Eisenmangel durch Langzeitstillen? | EAT SMARTER
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Umstrittene Studie

Eisenmangel durch Langzeitstillen?

Eisenmangel durch Langzeitstillen?

Ist Langzeitstillen gefährlich? Erst heißt es, Muttermilch sei für die Kleinsten die allerbeste Nahrung - und nun zeigen Studienergebnisse, dass Langzeitstillen auch zu Mangelerscheinungen führen kann. Kein Wunder, wenn speziell Mütter unsicher sind, wie sie es richtig machen. Wir haben für Sie einmal genauer nachgeforscht.

Debatte ums Langzeitstillen: Es soll ja Mütter geben, die ihr Baby zwei Jahre und länger stillen – im guten Glauben an die von Experten stets bestätigte Meinung, dass Langzeitstillen gesund ist und ein Kind nichts besseres bekommen kann als Muttermilch. Und tatsächlich rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO), zu stillen, den Kleinsten erst ab dem 6. Monat Brei zuzufüttern und sie bis zum zweiten Geburtstag auch weiter zu stillen.

Langzeitstillen: Institut warnt vor Eisenmangel


Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund allerdings hält nichts vom Langzeitstillen und diesen Zeitpunkt für zu spät. Zwar bestätigt auch das FKE, dass Mütter stillen sollten und dass Muttermilch in den ersten Lebensmonaten die beste und gesündeste Nahrung bleibt. Aus den Ergebnissen der so genannten DINO Studie (Dortmund Intervention Trial for Optimization of Infant Nutrition) zieht das FKE als Fazit zum Langzeitstillen: “Der Eisengehalt von Muttermilch ist von Natur aus niedrig und reicht zur Deckung des frühkindlichen Eisenbedarfs nicht aus. Säuglinge müssen zur Vermeidung eines Eisenmangels auf die angeborenen Eisenspeicher zugreifen, besonders auf das Depot von Speichereisen in der Leber. Etwa im Alter von vier bis sechs Monaten sind diese Eisenspeicher jedoch aufgebraucht und eine Versorgung über andere Quellen wird nötig.“

Statt Langzeitstillen: schon ab dem vierten Monat Brei?


Eisenmangel durch Langzeitstillen? Nach der Studie sind die körpereigenen Eisenspeicher bei jedem 5. Kind, das ein halbes Jahr voll gestillt wurde, schon im 10. Lebensmonat völlig aufgebraucht. Für die Forscher ein Alarmsignal, denn: „Der Eisenbedarf ist gerade in dieser Phase sehr hoch.“ Speziell Eisen sei besonders wichtig für eine gesunde Entwicklung von Körper und Gehirn des Säuglings. Bekommen Babys nicht genug von diesem Spurenelement, kann das langfristig zu Blutarmut und sogar zu teilweise dauerhaften negativen Folgen für Nervensystem und Gehirn führen. Das FKE empfiehlt darum Eltern, ihren Babys spätestens ab Beginn des 7. Lebensmonats, aber besser schon nach dem 4. Monat fleischhaltigen Brei zu füttern.

Langzeitstillen: Studienergebnisse sind umstritten


Allerdings sind diese Studienergebnisse und der daraus gezogene Schluss über die Auswirkungen vom Langzeitstillen sehr umstritten. Viele Experten bemängeln, dass die DINO Studie nicht zuletzt von der Lebensmittelindustrie mitfinanziert wurde. Und nicht nur Kinderärzte halten es für unangebracht, Müttern Angst vor einem durch Langzeitstillen verursachten Eisenmangel zu machen. Auch der Bundesverband der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) in Bonn widerspricht der angeblichen Notwendigkeit, einem Eisenmangel durch frühzeitiges Zufüttern von Brei vorzubeugen. In einer offiziellen Stellungnahme warnt die AFS sogar davor, dass genau diese Empfehlung zu einer negativen Entwicklung der Gesundheit von Kindern führen kann. So hat nach Ansicht des gemeinnützigen Vereins ein zu frühes Abstillen für Babys weit ernstere Folgen als einen eventuellen Eisenmangel wie kurzfristig vor allem eine erhöhte Anfälligkeit für Allergien, Zöliakie und Infekte. Langfristig drohen sogar ein höheres Risiko für Diabetes, Übergewicht und eine gestörte seelische Entwicklung. Wie die meisten Experten rät darum auch die AFS: In den ersten sechs Monaten sollten Mütter stillen. Muttermilch ist nach wie vor die beste Kost und gleichzeitig der sicherste Schutz vor Erkrankungen für Babys.

(Koe)

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Stimme Angela zu: Hier wird (wieder einmal...) langes Stillen und langes Vollstillen durcheinander geschmissen. Bei langem Vollstillen, vor allem, wenn das Kind sehr lange keine Beikost akzeptiert, ist es sicher angebracht, genau auf die Eisenwerte zu schauen. Manchmal kommt es hier zu einem Teufelskreis - das Kind hat zu niedrige Eisenwerte, dadurch keinen Appetit, nimmt dadurch nicht mit Beikost Eisen auf, hat dadurch noch schlechtere Eisenwerte... Bloss ist in dieser Situation Abstillen - wie von manchen Experten empfohlen - nicht die Lösung, sondern das Kind muss durch Eisengaben aus dem Teufelskreis herausgeholt werden. Dann kommt meist der Appetit auf Beikost ganz von selbst - wenn Mutter und Kind es wollen, kann trotzdem weiter gestillt werden. Langzeitstillen heißt nicht Langzeitvollstillen. Ein zwei, drei oder vierjähriges Kind, das noch gestillt wird, isst genauso, wie nicht (mehr)gestillte Kinder gleichen Alters - und bekommt zusätzlich ab und dann noch ein Schlückchen Wundertrunk, der als Nahrungsergänzungsmittel wahrscheinlich unbezahlbar wäre... :D
 
Hier geht es doch gar nicht um das Thema Langzeitstillen. Hier geht es um die Frage, wann man mit Beikost anfangen soll. Wenn ein Kind zwei Jahre und länger gestillt wird, ist Muttermilch nur noch ein geringer Teil der Nahrung und das Kind dürfte schon längst bei entsprechend guter Ernährung genügend Eisen aufnehmen. Also schadet Langzeitstillen überhaupt nicht! Bei der Frage der Beikost bin ich sehr offen. Ich denke schon, dass man schon ab dem 4. Monat kleine Kostproben zufüttern kann. Man sollte es nicht so eng sehen und unbedingt eine Stillmahlzeit komplett ersetzen wollen, sondern immer stillen nach Bedarf und am Familietisch diverse Kostproben. So sind unsere Kinder ohne jeden Extrabrei oder Ähnliches einfach am Familientisch zu guten Essern geworden - und wurden/werden sehr lange gestillt.