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22. April 2014

Hunger macht streitsüchtig

Hunger macht streitsüchtig. © B. Wylezich - Fotolia.com Hunger macht streitsüchtig. © B. Wylezich - Fotolia.com

Ein knurrender Magen erzeugt schlechte Laune, liebe Blog-Leser. Davon haben Sie sicherlich schon einmal gehört. Ich selbst muss gestehen, dass ich dieses Phänomen bei mir persönlich noch nicht entdeckt habe – aber was nicht ist, kann ja noch werden. Forscher von der Ohio State University in Columbus jedenfalls sind dem Hunger-Klischee auf den Grund gegangen und wollten endlich einen Beweis für den Nörgel-Effekt. Und siehe da: Ihre Studie, die wahrlich kuriose Methoden enthielt, brachte den Beweis...

Zur Überprüfung der Theorie wurden zunächst 107 verheiratete Paare nach dem Grad ihrer Beziehungszufriedenheit befragt. In den folgenden 21 Tagen wurden die Probanden gebeten, jeweils morgens und abends ihren Blutzuckerspiegel (Glucose-Gehalt im Blut) zu messen. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmer der Studie Voodoo-Puppen und ein dazu passendes Set aus 51 Nadeln. Verbunden war dieses Werkzeug mit einer eher ungewöhnlichen Aufgabe: Je stärker sich die Probanden über ihren Partner ärgerten, desto öfter sollten sie ihn oder sie mithilfe der Voodoo-Puppe imaginär durchbohren. Das Ergebnis offenbarte Erstaunliches: Je niedriger der Blutzuckerspiegel der jeweiligen Testperson war, desto mehr Nadeln steckten am Ende in der Puppe. Die Wut auf den Partner war umso größer, je mehr Hunger die Person verspürte, so die Erklärung der Forscher aus Columbus.

Teil zwei des Experiments verstärkte diesen Eindruck: Dabei sollten die Probanden im Labor in einem Spiel gegen ihren Partner antreten und eine schnellere Reaktionszeit am PC vorweisen als der Lebensgefährte. Wer die verschiedenen Runden für sich entschied, durfte seinen Partner bestrafen und bestimmen, wie lange und laut dem Verlierer unangenehme Geräusche auf einem Kopfhörer vorgespielt werden. Das zumindest gaben die Wissenschaftler vor. Tatsächlich spielten die Probanden gegen einen Computer, der sie in knapp der Hälfte aller Fälle gewinnen ließ. Und auch bei diesem Test wurde deutlich: Je niedriger der Blutzuckerspiegel, desto eher waren die Probanden geneigt, ihre Partner mit lauten und anhaltenden Straftönen zu malträtieren.

Wie glücklich die Beziehungen eingeschätzt wurden, spielte für das Verhalten der Studienteilnehmer keine Rolle, betonen die Forscher. Sie erklären das Phänomen vielmehr mit einer verminderten Selbstkontrolle durch den sinkenden Blutzuckerspiegel. Glucose sei ein wichtiger Energielieferant für das Gehirn. Sinkt die Versorgung, reagieren wir oftmals gereizt.

Für die Praxis bedeutet dies: Planen Sie ein ernsthaftes Gespräch mit Ihrer Liebsten oder Ihrem Liebsten, sollten Sie auf jeden Fall gesättigt sein. Ein knurrender Magen ist kein guter Berater. Und wenn schon Streit – dann doch lieber nach einer leckeren Mahlzeit!

Die Studie erschien in den Proceedings oft he National Academy of Science of the United States of Amerika (PNAS).

Janina Darm

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