Krustenfreies Brot – gaga oder genial? | EAT SMARTER
9
0
Drucken
0
Neues aus der Forschung Blog
Krustenfreies Brot – gaga oder genial?Durchschnittliche Bewertung: 4.6159
04. März 2014

Krustenfreies Brot – gaga oder genial?

Wird es bald krustenfreies Brot geben? © A_Lein - Fotolia.com Wird es bald krustenfreies Brot geben? © A_Lein - Fotolia.com

Ich gestehe: Als Kind war ich ein riesiger Fan von krustenfreiem Brot. Diese Rinde war einfach nichts für mich. Darum war ich froh, dass zumindest Oma Ursel und Oma Lene so lieb waren und die lästige Kruste vom Brot abgeschnitten haben, sofern ich bei Ihnen zu Besuch war und wir gemeinsam gefrühstückt oder Abendbrot gegessen haben.

Heute jedoch kann ich von Brotkrusten gar nicht genug bekommen und bin ein riesiger Fan. Wenn das frische Ciabatta oder das knusprige Vollkornbrot vom Bäcker beim Hineinbeißen so herrlich knackt – himmlisch! Für viele Senioren hingegen sind harte Krusten ein Graus. Und deshalb haben sich Forscher der Hochschule Fulda des „Problems“ angenommen und ein Brot entwickelt, das nicht nur krustenfrei ist, sondern darüber hinaus auch gehaltvoll an Ballast- und Mineralstoffen wie Magnesium und Calcium. Es gebe kein vergleichbares Produkt auf dem Markt, rühmen sich die Wissenschaftler – und vergessen dabei offenbar die zahlreichen Enten, die in ihren Tümpeln umherschwimmen und schon bald vergeblich auf übriggebliebene Rindenstücke aus Seniorenheimen warten.

Tierfreundlich ist die kulinarische Neuheit also ganz und gar nicht. Und ob sie den älteren Herrschaften Freude bereiten wird, bleibt abzuwarten. Gegenüber einem herkömmlichen Graubrot mit krosser Kruste soll das neue Backwerk aus Fulda optisch eher blass erscheinen. Auch geschmacklich, monieren Experten, sei sicherlich noch „Luft nach oben“. Der Grund: Nach Angaben der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks stammen rund 80 Prozent der Aromastoffe eines Brotes aus dessen Kruste.

Die Erfinder des neuen Backwerks stört das wenig. 2015 soll das krustenfreie Seniorenbrot auf dem regionalen Markt angeboten werden. Top oder Flop? Diese Frage muss wahrscheinlich jeder für sich selbst beantworten. Hätte man die Erfindung vor rund 25 Jahren gemacht, wäre ich höchstwahrscheinlich eine große Anhängerin geworden. Doch so wird das leicht zu kauende Graubrot erst einmal ganz sicher nicht in meinem Einkaufswagen landen.

Stellt sich die Frage, ob die Forscher aus Fulda nicht ein paar kulinarische Sondermodelle kreieren können, die auch jüngere Konsumentengruppen ansprechen. Wie wäre es zum Beispiel mit mildem Chili? Meine Kollegin Katharina wäre eine dankbare Kundin, denn sie hasst alles, was scharf ist, und muss damit leben, dass ihr Freund ständig Mahlzeiten zubereitet, in denen Pfeffer, Chili & Co. die Hauptrolle spielen. Ich persönlich würde es darüber hinaus begrüßen, wenn Tomaten endlich dieser glibberigen Samenmasse beraubt würden. Als Kind fand ich die „Stückchen“ furchtbar ekelig, inzwischen betrachte ich sie als notwendiges Übel, das beim Verzehr des roten Gemüses leider nicht wegzudenken ist. Aber wäre eine samenfreie Tomate nicht ein spannendes Forschungsobjekt? Und was ist mit Kartoffeln, die man nicht mehr schälen muss? In Großküchen würde man mit dieser Erfindung jede Menge Auszubildende glücklich machen – mich übrigens auch. Seien wir also gespannt, was die Zukunft an kulinarischen Erfindungen bereithält. Liebe Forscher aus Fulda, wir zählen auf Euch!

Janina Darm

Hier geht es zur Blog-Seite „Neues aus der Forschung“

Ähnliche Artikel
Diätpillen
Jedes Jahr das gleiche Spiel... Als ich vergangene Woche (wie jeden Montag) zum Cardiofit-Training aufbrach, um die Ecke Richtung Fitnessstudio bog und den Eingangsbereich des Centers erblickte, wusste ich: Diese Workout-Stunde würde purer Horror werden! Und das nicht etwa, weil die Einheit zu fordernd und der Trainer zu streng sein würde. Nein – es war vielmehr der Andrang an frisch gebackenen Fitnessjüngern, der mir Schweißperlen auf die Stirn trieb.
Dehnen
„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ – oder endet wegen Übergewichts. Wie man das verhindert, erklärt EATSMARTER in 5 einfachen Schritten.
Fertiggericht
04.04.2016
So ungesund ist das Essen auf Rädern
Schreiben Sie einen Kommentar