Glutenunverträglichkeit – wenn Getreide krank macht | EAT SMARTER
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Diagnose Zöliakie

Was bedeutet Glutenunverträglichkeit?

Glutenunverträglichkeit – ein hartes Brot Glutenunverträglichkeit – ein hartes Brot

Gluten ist ein Eiweiß, das in vielen Lebensmitteln vorkommt. Wer es nicht verträgt, muss im Alltag mit empfindlichen Einschränkungen leben. Die Ursachen für eine Glutenunverträglichkeit sind (noch) unklar.

Der Besuch beim Italiener um die Ecke kann für manche Menschen zur echten Qual werden. Denn was isst man hier, wenn der Genuss von Brot, Nudeln, Tiramisu oder Pizza heftige Schmerzen, Durchfall und Übelkeit auslösen kann? Und das sind nur einige der Symptome der sogenannten Glutenunverträglichkeit (Zöliakie), einer chronischen Erkrankung des Dünndarms. „Der Grund für die Beschwerden ist das Gluten“, sagt die Hamburger Diplom-Oecotrophologin Magdalena Polkowski. Dabei handelt es sich um ein eigentlich harmloses Eiweiß, das in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern oder Dinkel steckt. Doch wer unter Glutenunverträglichkeit leidet, den machen alle Produkte krank, in denen diese Getreidesorten enthalten sind.

Glutenunverträglichkeit: Das passiert im Körper

Gluten wird auch Klebereiweiß genannt, da es für die gummiartige Masse sorgt, die entsteht, wenn man aus Getreide Teig macht. Deswegen wird Gluten auch in vielen Fertigprodukten als Bindemittel oder Aromaträger eingesetzt. Gelangt das Klebereiweiß nun in den Dünndarm, kann es die Schleimhäute reizen – und der Darm kann sich entzünden, was schwerwiegende Folgen hat. Es kommt zu Krämpfen, Durchfällen, Schwindelgefühlen oder Verstopfung. „Da der Körper die Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen kann, droht eine Unterversorgung an Kohlenhydraten, Vitaminen oder Mineralien“, sagt Magdalena Polkowski. Häufig verlieren die Betroffenen viel Gewicht in kurzer Zeit. „Wenn Patienten zu mir kommen, haben sie meist eine sehr harte Zeit hinter sich“, sagt die Ernährungsberaterin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Denn oft ahnen sie gar nicht, dass es sich um eine Glutenunverträglichkeit handelt. Wenn die Symptome auftreten, denken viele erst einmal an eine Magen-Darm-Erkrankung.

Bei vielen Betroffenen dauert es Jahre, bis eine zutreffende und erlösende Diagnose gestellt wird. Ein früheres Erkennen wird vor allem dadurch erschwert, dass nur wenige Patienten unter den klassischen Symptomen von Glutenunverträglichkeit leiden: Starker Durchfall und extremer Nährstoffmangel. Die meisten Betroffenen haben dagegen eine latente Form der Zöliakie. Sie plagen sich mit unklaren Krankheitsanzeichen wie Müdigkeit, Verdauungsproblemen und ständiger Schlappheit herum. Viele nehmen auch ab, obwohl sie genug essen. Dazu kommen häufig noch Kurzatmigkeit, Völlegefühl und Antriebslosigkeit. Die körperliche Leistungsminderung wird dabei in der Regel durch permanenten Eisenmangel ausgelöst.

Warum tritt eine Glutenunverträglichkeit auf?

Warum eine Glutenunverträglichkeit auftritt, ist noch nicht endgültig erforscht. Diskutiert wird die These, ob eine vererbte Glutenunverträglichkeit durch Virusinfekte oder starke körperliche und seelische Belastungen zum Ausbruch kommt. Betroffene berichten oft, dass die ersten Symptome bei ihnen nach solchen Auslösern auftraten. Fest steht lediglich, dass ein höheres Risiko für die Glutenunverträglichkeit vererbt wird. Häufig wird sie schon bei Kindern festgestellt, manche trifft es erst im Erwachsenenalter. Nach Schätzungen der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) sind deutschlandweit etwa 350 000 Menschen betroffen, wobei aber nur 20 Prozent die Symptome aufweisen. „Betroffene müssen ihr Leben lang auf Gluten verzichten“, sagt Magdalena Polkowski. Lebensmittel aus Dinkel, Weizen,  Hafer, Roggen, Gerste oder Grünkern sind tabu. Auch Fertigprodukte, die Gluten enthalten, dürfen Betroffene nicht mehr essen. Mediziner betonen: Ist eine  Glutenunverträglichkeit einwandfrei diagnostiziert, reicht es nicht, einige Lebensmittel vom Ernährungsplan zu streichen. Die Patienten müssen vielmehr konsequent und lebenslang auf Gluten verzichten. Denn die Glutenunverträglichkeit ist nicht heilbar und noch gibt es keine Medikamente gegen die folgenschwere Unverträglichkeit.

Glutenunverträglichkeit: Das können Sie essen

Ein Trost für die Betroffenen: Bei konsequentem Verzicht auf alle Lebensmittel, die Gluten enthalten, baut sich die Darmschleimhaut wieder auf und die quälenden Symptome verschwinden – in der Regel für immer. Und: Wer sich glutenfrei ernährt, isst zwangsläufig gesund. Denn das Klebereiweiß kommt in vielen Fertiggerichten, Knabbereien und Süßigkeiten vor. Auf Verpackungen muss in Deutschland ausgewiesen sein, ob Lebensmittel Gluten enthalten. Darunter fallen generell Nudeln, Pizza, Wurst, Joghurt, Kroketten und Bier. Der Verzicht ist zwar nicht immer einfach, doch mittlerweile gibt es viele gute glutenfreie Produkte.

Und einige glutenfreie Getreide gibt es dann doch: Produkte aus Mais, Reis, Wildreis, Buchweizen, Hirse oder den Pseudogetreiden Quinoa oder Amaranth können eine Alternative sein. Und auch Fleisch, Fisch, Salat, Gemüse und Obst sind unbedenklich – nur bei den Saucen und Gewürzen ist Sorgfalt geboten. Weitere Informationen findet man auf www.dzg.de, der Internetseite der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft. Hier gibt es auch hilfreiche Listen mit garantiert glutenfreien Produkten. Dazu gehören neben klassischen Lebensmitteln auch Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Zahn- bzw. Körperpflegeprodukte.

Außerdem gibt es mittlerweile ein immer größer werdendes Angebot an glutenfrei hergestellten Back- und Teigwaren: Brot, Brötchen, Croissants, Kuchen, Kekse, Pizzaböden und Nudelgerichte in fast allen erdenklichen Variationen. Auch zum Selberbacken sind viele glutenfreie Mehlmischungen auf dem Markt. War es früher oft mühselig, diese Spezialprodukte einzukaufen, sind sie heute per Direktversand über das Internet überall in kürzester Zeit erhältlich. Was bleibt, sind die höheren Preise: Wegen des größeren Herstellungsaufwands sind glutenfreie Lebensmittel spürbar teurer als normale Produkte.

(thi, wil)

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Zöliakie macht Betroffenen das Leben schwer. Die Lebensmittelunverträglichkeit zieht eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut nach sich. Der Grund der Krankheit schlummert in fast allen Getreidesorten: Klebereiweiß, auch Gluten genannt.
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