Stress macht dick | EAT SMARTER
8
4
Drucken
4
Der Schlankmacher Blog
Interview: Warum Dauerstress uns dick machtDurchschnittliche Bewertung: 5158
25. Januar 2016

Hans-Peter Hepe

Interview: Warum Dauerstress uns dick macht

© fotolia / kite_rin © fotolia / kite_rin

Viele von uns haben schon diverse Diäten hinter sich und werden überflüssige Kilos trotzdem nicht los. Warum Abnehmen im Kopf beginnt und was Dauerstress mit der Traumfigur zu tun hat, verrät Heilpraktiker und Abnehmexperte Hans-Peter Hepe im Interview.

In ein paar Monaten beginnt die Urlaubszeit und so einige gehen jetzt voller Elan das „Projekt Bikinifigur“ an. Doch viele werden scheitern. Woran liegt das?

Es ist immer das gleiche Problem: Man startet hoch motiviert und mit eisernem Willen – aber eben auch mit einem gewissen Unbehagen und fragt sich: „Werde ich es wirklich schaffen?“ Viele haben schon einige Abnehmversuche hinter sich und kennen die Quälerei, die Diäten mit sich bringen können. Trotzdem will man keine Schwäche zeigen. Spaß macht das nicht. Bei der ganzen Sache gibt es also einen klaren Verlierer: die gute Laune. Und es ist nun einmal so, dass wir Dinge nur dann schaffen können, wenn wir positiv gestimmt sind.

Alles auf einmal zu wollen ist also eine schlechte Idee?

Ja, ganz klar. Von 0 auf 100, das klappt selten. Und das ist doch auch nur menschlich. Man gerät sehr schnell in einen Teufelskreis: Der Diätdruck, den wir uns selbst auferlegen, macht uns schlechte Laune und die führt dazu, dass wir uns etwas gönnen möchten. Zum Beispiel ein Stück Schokolade, denn Süßes und Fettiges machen nachweislich kurz glücklich. Dann kommt aber das schlechte Gewissen und wir versuchen erneut verkrampft, Diät zu halten. Mit Kampf und Krampf erreicht man langfristig aber gar nichts.

... und bricht die Diät ab.

Oft, ja. Nach dem Motto: Jetzt ist es irgendwie auch egal, ich schaffe das eh nicht. Vor allem, wer nicht nur drei Kilo abnehmen möchte, sondern wirklich unter Übergewicht leidet, flüchtet sich dann in Gedanken wie „Es gibt doch viel Wichtigeres im Leben, als eine gute Figur.“ Und verkauft sich das eigene Scheitern noch als Gewinn. Betroffene sagen sich gern: „Ich konzentriere mich halt auf die wichtigen Dinge im Leben und bin nicht so oberflächlich wie andere! Ist das nicht toll?“. Sie belügen sich selbst. Ich bin dick aber glücklich“ – das behaupten ganz viele Übergewichtige. Bei den meisten stimmt das aber nicht. Das zeigt zumindest die Erfahrung, die ich mit meinem Patienten mache.

Und was würden Sie diesen Menschen raten? Wie können sie es besser machen?

Man sollte sich zuerst die Frage stellen: Wie möchte ich gern aussehen, wie möchte ich sein, wie möchte ich mich fühlen? Man muss versuchen, eine Identität zu spüren, die man gern erreichen möchte. Ein positives Selbstbild aufzubauen ist für den späteren Erfolg enorm wichtig. Dabei hilft es, schöne Bilder, zum Beispiel aus Magazinen, zu suchen und sie wie ein Moodboard der Zukunft immer in Sichtweite zu haben. Die Bilder sollten einem ein positives Gefühl vermitteln. Es sollte nicht nur um Optik, sondern auch um Emotionen gehen. Beim Anblick muss man voller Vorfreude denken „So sehe ich mich später!“

Ein altbekannter Trick.

