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Neues aus der Forschung Blog
Kluge Köpfe sind häufig kurzsichtigDurchschnittliche Bewertung: 4.31516
15. Juli 2014

Kluge Köpfe sind häufig kurzsichtig

Sind Sie kurzsichtig? Dann sind Sie möglicherweise sehr gebildet. © Edler von Rabenstein - Fotolia.com Sind Sie kurzsichtig? Dann sind Sie möglicherweise sehr gebildet. © Edler von Rabenstein - Fotolia.com

Na also: Da ist er – der Beweis dafür, dass ich wahrhaft gebildet bin. Forscher der Universität Mainz haben herausgefunden, dass Menschen, die viel in ihr Wissen investieren, häufig kurzsichtig sind. Sie verglichen Bildung und Sehqualität von 4658 Personen im Alter von 35 bis 74 Jahren. Dabei wurde deutlich: Je länger jemand die Schule besucht hatte und je besser sein Abschluss war, desto höher war für die betreffende Person auch die Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu sein.

Die harten Fakten besagen: Nur 24 Prozent der Kurzsichtigen hatten keine Ausbildung oder höhere Schulbildung, während von den Probanden mit Abitur oder Berufsabschluss bereits 35 Prozent kurzsichtig waren. Wer darüber hinaus einen Universitätsabschluss vorweisen konnte, war zu 53 Prozent kurzsichtig. Der simple Grund: Häufige Lektüre und Computerarbeit forcieren das Längenwachstum des Augapfels über das Normalmaß, was dazu führt, dass weit entfernte Gegenstände nicht mehr an der richtigen Stelle der Netzhaut abgebildet werden und man sie dementsprechend unscharf sieht.

Kein Wunder also, dass meine Fehlsichtigkeit inzwischen beängstigende Ausmaße angenommen hat. Mit 16 bekam ich meine erste Brille, und bis heute – wohl auch infolge des lektüreintensiven Geschichts- und Politikstudiums und meiner Arbeit als Redakteurin – hat sich meine Sehfähigkeit kontinuierlich verschlechtert. Minus 4 auf dem einen und minus 5 Dioptrien auf dem anderen Auge führen dazu, dass ich beispielsweise beim Blick in den Spiegel ohne Sehhilfe bestenfalls vage Umrisse erkenne und morgens hin und wieder wie ein Maulwurf durch die Wohnung tapse. Besonders schlimm ist es, wenn ich meine Kontaktlinsen – an dieser Stelle ein Hoch auf den Erfinder – am Abend bereits herausgenommen und meine Brille aus Versehen verlegt habe. In dieser misslichen Lage wünscht man sich nichts sehnlicher als einen Peilsender am Sehgestell, damit man bei der Suche wenigstens dem Gehör folgen kann, wenn die Äuglein schon versagen...

Angesichts der Studie kann ich mit dem Makel allerdings ganz gut leben – ist er doch ein Beweis dafür, dass ich die Lektüre historischer Schinken und politischer Essays und Analysen intensiv betrieben und in gewisser Weise perfektioniert habe.

Und mit dem Lesen aufhören werde ich – trotz schwächelnder Sehkraft – auch in Zukunft ganz sicher nicht. Denn wie heißt das lateinische, leicht an unsere Lebensumstände angepasste Sprichwort des römischen Schriftstellers und Philosophen Seneca (4 vor Christus bis 65 n. Chr.) so schön: „Non scholae, sed vitae discimus“ – „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“!

Einen Auszug aus der Studie gibt es hier.

Janina Darm

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