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04. Februar 2014

Was wir mit Schweinen und Anchovis gemeinsam haben

In der Nahrungskette gleichwertig: Schweine, Anchovis und der Mensch. © MasterLu - Fotolia.com In der Nahrungskette gleichwertig: Schweine, Anchovis und der Mensch. © MasterLu - Fotolia.com

Das Wetter ist ja ein allerseits beliebtes Smalltalk-Thema. Wenn Sie das nächste Mal aber wirklich Eindruck bei Ihrem Gesprächspartner hinterlassen wollen, dann berichten Sie ihm doch davon, dass der Mensch in der Nahrungskette auf einer Stufe mit Schweinen und Anchovis steht. Ja, Sie lesen richtig!

Französische Forscher ermittelten erstmals das sogenannte trophische Niveau des Menschen. Dieses bestimmt, welchen Platz ein Lebewesen in der Nahrungskette einnimmt. Dabei werden verschiedene „Zwischenstationen“ unterschieden. Pflanzen beispielsweise liegen auf der ersten Ebene, Pflanzenfresser auf der zweiten und Fleischfresser auf weiteren, darüber angesiedelten Ebenen. Zur Berechnung des trophischen Niveaus des Menschen werteten die Wissenschaftler dreier verschiedener Institute Statistiken der Welternährungsorganisation (FAO) im Zeitraum zwischen 1961 und 2009 aus. Das Ergebnis: Der Mensch besitzt ein durchschnittliches Trophieniveau von 2,2. Klingt erst einmal nicht weiter schlimm. Überraschend ist jedoch: Diesen Wertebereich erreichen auch Schweine und Sardellen.

Nun fragt man sich natürlich, wie das sein kann? Glaubte man doch lange Zeit, der Mensch als mehr oder weniger zivilisiertes, denkendes Wesen stehe an der Spitze der Nahrungskette und bestimme die Geschicke der Welt. Führend in der Nahrungskette sind allerdings andere: an vorderster Front – der Eisbär mit einem in der Tat beachtlichen Trophiewert von 5,5!

Angesichts dessen ist es wohl an der Zeit, ein wenig Demut zu üben und Schweine und Anchovis als das anzuerkennen, was sie sind: Partner auf Augenhöhe! Zugegeben, im ersten Moment mag dies seltsam klingen, aber wenn man etwas länger darüber nachdenkt, sind Sardellen ja nun auch nicht gerade die schlechteste Wahl: „Familienmenschen“, die in Schwärmen leben, sich gerne in wärmeren Gewässern tummeln und für ihren guten, würzigen Geschmack bekannt sind. Schwieriger wird es mit dem Lobgesang auf Schweine, landen diese doch viel zu häufig überzüchtet und vollgepumpt mit Medikamenten auf unseren Tellern. Doch es hätte noch schlimmer kommen können: Man stelle sich nur vor, man stehe auf derselben Ebene wie der Nacktmull oder der Blobfisch – Tierarten, die so unattraktiv sind, dass Schweine und Sardellen – ja selbst Einzeller – jeden Schönheitswettbewerb gegen sie gewinnen würden.

Doch genug davon. Befassen wir uns lieber mit der Frage, ob und inwiefern sich das Trophie-Ranking in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wohl verändern wird... Soviel sei verraten: Die beste Chance auf einen Aufstieg in der Nahrungskette haben aus menschlicher Sicht die Isländer. Mit einem trophischen Wert von 2,54 stehen sie im Ranking deutlich höher als etwa die Menschen in Burundi, einem dicht bevölkerten Staat in Ostafrika (Trophie-Wert 2,04). Der Grund: Während die Nahrung der Bürger in Burundi zu rund 97 Prozent aus pflanzlichen Produkten besteht, sind es bei den Isländern nicht einmal 50 Prozent. Dass die Nordlichter auf dem besten Weg sind, zur Ebene der Raubtiere überzusiedeln, wäre jedoch übertrieben. Dazu bedarf es dann doch ein paar Steaks und Keulen mehr auf dem Teller, damit die Nahrungskettenspitze auch nur ansatzweise in Sichtweite rückt. Bleiben wir also realistisch, erfreuen wir uns gemeinsam mit Schweinen und Anchovis an einem guten Platz im Mittelfeld, und hoffen wir auf weitere spannende Rankings, die beim Smalltalk überzeugen. Das trohpische Niveau wird Ihrem Gesprächspartner jedenfalls nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Versprochen!

Die Studie erschien in der US-Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» (Pnas).

Janina Darm

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