Weniger ist mehr – besonders beim Fleischkonsum | EAT SMARTER
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Veggie-Blog
Weniger ist mehr – besonders beim FleischkonsumDurchschnittliche Bewertung: 4.1157
30. Januar 2014

Weniger ist mehr – besonders beim Fleischkonsum

Fleischatlas 2014

Die Deutschen lieben Fleisch. Mit mehr als 58 Millionen geschlachteten Schweinen sind wir Europas Nummer Eins im Schweinefleischverzehr. Beim Rindfleisch liegt nur Frankreich vor uns, bei den Hühnern sind wir immerhin noch Fünfter. Doch dieser hohe Fleischkonsum bringt viele Probleme mit sich, wie der gerade erschienene Fleischatlas 2014 berichtet.

Zum Beispiel schränkt er die Artenvielfalt ein. Ursprüngliche Rassen werden „verbessert“, damit die Tiere schneller wachsen, mehr Gewicht zunehmen und folgerichtig auch früher geschlachtet werden können. Doch dieser Rückgang der genetischen Vielfalt (von den 8.000 dokumentierten Rassen der 30 Nutztierarten ist ein Viertel vom Aussterben bedroht!) macht die Tiere auch anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Die Folge: Ohne eiweißreiche Nahrung, teure Medikamente und klimatisierte Ställe können sie nicht überleben.

Wo wir auch schon beim Thema „Antibiotika und andere Hormone“ wären. Erstere sollen Erreger vernichten und dafür sorgen, dass die Tiere gesund bleiben. Warum das gefährlich ist, konnten wir in letzter Zeit immer häufiger in den Medien, EAT SMARTER eingeschlossen, lesen: Geflügelfleisch mit antibiotikaresistenten Bakterien „erobert“ die Supermärkte und Discounter. Und wenn die Bakterien in unseren Körper gelangen, wird es schwierig, sie zu bekämpfen – sind sie doch durch den häufigen Antibiotika-Gebrauch im Maststall resistent gegen die meisten Heilmittel.

Auch die in der Massentierhaltung eingesetzten Hormone sind nicht unproblematisch. Sie steigern einerseits das Fleischwachstum – bei Rindern, Schweinen und Schafen um bis zu 38 Prozent – und bei Kühen die Milchproduktion (um 15-30 Prozent), andererseits haben sie viele Nebenwirkungen: Hyperaktivität, Herzrasen und Spontantode. Diese Wachstumshormone sind in der EU theoretisch verboten. Offiziell erlaubt hingegen sind Sexualhormone. Mit ihrer Hilfe können Tiere schon drei Wochen (anstatt der natürlichen sechs Wochen) nach der Geburt ihres Nachwuchses wieder trächtig werden. Aufgrund der Hormonbehandlung bringen Schweine auch mehr Ferkel zur Welt. Nicht selten sind es 15 pro Sau – bei nur 14 Zitzen. Die Folge: Die Ferkel, die „über“ sind, werden getötet.

Zwar scheint bei uns und in den anderen Industrieländern der Fleischboom wieder etwas abzuflachen, dafür geht er in den sogenannten BRICS-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) erst richtig los. Die Fleischproduktion wird sich bis 2050 von 300 auf 470 Millionen Tonnen erhöhen – Tendenz steigend. Wie der Bedarf gedeckt werden soll? Das weiß keiner. Schon alleine die Futtermittelproduktion muss sich verdoppeln (von 260 auf 515 Millionen Tonnen). Dabei werden schon heute 70 Prozent aller Agrarnutzflächen für die Tierfütterung gebraucht…

Sollen nun alle Menschen Vegetarier werden? Ich halte nicht viel von krampfhaftem Missionieren. Daher habe ich auch für alle, die nicht auf Fleisch verzichten wollen, einen Tipp: Kauft Biofleisch! Dieses ist zwar teurer, aber die Tiere werden besser gehalten. Die Zauberformel ist ganz einfach: mehr Platz + weniger Medikamente = bessere Qualität.

Ein andere Alternative, die im Fleischatlas 2014 vorgestellt wird, ist die solidarische Landwirtschaft (auch für Vegetarier und Veganer eine tolle Idee): Eine Gruppe von Konsumenten garantiert dem Bauern, dass sie sämtliche – zu der Jahreszeit verfügbaren – Erzeugnisse abnimmt, egal ob Gemüse, Fleisch, Milch oder Honig. Außerdem wird im Voraus bezahlt. So ist die Finanzierung der gesamten Produktionskette gesichert. Das Schöne dabei: Alle sind glücklich! Der Landwirt, weil er durch die Unterstützung unabhängig von Marktschwankungen ist und weder seine Tiere, noch seine natürlichen Ressourcen ausbeuten muss. Und der Konsument, weil er die Herkunft seiner Lebensmittel kennt und weiß, wie sie produziert werden.

Katharina Borgerding

Bild: © CC-BY-SA Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, Le Monde Diplomatique

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