Was Sie über Bio-Lebensmittel wissen müssen | EAT SMARTER
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Besser essen

Was Sie über Bio-Lebensmittel wissen müssen

Noch vor ein paar Jahren war Bio vor allem eins: ein Nischen-Produkt mit Öko-Image. Bio-Produkte waren teuer und nur in wenigen Läden erhältlich. Heute führen selbst die Discounter Lebensmittel mit Bio-Siegel. Das Öko-Image ist abgeschüttelt - Bio ist in. Und die (neuen) Öko-Fans feiern ihren Status als Besser-Esser. Doch was ist wirklich dran am Bio-Boom?

Wer vor ein paar Jahren Bio-Produkte kaufen wollte, der ging ins Refomhaus. Dort gab es eine überschaubare Auswahl an Produkten – für eine überschaubare Gruppe an Kunden. Denn Bio hatte bis vor gar nicht allzu langer Zeit ein echtes Nischen-Esoterik-Image, die Lebensmittel waren als Körnerfutter verschrien. Der Geschmack: gewöhnungsbedürftig. Heute funktioniert Bio anders. Pizza, Eis, Schokolade – kaum ein Produkt, das es nicht auch in Bio-Qualität gibt. Bio boomt. Selbst die Discounter wollen mit eigenen Linien etwas vom großen Kuchen abhaben. Und wer etwas auf sich hält, kauft im Bio-Markt. Aus einer Lebenseinstellung ist ein Trend geworden. Aber wird der, der Bio kauft, auch automatisch zum Besser-Esser?

„Naturnah“ ist nicht Bio

Die Antwort muss wohl lauten: jein. Nur wer genau hinsieht, kauft auch wirklich Bio. Denn der große Trend weckt Umsatzbegierden. Die Hersteller wollen ihre Produkte verkaufen und scheuen deshalb nicht vor teils blumigen und vielsagenden Werbeversprechen auf den Verpackungen zurück. Für Verbraucher ist daher eines wichtig zu wissen: Nach EG-Öko-Verordnung sind bestimmte Begriffe rechtlich geschützt. Dazu gehören „Bio“ und „Öko“. Und auch wenn der Hersteller mit „bio(logisch)“ oder „öko(logisch)“ wirbt, kann man als Verbraucher sicher sein, dass auch Bio im Produkt steckt und der Inhalt kontrolliert nach den Vorschriften der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurde. Gleiches gilt für die Bezeichnungen „aus kontrolliertem ökologischem Anbau“ oder „biologisch-dynamisch“. Nicht geschützt sind hingegen Begriffe wie „naturnah“ oder „unbehandelt“, „natürlich“, „aus Vertragsanbau“, „schadstoffkontrolliert“ oder auch „aus integriertem Anbau“ oder „aus umweltschonender Landwirtschaft“. Diese Fantasie-Begriffe bezeichnen keine echten Bio-Lebensmittel.

Auch bei Bio-Siegeln ist ein kritischer Blick ratsam. Denn Siegel ist nicht gleich Siegel. Das bekannteste, das EU-Biosiegel, findet sich auf fast allen Bio-Produkten. Ein Kriterium: 95 Prozent der Zutaten aus landwirtschaftlicher Erzeugung müssen aus ökologischem Anbau stammen. 100 Prozent Bio ist das nicht. So kommt es, dass vor allem die günstigen Bio-Produkte vom Discounter häufig nur mit diesem einen Siegel ausgestattet sind. Wer mehr will, muss meist auch mehr ausgeben. Strenger geht es zum Beispiel bei Siegeln wie Bioland, Naturland, Biopark und oder auch Demeter zu. Die ökologischen Standards gehen hier teils weit über die von der EG-Öko-Verordnung vorgeschriebenen Richtlinien hinaus. Ein Beispiel: die EG-Ökoverordnung erlaubt rund 45 Zusatzstoffe in von ihr ausgezeichneten Produkten. Bioland begrenzt auf 22, Demeter gar auf nur 20 Zusatzstoffe

Wie gut ist Bio wirklich?

Die Bio-Diskussion wird heute überall geführt. In den Medien, privat, in der Schlange an der Supermarktkasse. „Bio ist einfach besser!“ hört man immer wieder. So kaufen Kunden die Produkte in der Hoffung, sich gesünder zu ernähren und gutes für die Umwelt zu tun. Doch nicht alles, was man sich über Bio erzählt, ist richtig. EAT SMARTER hat die acht gängigsten Bio-Mythen einmal genauer überprüft. Und während Bio in Sachen Pestizidbelastung gegenüber konventionellen Produkten klar die Nase vorn hat, gibt es – das ergab eine Langzeituntersuchung der Stiftung Warentest – keine nachgewiesenen Vorteile, was den Geschmack angeht. Dafür punkten Bio-Verbandshöfe bei der artgerechten Tierhaltung.

