Wie gesund ist die Steinzeit-Diät? | EAT SMARTER
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Steinzeiternährung

Wie gesund ist die Paleo-Diät?

Die Zahl der Paleo-Anhänger wächst. Vor allem in den USA folgen immer mehr Menschen der Ernährungsweise, die sich zu einem neuen Lebensgefühl entwickelt hat: fitter, gesünder, schlanker! Doch was ist wirklich dran am neuen Hype?

Steinzeit-Diät

Da hoppelt es. Das possierliche kleine Eichhörnchen. Mitten über die Bahnschienen. Mit einem großen Satz springt es auf einen Baumstamm – und wäre für unsere Vorfahren ein gefundenes Fressen. Doch auf die Jagd geht der moderne Steinzeitmensch nicht mehr. Und Eichhörnchen stehen natürlich auch nicht auf seinem Speiseplan. Der moderne Steinzeitmensch ist wählerisch. Und er hat – anders als seine Ururahnen – die Möglichkeit, aus einem riesigen, global geprägten Warenangebot zu schöpfen.

Keine Frage: Die derzeit so beliebte Steinzeit-Diät ist nicht wirklich „steinzeitlich“. Ihre grundlegenden Prinzipien allerdings entsprechen im Großen und Ganzen jenen Ernährungsgewohnheiten, denen schon unsere Vorfahren gefolgt sind. Erlaubt sind viel frisches Gemüse, Früchte, Eier, Nüsse, Fisch und natürlich Fleisch. Also alles, was vor Tausenden von Jahren gejagt und gesammelt werden konnte.

Die kohlenhydratarme Urkost ist bei vielen das Maß aller Dinge. In den USA, dem Ursprungsland der sogenannten Paleo-Diät (die Bezeichnung kommt von Paläontologie – der Wissenschaft von den Lebewesen der Urzeit), leben immer mehr Menschen nach dem Prinzip. Sie verzichten unter anderem auf Zucker, Weizen und Milchprodukte und glauben, dadurch vitaler, fitter und leistungsfähiger zu sein.

Dabei fungiert Paleo längst nicht mehr nur als Diät, sondern als Lifestyle, der mit anderen Ernährungsideologien konkurriert. Bekannt wurde die Steinzeit-Diät insbesondere durch S. Boyd Eaton und Melvin Konner. Die US-amerikanischen Anthropologen hatten in den 80er-Jahren verschiedene Völkergruppen untersucht und analysiert, was „Jäger und Sammler“ traditionell aßen. Sie konkretisierten die bereits 1975 in dem Buch „Steinzeitdiät“ veröffentlichten Thesen des Gastroenterologen Walter L. Voegtlin und publizierten ihre neu gewonnenen Erkenntnisse im „New England Journal of Medicine“: Ernähren wir uns wie unsere Vorfahren in der Altsteinzeit, so die zentrale Annahme, können wir Zivilisationskrankheiten eindämmen und ihnen vielleicht auf Dauer entkommen. Bluthochdruck, Übergewicht und die daraus resultierenden Folgeerkrankungen könnten dank Paleo endgültig der Vergangenheit angehören. Zumal die Steinzeit-Ernährung die Gesundheit und Gehirnfunktion des frühen Homo sapiens gestärkt und die Entwicklung des Menschen begünstigt habe.

Steinzeit-Diät: Weizen, Milch und Zucker schaden

Vor über 10 000 Jahren, so scheint es, war die Welt noch in Ordnung. Erst durch die sogenannte Neolithische Revolution, in deren Folge der Mensch begann, Äcker zu bestellen und Nutztiere zu halten, wendete sich das Blatt. Weizen, Milch und Zucker traten ihren Siegeszug an. Angeblich zum Leidwesen des menschlichen Organismus.

Aber ist es wirklich sinnvoll, sich wie die „Jäger und Sammler“ von einst zu ernähren? In der Forschung gehen die Meinungen darüber auseinander. Bislang gibt es keine aussagekräftigen Studien darüber, wie sich eine Ernährung nach dem Paleo-Prinzip langfristig auswirkt. Ein positiver Effekt auf die Gesundheit ist bislang weder bewiesen noch widerlegt. Ein paar wesentliche Aspekte der Steinzeit-Ernährung seien durchaus begrüßenswert, betonen Experten. Etwa der Verzicht auf industriell gefertigte Produkte oder der angeratene Verzehr von Obst und Gemüse.

