EU-Politiker kippen die Lebensmittel-Ampel | EAT SMARTER
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EU-Politiker kippen die Lebensmittel-Ampel

Verbraucherschützer und Ärzteverbände hatten sie gefordert, die Politik war gespalten: um die "Lebensmittel-Ampel" wurde jahrelang eine erbitterte Kontroverse geführt Es ging um die Frage, wie Produkte künftig in der EU gekennzeichnet werden. Nun hat das EU-Parlament die Ampel-Kennzeichnung abgelehnt. Diese hätte fett- oder zuckerreiche Lebensmittel mit roten Buttons gekennzeichnet. Dazu kommt es nun nicht. Lesen Sie, was diese Entscheidung für uns bedeutet.

Die Kernfrage, um die es geht: Wie gesund sind unsere täglichen Lebensmittel? Wer abgepackte Lebensmittel wie Pizza, Tütensuppen oder Limonade kauft, weiß oft nicht genau, was er da eigentlich isst. Unklar war bisher bisher, was genau die Verbraucher über Lebensmittel erfahren sollen, und wie verständlich diese Informationen sein sollen. Um ungesunde Nahrungsmittel schneller erkennen zu können, hatten Verbraucherschützer, Ärzteverbände sowie grüne und linke Parteien eine europaweit einheitliche Ampel-Kennzeichnung für verpackte Lebensmittel gefordert. Nun ist die Entscheidung gefallen: Das EU-Parlament hat mit den Stimmen der konservativen Parteien mehrheitlich die Ampel-Kennzeichnung abgelehnt. Besser informierte Bürger sind gesündere Bürger Die Grundidee bei der Lebensmittel-Ampel war recht einfach. Grüne, gelbe und rote Punkte auf Müsliriegeln, Joghurtbechern und Fertiggerichten sollten Verbrauchern auf einen Blick zeigen, wie gesund ein Lebensmittel ist – von Grün für gesund bis Rot für ungesund. Schnell hätte man so die jeweilige Menge an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz vergleichen können. Diese Regelung ist endgültig vom Tisch. Statt der vereinfachenden Farbkennzeichnung müssen sich die Verbraucher nach dem Willen des EU-Parlaments bislang komplizierte Zahlen, Kalorien- und Mengenangaben auf den Verpackungen entwirren, um mehr über den Nähwert-Gehalt von Produkten zu erfahren. Im Prinzip wird dies so bleiben. Allerdings sollen Hersteller immerhin zu klaren Angaben über Inhaltssoffe wie Fett, Salz, Zucker oder Eiweiß verpflichtet werden. Die milliardenschwere Lobby bremst Seit Monaten hatte die Lebensmittelindustrie gegen die farbliche Kennzeichnung von Joghurt, Müsli oder Wurstwaren je nach Fett-, Salz- und Zuckeranteil Front gemacht. Sie hatte wohl nicht zu Unrecht befürchtet, dass ein roter Punkt die Verbraucher vom Kauf eines Produkts abschrecken könnte. Zudem hatten Kritiker argumentiert, dass mit der einheitlichen Kennzeichnung auch eigentlich gesunde Lebensmittel die Rote Karte bekämen: Sauerteig-Brot wegen seines Salzanteils, der traditionelle Bergkäse wegen des Fettgehalts oder naturtrüber Apfelsaft wegen seines hohen Zuckeranteils. Manch einer rechnete gar vor, dass auf diese Weise Fruchtsaft ungesünder erscheinen könnte als Cola light, die statt Zucker künstliche Süßstoffe enthält. Zudem würden die Grenzwerte in solch einem Modell willkürlich festgelegt. Kampf gegen Übergewicht Wahr ist aber auch, dass immer mehr von dem, was auf europäischen Tellern landet, zu viel Fett, Zucker oder Salz enthält. Und die Folgen einer solchen Ernährung machen sich bemerkbar: In Deutschland gilt schon jeder Zweite als zu dick, die jährlichen Kosten für ernährungsbedingte Krankheiten belaufen sich bundesweit auf etwa 70 Milliarden Euro. Hinzu kommen oft falsche Werbeversprechen der Industrie, die selbst Kalorienbomben als fitness- oder gesundheitsfördernd deklarierten. Zudem rechnen manche Hersteller ihre Produkte mit unrealistischen Portionsangaben gesund. Ob mit der Entscheidung des EU-Parlaments die Kalorien-Ampel endgültig passé ist, ist ungewiss. Denn nach der ersten Lesung im Europaparlament geht der Gesetzestext an den Ministerrat in Brüssel, in dem die 27 EU-Mitgliedsländer vertreten sind. Der Rat muss sich dann mit dem Parlament auf einen Kompromiss einigen – das kann dauern. Aber selbst auf die Nachbesserung bei den aktuellen Angaben müssen die Verbraucher warten. Für die Änderungen bei der Kennzeichnung ist eine Übergangsfrist von drei Jahren vorgesehen. Kleine Produzenten dürfen sich sogar fünf Jahre Zeit lassen. Es empfiehlt sich also, beim Einkauf das Kleingedruckte auf den Verpackungen genau zu studieren.

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...die Industrie war wohl mal wieder zu stark. Schade. Die Ampel hätte vielen Leuten geholfen.