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Fett statt fit: Geschicktes Marketing kann Übergewicht fördernDurchschnittliche Bewertung: 4.8154
13. Juli 2015

Fett statt fit: Geschicktes Marketing kann Übergewicht fördern

© Fotolia / AntonioDiaz © Fotolia / AntonioDiaz

Fitness-Lebensmittel liegen voll im Trend, suggerieren Gesundheit und Leichtigkeit. Aber Vorsicht: Wer abnehmen möchte, sollte lieber die Finger von den "fitten" Produkten lassen. Denn sie verleiten dazu, mehr zu essen und sich gleichzeitig weniger zu bewegen.

Es ist eine beliebte Marketingmaßnahme: Müsliriegel, Milchprodukte, Getränke und viele andere Lebensmittel werden mit dem Zusatz „Fit“ oder „Fitness“ auf der Verpackung beworben. Die Zielgruppe ernährungsbewusster Menschen wird immer größer – da wundert es nicht, dass die Werbeexperten genau in diese Kerbe schlagen.
Soweit ist das ja auch nicht schlimm, die Lebensmittel auch nicht zwingend ungesund. Aber: Die Etiketten verleiten dazu, mehr zu essen und sich weniger zu bewegen. Das fanden jetzt Wissenschaftler der TU München und der Pennsylvania State University im Rahmen einer Studie heraus.

„Wir haben uns gefragt, ob und wie sich diese Labels auf das Essverhalten der Verbraucher auswirken“, sagt Prof. Jörg Königstorfer, TUM-Professor für Sport- und Gesundheitsmanagement, der die Studie zusammen mit Prof. Hans Baumgartner von der Pennsylvania State University durchgeführt hat. Die Fitness-Kennzeichnung zeigt Effekte, berichten die Wissenschaftler. Und zwar am meisten bei Menschen, die gern abnehmen möchten.

Für Ihre Untersuchung gaben die Experten vor, einen Geschmackstest für ein neues Studentenfutter durchzuführen. Acht Minuten hatte jeder Teilnehmer Zeit, um das Studentenfutter zu verkosten und dann zu bewerten. Dabei sollten man sich vorstellen, man würde Zuhause einen Nachmittagssnack genießen. Gruppe eins erhielt ein „Fitness-Studentenfutter“, auf dessen Packung zudem noch ein paar Turnschuhe abgebildet war. Gruppe zwei erhielt eine neutrale Packung ohne Turnschuhe und Fitness-Kennzeichnung. Das Ergebnis: Gruppe eins griff häufiger zu, vor allem die Teilnehmer, die angegeben haben, dass sie gern abnehmen würden, nahmen im Schnitt 50–100 Kilokalorien mehr zu sich, als die Testpersonen, die das Studentenfutter aus der neutralen Packung probierten.

Danach baten die Wissenschaftler die Probanden aufs Ergometer. „Wir erklärten ihnen, die Wechselwirkung von Nahrungsaufnahme und körperlicher Bewegung untersuchen zu wollen“, sagt Königstorfer. „Dabei konnten die Probanden selbst entscheiden, wie lange und intensiv sie Rad fahren wollten.“ Man stellte fest: Die „Fitness“-Gruppe war auf dem Ergometer weniger aktiv. „Offenbar sehen diese Teilnehmer in der ‚fitten’ Nahrung einen Ersatz für körperliche Bewegung“, beschreibt es Königstorfer. Nach dem Motto: Ich ernähre mich so leicht, da muss ich nicht so viel Sport machen.

Für die Wissenschaftler ein klarer Hinweis, dass das „Fitness“-Label auf Verpackungen ein Risiko für übergewichtige Personen darstellt. „Für Menschen, die gerne und vielleicht auch zu viel essen, kommt das Wort ‚fit’ einem Freibrief gleich: mehr zu essen - und sich weniger zu bewegen, um den Energieüberschuss zu kompensieren,“ fasst es Königstorfer zusammen.

Nicole Benke

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