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Heidi Klums Modelshow kann Essstörungen auslösenDurchschnittliche Bewertung: 3.71516
06. Mai 2015

Heidi Klums Modelshow kann Essstörungen auslösen

Jeden Donnerstag läuft derzeit wieder „Germany’s Next Topmodel“ im TV. Viele junge Mädchen schauen die Sendung mit Heidi Klum und immer wieder gibt es Kritiker, die behaupten, die Sendung habe negative Auswirkungen auf das Essverhalten junger Frauen. Dies scheint nun auch wissenschaftlich belegt.

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A photo posted by Heidi Klum (@heidiklum) on

Im Zeitraum von November 2014 bis Februar 2015 wurden 241 Personen vom Internationalen Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) befragt. Dabei handelt es sich um die größte Studie zum Einfluss von Fernsehsendungen auf Essstörungen.

Die Mehrheit der Befragten war weiblich (96 Prozent), 85 Prozent litten an Magersucht und die Hälfte war zwischen 16 und 21 Jahre alt. Zwar wurde in der Studie nicht nur die Show von Heidi Klum, sondern auch Sendungen wie „Das perfekte Dinner“, „Extrem Schön!“ und „Extrem schwer!“ und „The biggest Loser“ berücksichtigt, doch die Modelshow hat besonders großen Einfluss auf die Psyche junger Mädchen.

Dass „Germany’s Next Topmodel“ sehr starken Einfluss auf ihre Krankheit habe, gaben fast zwei Drittel der Befragten in den anonymen Fragebögen an.  Außerdem bejahten 85 Prozent, dass die Sendung Essstörungen wie Magersucht und Bulimie verstärken kann. Damit werden die Vermutungen der Vergangenheit zu Tatsachen. Als besonders problematisch wurden Ausschnitte und Szenen bewertet, in denen Körperteile von den Teilnehmerinnen als zu dick empfunden wurden. „Ein vermeintlich perfektes Äußeres wird als das Allerwichtigste dargestellt; nur wer dünn ist, kommt eine Runde weiter und gehört dazu“, so eine 19-Jährige Studienteilnehmerin, die an Magersucht leidet.  Die Kandidatinnen dürfen maximal Kleidergröße 36 tragen und müssen mindestens 1,72 m groß sein. „Jeder, der nicht mindestens so aussieht, ist hässlich, unzulänglich und dick. Dadurch entstehen starke Minderwertigkeitskomplexe“, sagt eine 18-jährige Magersüchtige. Junge Mädchen vergleichen sich mit den Teilnehmerinnen – der mögliche Auslöser für eine Essstörung. „Da die Frauen alle extrem schlank waren, vergleiche ich mich mit ihnen öfters. So hat auch meine Krankheit angefangen“, gibt eine 14-Jährige, die an Magersucht leidet, im Rahmen der Studie preis.

Die Autoren der Untersuchung schreiben „Das zentrale Erzählmuster der Sendung: Es ist nur eine Frage der Disziplin, vor allem der emotionalen, aber auch der Essdisziplin. Die jungen Frauen vor dem Fernseher beobachten nun ganz genau, »wenn die Models Essen zubereiten« (17-Jährige, Magersucht), wie viel und was die Kandidatinnen essen. Wird eine Kandidatin für ihr Naschen oder dafür, dass sie Pommes gegessen hat, ermahnt und beim nächsten Shooting als Versagerin inszeniert, wirkt dies auch nachhaltig disziplinierend auf die jungen Frauen vor dem Fernseher.“ Außerdem vermittelt die Show den jungen Mädchen eine „krankhafte Logik“ , „denn in GNTM sind Erfolg und Anerkennung mit bedingungsloser Anpassung verbunden. Jede Anforderung, jedes Casting, jede Challenge, jedes »Sich-von-Fremden-körperlich-gestalten-Lassen« ist voller Begeisterung anzunehmen und es muss alles »für den Kunden« bzw. Heidi Klum gegeben werden. Wahrnehmungen von eigenen Empfindungen wie Müdigkeit und Kälte oder Gefühle wie Scham, Ekel, Wut oder Angst müssen unterdrückt und vom Handeln entkoppelt werden. Anerkennung gibt es nur für die Verdrängung. Das System zu stören oder sich hier gar kritisch zu äußern, führt, wenn es nicht zufällig der Attraktivität der Sendung dient, zum vorprogrammierten Ausschluss.“

Die Befragten und Erkrankten forderten vor allem eins: „Hört auf zu propagieren, dass es normal sei, wie Models auszusehen, und jeder mit mehr Gewicht nicht den gesellschaftlichen Normen entspricht, denn es sollte andersherum sein“, so eine 18-Jährige, die an Magersucht leidet.

ProSieben wies die Kritik an „Germany’s next Topmodel“ zurück. Die Sendung sei ein Appell an gesunde Ernährung und Fitness, hieß es.

Die Ausführungen der Studien-Autoren könnt Ihr hier noch einmal nachlesen.

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