"Don´t go Veggie": Buchkritik | EAT SMARTER
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"Don't go Veggie": Kampfschrift in 75 AktenDurchschnittliche Bewertung: 3.91510
10. September 2015

Buchkritik

"Don't go Veggie": Kampfschrift in 75 Akten

Ein neues Buch macht zurzeit Furore, liebe EAT SMARTER-Leser: "Don´t go Veggie!", eine "gepfefferte Kampfschrift gegen den vegetarischen Mainstream". Ich habe mich mit den Thesen des 222 Seiten starken Buches dreier streitbarer Autoren auseinandergesetzt und möchte Ihnen hiermit einen offenen Brief schreiben.

Lieber Udo Pollmer, lieber Georg Keckl, lieber Klaus Alfs,

was ist passiert? Was hat Sie so geärgert, dass Sie eine Kampfschrift wie „Don´t go Veggie“ verfasst haben?

Ist es der Frust, als Sie donnerstags in die Kantine kamen und – dem Veggie-Day sei Dank – keine Currywurst, sondern nur ein Tofu-Schnitzel in der Auslage fanden?

Hat Ihnen eine Vegetarierin, Veganerin oder gar Frutarierin das Herz gebrochen, dass Sie Ihren Frust über den „vegetarischen Wahn“ hinausschreien?

Ich hätte Ihr Buch wirklich gerne zu Ende gelesen, denn eine kritische Auseinandersetzung mit Essgewohnheiten finde ich immer gut. Aber wie heißt es so schön: „Der Ton macht die Musik“. Der Ton Ihres Buches ist derart anklagend, dass man auch als Nicht-Vegetarier/-Veganer/-Frutarier geneigt ist, Partei für diese Menschen zu ergreifen.

Kampfschrift gegen eigentlich alles

Was mich so stört? Beginnen wir beim Klappentext. „Don´t go Veggie“ sei eine „gepfefferte Kampfschrift gegen den vegetarischen Mainstream“. Kampfschriften verletzen per se schon einmal mein sensibles Ich. Weiter geht es: „Denkt man den Veganismus konsequent zu Ende, bedeutete seine Universalisierung das Ende unserer bisherigen Zivilisation.“ Da habe ich schon ein bisschen Angst bekommen.

Werfen wir einen Blick ins Innere des Buches: In 75 kurzen Kapiteln beschäftigen Sie sich – ja, womit eigentlich? So wie ich Sie verstehe, sollen vegetarische und vegane Mythen enttarnt werden. Eine Struktur oder gar einen logischen Aufbau konnte ich nicht erkennen.

Interessant finde ich, dass die Diskussion um die Ansiedlung des Wolfes in Ihrem Buch ein eigenes Kapitel bekommt. Wölfe sind zwar keine Vegetarier, aber anscheinend haben Sie dennoch etwas gegen diese Tiere. Am Ende des Kapitels stellen Sie dann noch eine Verschwörungstheorie auf: „Wie (...) gelangen Wölfe aus den Abruzzen nach Rheinland-Pfalz oder aus dem Nordosten Polens bis ins Emsland? Warum besiedeln die Abruzzenwölfe nicht erst einmal den Alpenraum? Es liegt die Vermutung nahe, dass sich selbst ernannte Tierfreunde als illegale ‚Schlepper’ für Wölfe und Luchse betätigen.“

Dass Sie die Ernährungsform von rund zehn Millionen Deutschen als „geliebte Marotte“ bezeichnen, will ich mal durchgehen lassen. Was ich Ihnen aber übel nehme, liebe Autoren, ist, dass Sie einer Versuchung nicht widerstehen konnten: Als Beleg dafür, dass vegetarisch leben nicht bedeutet, bessere Wertevorstellung zu haben, führen Sie die bekennenden Vegetarier Adolf Hitler, Rudolf Heß und Herrmann Göring an.

Gegen die Kampfschriften dieser historischen Unpersonen nimmt sich Ihr Buch vergleichsweise harmlos aus – doch etwas mehr Fantasie und Raffinesse hätte ich Ihnen schon zugetraut. Ich hätte sie Ihnen sogar gewünscht, damit Ihre Argumente von mehr Menschen wahrgenommen werden. Ich kann es nur wiederholen: Manchmal ist es der Ton, der die Musik macht.

Ihre 
Lina Nagel 

Udo Pollmer, Georg Keckl, Klaus Alfs: Don´t go Veggie! 75 Fakten zum vegetarischen Wahn. S. Hirzel Verlag, 222 Seiten, 19,80 Euro

Buchcover von Dont go veggie

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Ich selbst habe das Buch nicht gelesen, und es interessiert mich auch nicht. Aber durch diesen Blog wird mir mal wieder vor Augen geführt, dass Charaktere mit dieser Einstellung nicht kritikfähig sind. Möchten sie ihre Mitmenschen von ihrer Lebensart überzeugen sollten sie auch Fleischfresser akzeptieren.
 
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