Das Ergebnis: Nur acht von 30 getesteten Mineralwässern enthielten mehr Mineralstoffe als das mineralstoffreichste Trinkwasser unter den Proben.

Fazit der Stiftung Warentest: „Leitungswasser hat eine gute Qualität. Außerdem: Sein Preis schlägt klar den von Mineralwasser. Und die lästige Schlepperei von Flaschen entfällt. Auch die Umwelt profitiert. Wasser aus dem Hahn muss nicht abgefüllt, verpackt und transportiert werden.“ Das Argument, Mineralwasser sei gesünder, sticht also nicht. Zumal der Mensch Mineralstoffe vor allem über das Essen aufnimmt. Um den Bedarf über Wasser zu decken, müsste man viel zu viel trinken.

Was ist mit Nitrat im Trinkwasser?

In letzter Zeit berichteten einige Medien über zu hohe Nitratwerte im Trinkwasser. „Nitrat aus der Landwirtschaft ist tatsächlich ein Problem“, sagt Armin Valet, Lebensmittelchemiker und Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Nitrat ist chemisch gesehen ein Salz der Salpetersäure, das zu den Hauptnährstoffen im Boden gehört. Es ist in Kunstdünger, aber auch in Gülle aus der Tierhaltung enthalten. Nitrat an sich ist für den menschlichen Körper unproblematisch. Doch wenn wir Nitrat zu uns nehmen, wird es zu Nitrit umgewandelt, welches mit den Aminen aus eiweißhaltigen Lebensmitteln die krebsverdächtigen Nitrosamine bilden kann. Zu viel Nitrat ist daher für den menschlichen Körper ungesund.

In Gegenden mit intensiver Tierhaltung, wo viel gedüngt wird, können Nitrate mit dem Niederschlagswasser ins Grundwasser beziehungsweise Oberflächenwasser gelangen. „Besonders in Gegenden mit intensiver Tierhaltung in Niedersachsen, Teilen Nordrhein-Westfalens und Schleswig-Holsteins wird Nitrat immer mehr zum Problem“, so Valet.

Dennoch sei dies kein Grund zur Panik, so der Experte: „Der festgelegte Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter wird überall in Deutschland unterschritten“ – auch, weil die Wasserwerke das Grund- und Oberflächenwasser aufwendig filtern und aufbereiten.

Eine weitaus höhere Nitratdosis würden überdies einige Gemüsesorten liefern, so Valet. Vor allem Blatt- und Wurzelgemüse wie Kopfsalat, Feldsalat, Mangold, Spinat, Rettich, Radieschen, Rote Beete und ganz besonders Rucola weisen mitunter hohe Nitratkonzentrationen von deutlich über 1.000 mg/kg auf.

Belastung durch Blei- und Kupferrohre

Die Belieferung der deutschen Haushalte mit Wasser ist nur bis zum Hausanschluss Aufgabe der Wasserwerke. Im Haus selbst hat der Eigentümer beziehungsweise Vermieter für eine einwandfreie Wasserqualität zu sorgen.

Vor allem in Altbauten in Nord- und Ostdeutschland fließt das Wasser teilweise noch durch Bleirohre. Erst nach 1973 wurden in Deutschland keine Bleirohre mehr verwendet.

Das Schwermetall Blei kann sich im Wasser lösen und gesundheitsschädlich wirken. Oftmals wurden Blei- durch Kupferrohre getauscht. Doch auch die sind nicht ohne: hohe Kupferkonzentrationen stehen im Verdacht, die sogenannte frühkindliche Leberzirrhose hervorzurufen.

Doch nicht von jedem Blei- oder Kupferrohr geht automatisch eine Gesundheitsgefährdung aus. Kalkablagerungen in den älteren Rohren vermindern das Austreten schädlicher Substanzen.

Wer sichergehen möchte, erfragt bei seinem Vermieter die Art der Rohre und lässt sein Leitungswasser daraufhin analysieren, ob alle Grenzwerte eingehalten werden. Einen entsprechenden Test stellen die lokalen Wasserwerke zur Verfügung. Sind die Kupfer- beziehungsweise Bleigrenzwerte zu hoch, so ist der Vermieter verpflichtet, die Rohre auszutauschen.

Im Übrigen ist es empfehlenswert, das Wasser morgens oder nach längerer Abwesenheit erst einmal circa eine halbe Minute laufen zu lassen, um eventuell in der Leitung abgelagerte Rückstände zu entfernen.

Wann Mineralwasser sinnvoll sein kann

In speziellen Fällen kann es sinnvoll sein, Wasser mit einem bestimmten Mineraliengehalt zukaufen. Menschen, die an einer Laktose-Intoleranz leiden oder aus anderen Gründen keine Milchprodukte essen, können beispielsweise zu kalziumreichem Mineralwasser greifen. Hier gilt es jedoch, den angegebenen Mineralgehalt mit dem täglichen Bedarf abzugleichen. „Bei Calcium liegt die empfohlene tägliche Aufnahme bei 1000 Milligramm“, sagt Armin Valet. „auch die mineralreichsten Wässer enthalten maximal 300 Milligramm pro Liter“ – durch Wasser allein ist der Bedarf also kaum zu decken.

Mineralwasser: Lieber aus der Glasflasche

Obwohl Leitungswasser überall in Deutschland unbedenklich ist, greifen dennoch viele Menschen zu gekauftem Wasser – sei es, weil das lokale Wasser ihnen einfach nicht schmeckt oder sie Wasser in Flaschen praktischer finden.

In diesem Fall hat Armin Valet einen Rat: „Greifen Sie zu Wasser aus regionalen Quellen, und setzen Sie auf Glasflaschen.“ Je geringer der Transportweg des Wassers, desto geringer die Umweltbelastung. Auch Mehrwegflaschen aus Glas seien deutlich umweltfreundlicher als PET-Flaschen.

In Plastikflaschen ist zudem Weichmacher enthalten. Zwar hat Stiftung Warentest beim bereits zitierten Test aus dem vergangenen Jahr keine Weichmacher-Rückstände in den Wässern gefunden; regelmäßig fände sich jedoch Acetaldehyd, das sich aus dem Plastik löst. Zwar liege auch dessen Wert immer unter den gesetzlichen Grenzwerten, „doch ich kann das ungute Gefühl nachvollziehen, das manche Verbraucher bei Plastikflaschen haben“, so Armin Valet. Schließlich wisse niemand, welche Langzeitwirkungen auch kleinste Mengen Acetaldehyd und andere Stoffe aus PET-Flaschen auf den menschlichen Körper haben.

Was bringen Wasserfilter?

Anbieter von Wasserfiltern werben damit, das Wasser von Schadstoffen und Bakterien zu befreien. Leider ist laut Aussage der Verbraucherzentrale oft das Gegenteil der Fall: Viele Filter verschlechtern die Qualität des Wassers sogar. Sie böten einen Nährboden für Keime, wenn zum Beispiel die Filterpatronen nicht regelmäßig gewechselt werden. Darüber hinaus geben einige sogar zusätzliche, unerwünschte Stoffe ab, darunter Natrium, Chlorid und Silber. Dies gelte auch für spezielle Babywasserfilter.

„Wer in Gegenden mit sehr hartem Wasser wohnt, für den kann ein Wasserfilter durchaus sinnvoll sein“, sagt Experte Armin Valet; „doch auch hier gilt es, peinlich darauf zu achten, die Kartusche regelmäßig zu reinigen.“

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