Steinzeit-Diät: Kritik 

Doch es gibt auch Kritik. Das häufig zitierte Argument der Paleo-Jünger, genetisch seien wir noch immer Steinzeitmenschen und nicht an das heutige Nahrungsmittelangebot angepasst, sei grober Unfug, monieren Mediziner und Ernährungsexperten. Tatsächlich hätten sich unsere Gene über die Jahrtausende weiterentwickelt. Den Beweis trat Jonathan Pritchard vom Department of Genetics and Biology der Stanford University bereits 2006 an. Er entdeckte, dass sich rund 700 Genregionen des Menschen während der letzten 5000 bis 15 000 Jahre verändert haben.

Schadet die Steinzeit-Diät?

Auch die Annahme, dass die Ernährung in der Steinzeit besonders vorteilhaft gewesen sei, steht in der Kritik. Tatsächlich wüssten wir nicht sicher, was die Menschen damals gegessen hätten, betonen Paleo-Skeptiker. Archäologische Analysen geben Hinweise. Doch anders als viele Anhänger der Steinzeit-Ernährung mutmaßen, habe es etwa Eier in weiten Teilen der Welt nur saisonal gegeben. Das Lebensmittelangebot sei wesentlich von den klimatischen Bedingungen geprägt gewesen. Die Obst- und Gemüsesorten, die wir heute essen, seien mit den Exemplaren von vor 10 000 Jahren nicht vergleichbar, sagen Evolutionsbiologen. Insofern habe es nicht eine Steinzeit-Diät gegeben, sondern viele ...

Als weiterer Kritikpunkt im Hinblick auf Paleo gilt der hohe Fleischkonsum, der nicht nur der Klimabilanz schade. Durch den häufigen Verzehr würden dem Organismus sehr viele Proteine zugeführt – deutlich mehr als notwendig, warnen Forscher. Die Folge können Beeinträchtigungen der Nieren sowie Stoffwechselprobleme sein. Und: Nicht alle Erkrankungen ließen sich damit erklären, dass die heutige Ernährung nicht zur Biologie des Menschen passe, betonen Kritiker. Schließlich gäbe es viele Menschen, die Krankheiten erlitten, obwohl sie sich gesund ernährten.

Richtig ist allerdings auch: Wer der Paleo-Ernährung konsequent folgt, wird den Kampf gegen das Übergewicht höchstwahrscheinlich gewinnen – und das, ohne Hunger zu leiden. Das Einsparen von Kohlenhydraten dürfte sich auf der Waage in jedem Fall bemerkbar machen. Wer also unter starken Gewichtsproblemen leidet, kann dank der Steinzeit-Diät zahlreiche Kalorien einsparen.

Janina Darm

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Ok. Ihr habt Euch bemüht, einen halbwegs objektiven Text zu schreiben. Das muss ich Euch zugute halten. Was ich weniger gut finde, sind diese mitschwingenden, nichtbewiesenen Ernährungsmythen. Was haben die Nieren mit Fleischkonsum zu tun? Wo sind da die Belege? Wie kommt ihr darauf? Wie kommt ihr darauf, dass es keine Forschung zu den positiven Auswirkungen der artgerechten Paleoernährung gibt? Müsst ihr nur mal genau hin schauen. Cordain hat dazu einiges publiziert. Ich kenne keine Ernährungsweise, dir individueller ist. Denn in erster Linie geht es darum, nur das zu essen, was ich persönlich nur vertrage. Wenn jemand alle über einen Kamm schert, dann die Damen und Herren von der sogenannten Deutschen Gesellschaft für Ernährung mit ihrer "Empfehlung" alle Menschen sollten 50% ihrer Tageskalorien aus Kohlenhydraten gewinnen. Möglichst noch aus Vollkorn. So ein Schwachsinn wird dann auf solchen Seiten wie dieser unhinterfragt rauf und runter gebetet. Da gibt es übrigens keine wirklichen Studien zu. Allerdings gibt es mittlerweile mehrere randomisierte Studien, die belegen, dass eine Ernährung nach DGE Richtlinien eher arm an Nährstoffen ist und für den Menschen eher weniger geeignet ist. Mehr Mut, Denkmäler und Mythen zu stürzen!