Geschmackssache: Airline liefert passenden Song zu jeder Mahlzeit | EAT SMARTER
11
0
Drucken
0
Neues aus der Forschung Blog
Geschmackssache: Airline liefert passenden Song zu jeder MahlzeitDurchschnittliche Bewertung: 51511
04. November 2014

Geschmackssache: Airline liefert passenden Song zu jeder Mahlzeit

Über den Wolken ist der richtige Sound von großer Bedeutung. © Kovalenko Inna Über den Wolken ist der richtige Sound von großer Bedeutung. © Kovalenko Inna

Es gibt für alles den passenden Song. Romantiker lauschen in diesen Tagen den Klängen von Ed Sheerans „Thinking out loud“, die Party-Meute jolt noch immer fröhlich Helene Fischers „Atemlos“ und Herzschmerz-Geplagte trällern voller Wehmut Adeles „Someone like you“. Doch damit nicht genug. Im Hinblick auf das ideale Geschmackserlebnis kann man neuerdings auch seine Mahlzeiten durch eine ganz bestimmte Musikauswahl kulinarisch aufwerten. Zumindest, wenn man sich an Bord eines British-Airways-Jets befindet und in den Genuss verschiedener Speisen kommt.

Die Airline hat sich von einer Studie der Oxford University inspirieren lassen, die besagt, dass Musik einen Einfluss auf unser Geschmacksempfinden hat und bestimmte Geschmacksnerven beleben kann. Mithilfe des sogenannten „Sonic Seasoning“ könne man die Wahrnehmung derart verändern, dass eine Mahlzeit bis zu zehn Prozent salziger oder auch süßer wirke, so Studienleiter Prof. Charles Spence.

Für das Speisen an Bord könnte dies in der Tat von Vorteil sein, denn schon frühere Untersuchungen zeigten: Das Geschmacksempfinden wird durch den niedrigen Luftdruck in der Flugzeugkabine verändert. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts in Holzkirchen entdeckten im Rahmen einer Studie, dass Salz an Bord 20 bis 30 Prozent, Zucker 15 bis 20 Prozent weniger intensiv schmeckt. Die Wahrnehmung fruchtiger Aromen dagehen bleibt weitgehend stabil.

Doch welche Songs liefern denn nun den perfekten Genuss in 12.000 Metern Höhe? Ein Expertenteam hat sich dieser Frage angenommen und eine Playlist für British Airways erstellt, die unter anderem vom Portal „aeroTELEGRAPH“ veröffentlicht wurde. Stellt sich nur die Frage: Ist diese Songauswahl auch nach Ihrem Geschmack?

Vorspeise:

Louis Armstrong und Duke Ellington mit dem Song „Azalea“: Ein seichtes Stück, entspannend und reich an Trompetenklängen. Warum sich die Sound-Experten für diesen Song entschieden? Bei einer herzhaften Vorspeise verstärken tiefe Töne das Geschmacksempfinden.

Anthony and the Johnsons mit „Crazy in Love“: Diese Version des Beyoncé-Klassikers klingt irgendwie nach Weltschmerz, soll herzhafte Vorspeisehäppchen allerdings umso intensiver schmecken lassen.

Paolo Nutini mit „Scream (Funk my life up)“: Modern, lässig, cool. In Anbetracht dieses Beats dürfte das Essen munden. Zu dem Song gereicht wird übrigens schottischer Lachs, denn ein schottischer Künstler verbessert angeblich die Wahrnehmung für schottische Speisen.

Frühstück

Johnny Marr mit „New Town Velocity“: Ganz klar: Auf dem Speiseplan steht „English Breakfast“. Und raten Sie mal, warum man sich für dieses Lied entschied? Richtig: Britisches Essen passt zu britischer Musik – so lautet die offizielle Begründung. Unabhängig davon verströmt der Song ein morgendliches Flair. Man sehnt sich nach einem heißen Kaffee und einer warmen Dusche. Auf Letztere muss man an Bord jedoch vorerst noch verzichten.