Ein Bio-Produkt ist also vielleicht nicht immer unbedingt besser, als ein konventionelles Produkt. Aber Bio ist auf jeden Fall nicht die schlechtere Wahl. Solange Verbraucher bewusst einkaufen und genau schauen, was in ihrem Einkaufskorb landet.

(ben)

 

 

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Neben den Kauf von Bio-Produkten ist auch ein saisonaler Einkauf sehr sinnvoll. Denn wenn ein Obst oder Gemüse gerade keine Saison hat, schmeckt es 1. nicht so, wie es könnte. Und 2. wird für den Anbau viel mehr Energie verbraucht als in der Saison. Beispiel Tomaten: sie haben Saison von Mitte Juli bis zum ersten Nachtfrost, meist Anfang bis Mitte November. Wenn man sie außerhalb dieser Zeit kauft, sind sie aus dem geheizten Treibhaus, haben wenig Geschmack, weil sie wenig Sonne hatten und wurden auch noch mit viel Erdgas oder Erdöl produziert. Oder sie stammen aus Marokko oder Spanien etc., wo es sehr trocken ist und durch die starke Bewässerung der Tomaten (Tomaten sind echte Säufer!) so viel Wasser benötigt wird, daß in der eh schon sehr trockenen Gegend der Grundwasserspiegel so sehr absinkt (von 3-5 Meter auf 40 Meter und mehr!), so daß alles andere an Pflanzen vertrocknet. Nicht zu vergessen: die langen Transportwege aus dem Süden zu uns in den Laden oder auf den Wochenmarkt, die auch viel Treibstoff benötigen! Muß das wirklich sein?! Man kann sich so doch freuen, endlich wieder Erdbeeren, Spargel, Rhabarber, Tomaten, Auberginen, Zucchini etc. zu essen. Wenn man sie das ganze jahr über ißt/essen kann, ist das doch nichts Besonderes mehr! Stattdessen sollte man lernen, wieder typische Wintergerichte zu kochen: Erbsen- und Linseneintopf ohne Fleisch oder Wurst, mit einer Scheibe Brot gegessen, ist eine sehr gute Eiweißquelle, genauso gut wie Fleisch oder Fisch. Oder Kohlgerichte. Hier bei eatsmarter gibt es auch Rezepte dazu. Und die typischen Sommergerichte mit Tomaten, Auberginen, Zucchini etc. sollte man auch nur im Sommer und Frühherbst essen. Ist das wirklich so tragisch?! Denn bei Bio geht es (zumindest mir!) doch nicht nur um Schadstofffreiheit, sondern auch um umweltschonenden Anbau. Und dazu gehört nunmal saisongerechtes Essen.
 
ich kaufe meine Bio Produkte bei tegut, da weiß ich was ich habe und kann den Produkten vertrauen und bin auf der sicheren Seite. Das Angebot bei tegut ist sehr groß und ich bekomme immer, was ich möchte. Uns sehr teuer ist tegut auch nicht mit den BVio Produkten. Die kann ich mir selbst von meiner Rente leisten.
 
Bio ist besser und nicht nur nicht schlechter als konventionell. Die Vorteile für den Bodenerhaltung,die geringere Treibhausgasbelastung, die größere Gewähr für Biodiversität, die Gesundheit der Bauern und der Verbraucher, der Respekt vor den Leben u.v.m. sind ein ziemlich eindeutiger Ausschlag auf der Waagschale, sogar, wenn angeblich der Geschmack gleich ist.
 
Man muß sich auf seinen eigenen Geschmack verlassen und nicht auf irgendwelche Langzeituntersuchungen von Stiftung Warentest. Die sind doch auch nur "geschmiert". Ich jedenfalls habe alles, was möglich ist, in bio in meiner Küche. Vieles auch aus dem eigenen Garten, mehr bio geht da nicht. Donnerstags gehe ich zum Demeter-Stand auf dem Markt und kaufe all das, was ich nicht im Garten habe. Es gab auch schon mal Demeter-Tomaten , die nach nix geschmeckt haben. Aber dann schmecken die "normalen" Tomaten meist auch nicht. Jeder muß es für sich selbst entscheiden, was ihm oder ihr wichtig ist. Ich finde, Gesundheit geht über alles. Das kommt wohl so langsam auch bei anderen an.Zum Glück.