Gesund leben: Das rät die Expertin der Diabetologie | EAT SMARTER
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Serie: 10 Tipps – Teil 4

Gesund leben: Das rät die Expertin der Diabetologie

Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer

Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer ist Expertin für Endokrinologie und Stoffwechsel. Seit 2010 lehrt sie an der Medizinischen Universität Wien Gender Medicine. Ihr wichtigster Rat an Sie: Achten Sie auf die richtige Zuckermenge! Was Sie noch tun können, um lange gesund zu bleiben, verrät die Diabetologin hier:

1. Beachten Sie die richtige Zuckermenge

Auch wenn es oft behauptet wird: Zucker an sich macht nicht krank. Es ist nur wichtig, dass Sie die richtige Menge und Art zu sich nehmen. Kohlenhydrate (die aus Zucker und Stärken bestehen) sollten 55 Prozent Ihrer Nahrung aus­machen. Achten Sie auf die Zusammensetzung: Gesund sind sogenannte Mehrfachzucker. Die stecken z. B. in Getreide, Vollkornprodukten, Kartoffeln und Hülsenfrüchten.

2. Gewöhnen Sie sich nicht an einen süßen Geschmack

Den größten Gefallen, den Sie sich selbst tun können? Versuchen Sie, sich nicht an den süßen Geschmack zu gewöhnen. Dann fällt es leichter, auf ungesunde Kohlenhydrate und Zuckeraustauschstoffe zu verzichten.

3. Zuckeraustauschstoffe verursachen Magenprobleme

Viele Lebensmittel enthalten zwar keinen Zucker, dafür aber Süßstoffe wie zum Beispiel Aspartam und Saccharin oder Zuckeraus­tauschstoffe wie etwa Sorbit und Xylit. Der Unterschied zwischen den beiden „Ersatzzuckern“? Zuckeraustauschstoffe sind natürlichen Ursprungs, haben nicht so eine große Süßkraft und können in großen Mengen zu Durchfall und Magenproblemen führen. Sie stecken oft in Kaugummis. Süßstoffe hingegen enthalten so gut wie keine Kalorien und sind daher meistens in Diätprodukten oder soge­nannten Diabetiker-Lebensmittel enthalten.

4. Bekämpfen Sie den Heißhunger

Heißhunger entsteht durch Unterzuckerung und Diäten. Aber auch Stress und psychische Probleme können die Hungerattacken auslösen. Mit wenigen Tricks können Sie diese je­doch verhindern: Lassen Sie etwa 4 Stunden zwischen Ihren Mahlzeiten vergehen, essen Sie viele Ballaststoffe und schlingen Sie die Nahrung nicht runter, sondern kauen Sie viel.

5. In diesen Lebensmitteln steckt versteckter Zucker

Die Zuckermengen von Ketchup, Saucen, Limos und Fruchtjoghurts (bei Fruchtzucker steigt der Blutzucker nicht an, aber die Blut­fette) werden unterschätzt. Lightprodukte sind zwar fettarm, enthalten aber viel Zucker.

6. Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder kein Diabetes Typ 2 entwickeln

Wenn Kinder an Diabetes leiden, dann meist an dem angeborenen Typ 1, der sich nicht durch Abnehmen und eine ausgewogene Ernährung heilen lässt. Dennoch gibt es auch Jungen und Mädchen, die schon an Diabetes Typ 2 erkranken. In diesem Zusammenhang stießen Ulmer Wissenschaft­ler auf ein Phänomen: Kinder mit Migrationshintergrund haben häufiger Diabetes Typ 2 als die Gesamtbevölkerung. Das Problem scheint interna­tional zu sein: In den USA fanden Forscher heraus, dass Kinder mit asiati­schen oder latein- und afroamerikanischen Wurzeln sowie die Sprösslinge der indianischen Ureinwohner am häufigsten Diabetes Typ 2 entwickeln.

7. Man kann bei Diabetes Typ 2 die Zeit zurückdrehen

Die gute Nachricht: Wenn Sie an Diabetes Typ 2 leiden, können Sie die Zeit wieder zu­rückdrehen. Erst ab einem Body-Mass-Index von 40 können Sie die gesundheitlichen Prob­leme nicht wieder rückgängig machen. Außer Sie unterziehen sich einer Operationsmethode wie z. B. einem Magenbypass.