Ja, und er wirkt. Bilder motivieren und führen einem immer wieder die persönlichen Ziele vor Augen. Und dann tut man einfach mehr, um die auch zu erreichen.

„Iss einfach weniger und bewege dich mehr.“ Warum hilft dieser Abnehmtipp nicht jedem weiter?

Weil es ein Standardratschlag ist, der unsere Emotionen und vor allem unsere Individualität sträflich vernachlässigt. Sicherlich ist da grundsätzlich was dran. Und wer nur ein paar Kilo verlieren will, fährt damit unter Umständen gut. Aber ganz viele kennen auch die andere Seite: Man quält sich regelmäßig beim Sport, achtet auf seine Ernährung und wird die überflüssigen Kilos trotzdem nicht los. Das Thema Abnehmen ist sehr komplex, da geht es nicht nur ums Kalorienzählen oder darum, welche Lebensmittel besonders schlank machen können. Man muss den Menschen im Ganzen sehen. Und vor allem auch schauen, wie die Persönlichkeit gestrickt ist.

Das müssen Sie uns genauer erklären.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Eine Frau will stets allen gefallen. Sie hat ein Helfersyndrom und kann schlecht nein sagen, sie hilft jedem, wo sie nur kann. Die Projekte türmen sich. Deshalb hat sie irgendwann ein klares Ziel, das sicherlich jeder nachvollziehen kann: Sie will mehr Zeit für sich haben und lernen, auch mal nein zu sagen. Das Problem dabei ist nur: Diese Ziele stehen in einem totalen Widerspruch zu ihrem eigentlichen Bedürfnis, geliebt und anerkannt zu werden. Diese Diskrepanz zwischen unbewussten Bedürfnissen und bewussten Zielen ist ein großer Störfaktor auch beim Abnehmen.

Ist Übergewicht also auch ein psychisches Problem?

Ja, ganz oft. Natürlich kann es auch rein organisch bedingt sein, aber bei vielen Übergewichtigen spielt die Psyche eine entscheidende Rolle. Und das Erleben solch einer Diskrepanz zwischen Bedürfnis und Ziel kann auch körperliche Folgen haben kann.

Inwiefern?

Es stresst uns. Und Stress kann dick machen.

Warum eigentlich?

Druck, Mühe, Sorgen und Kummer lösen in uns Stress mit körperlicher Anspannung aus. Das ist eine ganz normale körperliche Reaktion. Reine Biologie! Eigentlich dafür gedacht, um Gefahren abzuwehren. Geraten wir in akute Gefahr, spannen wir uns an und werden quasi kampfbereit. Das setzt den Energiestoffwechsel in Gang: Der Blutzuckerspiegel schießt in die Höhe, Moleküle werden zu Zuckern umgebaut, denn wir brauchen jetzt dringend schnell verfügbare Energie. Ist die Gefahr vorbei, entspannen wir uns direkt wieder.

Und wieso macht das dick?

Was uns dick macht ist permanenter Stress. Zum Beispiel im Job, weil der cholerische Chef einen ständig unter Druck setzt. Zum Teil über Jahre sind wir quasi dauernd kampfbereit, agieren das aber nicht körperlich aus. Da wir uns nie richtig entspannen, weiß der Körper nicht wohin mit der bereitgestellten Extraportion Energie. Sie wird nicht verbraucht, sondern in Cholesterin und Fettsäuren umgebaut. Und das kann zu einer Gewichtszunahme führen.

Was kann man dagegen tun?

Wenn man sich mit Dauerstress nur arrangiert, ist man wie gelähmt. Das bringt nichts. Man muss die Stressursachen finden und beseitigen. Dafür gibt es verschiedene Übungen, auch das Erlernen einer Entspannungstechnik macht Sinn, in schweren Fällen hilft auch eine Therapie.

Also lauten die Regeln: Spaß haben, nicht verkrampfen, ein positives Selbstbild auf- und Stress abbauen. Noch was?