Hauptgänge

Coldplay mit „A Sky Full of Stars“: Serviert werden britische Klassiker – da darf britische Musik natürlich nicht fehlen. Und die Jungs von Coldplay liefern selbige par excellence.

Lily Allen mit „Somewhere Only We Know“: Pianoklänge verstärken das Empfinden süßer und bitterer Speisen – und Lilly Allens Version des Keane-Songs ist eine hervorragende Wahl, um diese Annahme unter Beweis zu stellen.

Claude Debussy mit „Claire De Lune“: Ein wenig melancholisch und sehr, sehr stimmungsvoll: Dieser Song lädt zum Träumen ein und soll den Geschmack eines servierten Bratens wunderbar untermalen.

Dessert

Madonna mit „Ray of Light“: Hohe Töne verstärken den süßen Geschmack. Und Madonna gibt wirklich ihr Bestes, um alle Aromen zu Tage zu befördern. 

James Blunt mit „You’re Beautiful“: Reine Geschmackssache ist auch dieser Song – wer James Blunt mag, wird das dazu empfohlene Dessert sicherlich lieben.

Otis Redding mit „The Dock of the Bay“: Ein musikalischer Evergreen, der primär tiefe Töne liefert, sodass Schokolade ein wenig bitter schmeckt.

Getränke

The Pretenders mit „Back on the Chain Gang“: Ja, auch der Geschmack von Getränken kann intensiviert werden. Rockmusik etwa soll das Aroma eines Rotweins verstärken und ihn ein wenig „schwerer“ machen.

Plácido Domingo mit „Nessun Dorma“ aus Turandot: Herrlich! Opernklänge, die wirklich jeder schon einmal gehört hat – sei es in einem Hollywood-Streifen oder beim Italiener um die Ecke. Die Sound-Experten von British Airways empfehlen, den Song mit einem Kaffee zu kombinieren. Die tiefen Töne des Tenors unterstreichen das Aroma, heißt es.

Hope/BBC Symphony Orchestra/Shostakovich mit „Romance from the Gadfly, Op.97“: Sie mögen Weißwein? Dieses Lied dürfte den Geschmack dank seiner feinen Violinenklänge intensivieren. Zumindest, wenn Sie sich an Bord eines Flugzeugs befinden.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim nächsten Langstreckenflug. An Bord von British Airways dürfte dem perfekten Dinner ja nun nichts mehr im Wege stehen...

Einen Auszug aus der Studie gibt es hier.

Janina Darm

Hier geht es zur Blog-Seite „Neues aus der Forschung“

 

Ähnliche Artikel
Ohrwuermer 300x225
Helene Fischer und Los del Rio müssen sich warm anziehen: Forscher haben ein Mittel gegen Ohrwürmer gefunden.
Hip-Hop
Hören Sie gerne Musik beim Essen? Dann sollten Sie jetzt gut aufpassen. Denn der Song – oder sagen wir besser: die Musikrichtung – hat entscheidenden Einfluss darauf, wie viel tatsächlich gegessen wird. Das zumindest behaupten Wissenschaftler der Universität Arkansas in den USA.
Jymmin
Musik ist ja etwas Herrliches. Mit den Rolling Stones auf den Ohren um die Alster joggen und mit den Backstreet Boys das Laufband im Fitnessstudio erobern (ja, mein Musikgeschmack ist sehr vielseitig, andere würden sagen: diffus) – es könnte nichts Schöneres geben. Ohne meinen iPod jedenfalls wäre so manch eine Trainingsstunde nur schwer zu ertragen. Doch wenn es nach Forschern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig geht, werden schweißtreibende Einheiten erst dann richtig effektiv und berauschend, wenn man musikalischen Klängen nicht nur passiv lauscht, sondern während des Sports selbst welche produziert.
Schreiben Sie einen Kommentar