8. Tipps für Schwangere: Damit weder sie noch das Baby Diabetes bekommen

Schon während der Schwangerschaft kann man das Ungeborene vor Diabetes beschüt­zen. Vermeiden Sie folgende Risikofaktoren: Stress, Unterernährung, starkes Übergewicht oder starke Gewichtszunahme in der Schwan­gerschaft, Rauchen und Alkohol. Ein zu nied­riges, aber auch ein zu hohes Geburtsgewicht Ihres Babys kann zu Diabetes führen. Doch nicht nur das Kind ist gefährdet: Jede 15. Frau leidet am sogenannten Gestationsdiabetes. Auch wenn dieser nach der Schwangerschaft wieder verschwindet, ist das Risiko sieben­fach erhöht, in den folgenden fünf Jahren an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Zusätzlich um gesund zu bleiben, sollten Sie viele gesunde Kohlenhydrate und Ballaststoffe essen und sich viel bewegen.

9. Fitte Menschen mit wenig Übergewicht haben die höchste Lebenserwartung

Ein BMI zwischen 26 und 27 garantiert die höchste Lebenserwartung – das haben viele Studien gezeigt. Erst ab einem BMI von 35 sind Sie besonders gesundheitsgefährdet. Forscher vermuten, dass moderate Fettreserven bei der Genesung von Krankheiten helfen. Eine weitere Möglichkeit: Übergewichtige Men­schen sind wegen Ihrer extra Kilos öfter beim Arzt und somit medizinisch besser versorgt. Außerdem kommt es auf die Fettverteilung an. Ein hoher Bauchumfang ist immer ungünstig, Fettpölsterchen an Hüfte und Oberschenkel weit weniger.

10. Kleine Mengen Alkoholkönnen gesund sein

Weintrinker aufgepasst: Wer 2–3-mal die Woche 1 Glas trinkt, tut damit seiner Gesund­heit etwas Gutes. Denn die im Wein ent-haltenen Polyphenole können vor Herzerkran­kungen schützen, indem sie die Blutgefäße vor Verkalkung und Verfettung bewahren. Ein weiterer Vorteil: Geringe Mengen Alkohol vermindern das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Wenn Sie jedoch schon an dieser Krankheit leiden, kann Alkohol die Gefahr einer Unterzuckerung erhöhen. Der Grund: Die Leber kann keinen Zucker bilden, solange sie Alkohol abbaut. Bevor Sie sich jetzt ein Glas Wein einschenken, bedenken Sie Folgendes: Nur kleine Mengen Alkohol sind gesundheits­fördernd, große Mengen sind gefährlich. Und wer jeden Tag trinkt, kann schnell süchtig wer­den. Außerdem enthält Alkohol viele Kalorien.

Interview: Katharina Borgerding

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Ich hatte selber einen BMI von 45. zum Glück ohne Diabetes. Ich kann bestätigen, es ist kaum möglich da aus eigener Kraft dauerhaft wieder runterzukommen. Nur wenige % schaffen das. Mit Diabetes ist das dann nochmal schwerer. Dank Magenbypass bin ich nun fast normalgewichtig und gesünder und fitter als je zuvor. Die Adipositas Chirurgie ist ein Segen, auch wenn viele das anders sehen.
 
Ich habe da mal eine Frage zu dem Artikel: in Punkt 7 heisst es, dass ab einem BMI von 40 die gesundheitlichen Probleme nicht rückgängig gemacht werden können ausser über operative Methoden? Dies würde ich gerne etwas genauer erläutert haben. Soll das Bedeuten, dass Menschen mit einem BMI > 40 nicht mehr aus eigener Kraft das Gewicht in einen gesunden Bereich senken können oder dass Organe schon so nachhaltig geschädigt sind, dass eine Umkehr nicht mehr möglich ist. Wenn der Punkt mit der nachhaltigen Schädigung zutreffend ist, wie würde dann eine Magenoperation hierbei helfen?