Ich würde meinen Freundeskreis überprüfen.

Wieso das denn?

Gerade wer wirklich viel abnehmen möchte, sollte sich vorher überlegen, wer einem gut tut, und wer eben nicht. Energiefresser regen einen nur auf. Und das verursacht wieder Stress. Und zu guter Letzt, auch wenn es abgedroschen klingt: Sehen Sie Misserfolge immer auch als Chance. Nächstes Mal machen Sie es besser, ganz bestimmt!

Hans-Peter-Hepe "Schlank aus eigener Kraft"Hans-Peter Hepe
Hans-Peter Hepe ist Heilpraktiker der Psychotherapie und Präventologe. Seit mehr als 15 Jahren bietet er systemische Gesundheits-, Persönlichkeits- und Organisationsberatung an. Hepe hat zudem das ganzheitliche Ernährungs- und Abnehmkonzept „Regus Lipo“ entwickelt und ist Autor mehrerer Fachbücher. Zuletzt erschien „Schlank aus eigener Kraft – der effektive Weg zum Wohlbefinden“ (Rowohlt, 9,99 Euro). Mehr Infos auf www.simplepower.de.

Interview: Nicole Benke

Ähnliche Artikel
Du meine Güte, wie die Zeit vergeht! Gerade war doch noch Weihnachten – und jetzt beginnt bald schon wieder die Spargelzeit. Endlich! Denn die feinen Stangen sind deutlich besser für die Figur und Gesundheit als Stollen und Schokoweihnachtsmänner... Ich verrate Ihnen, warum. Plus: der ultimative Spargel-Frischetest, eine leichte Hollandaise und die besten Rezepten mit dem königlichen Gemüse.
Macht Stress dick?
Stress ist ungesund, doch kann Stress auch dick machen? EAT SMARTER klärt auf.
Schlafmangel macht dick
Zu wenig oder unregelmäßiger Schlaf ist der Feind eines jeden Abnehmversuches. Das bestätigt jetzt erneut eine Übersichtsstudie. Ich verrate Ihnen, warum Schlafmangel dick macht – und wie Sie nachts besser zur Ruhe kommen.
Schreiben Sie einen Kommentar
 
Ich kämpfe seit über 30 Jahren gegen mein Übergewicht mit H. Hepes Hilfe habe ich es geschafft. Nach einigen Gesprächen hat es bei mir im Kopf KLICK gemacht und habe verstanden was zu tun ist.Das Ergebniss ist nach 5 Monaten 27 kg weniger.Den letzten kleinen Rest den ich mir noch vorgenommen habe (5kg) kann ich jetzt an einer Hand abzählen.
 
Ich hatte einen langen hart Kampf mit Übergewicht ohne Ergebnisse. Bis ich im November 2013 mit Herrn Hans-Peter Hepe Regus lipo ausprobiert habe. Ich war wirklich skeptisch, den viel Propheten, Prophezeien viel ! doch 23kg in 13 Wochen lügen nicht und ich halte ohne Probleme bis Heute mein Gewicht. Herr Hepe und sein Konzept haben mich Überzeugt. Ich kann es nur jedem der Ernsthaft Abnehmen will nur empfehlen .
 
Ich hatte einen langen hart Kampf mit Übergewicht ohne Ergebnisse. Bis ich im November 2013 mit Herrn Hans-Peter Hepe Regus lipo ausprobiert habe. Ich war wirklich skeptisch, den viel Propheten, Prophezeien viel ! doch 23kg in 13 Wochen lügen nicht und ich halte ohne Probleme bis Heute mein Gewicht. Herr Hepe und sein Konzept haben mich Überzeugt. Ich kann es nur jedem der Ernsthaft Abnehmen will nur empfehlen .
 
Ich habe sehr viele positive Erfahrungen mit Herrn Hepe und seinem Abnehmkonzept gemacht. Wer langfristig abnehmen will, ist hier richtig aufgehoben :)