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Frisches Obst für alle

In Nordrhein-Westfalen startet jetzt das EU-Schulobstprogramm. Es will Kindern das Essen von Obst schmackhaft machen. Hat das Projekt Erfolg, bringen womöglich die Kinder bald auch ihre Eltern dazu, gesünder zu essen.

Fragt man Lehrer und Erzieher, sind sich alle einig: Kinder lieben frisches Obst und Gemüse – wenn man es ihnen nahebringt. Kinder lieben aber auch Schokoriegel, Pizza und Gesichtswurst. Und oft ist es für sie viel einfacher, an Naschkram und Fast Food zu kommen als an eine frische, gesunde Mahlzeit. Außerdem schauen die Kleinen sich ihr Essverhalten von anderen ab: in der Familie, bei Freunden, auch im Klassenraum und in der Schulkantine. Doch haben weder Familien noch Schulen es bisher geschafft, Kinder zu einer intelligenten Ernährungsweise zu erziehen: "Bei den Sechs- bis Elfjährigen erreichen gerade mal sechs Prozent die empfohlene Menge für Gemüse und 19 Prozent für Obst", so die Expertin für Schulverpflegung Elke Liesen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Der Trend ist eindeutig: je jünger das Kind, desto ungesunder die Ernährung. Und desto höher der Anteil an übergewichtigen Jungen und Mädchen mit gesundheitlichen Problemen wie Bluthochdruck, Diabetes und einem erhöhten Krebsrisiko. Das gilt für ganz Europa. Deshalb hat die EU ein spezielles Schulobstprogramm entworfen, die Verantwortlichen erhoffen sich davon langfristige Vorteile. Denn die Schüler sollen nicht nur selbst auf den gesunden Geschmack kommen, sondern darüber hinaus zu Hause dafür sorgen, dass gesündere Sachen auf den Tisch kommen. Den nötigen Anreiz für die Mitgliedsländer schafft die EU durch einen großzügigen Zuschuss. Damit soll für eine gewisse Zeit eine kostenlose Versorgung mit Obst und Gemüse in Schulen und Kindergärten gesichert werden. Eine besondere Hürde in Deutschland: Schulverpflegung ist nicht Bundes-, sondern Landesangelegenheit. Kostenloses Obst und Gemüse in Nordrhein-Westfalen Pünktlich vor der Landtagswahl startet nun nach dem Saarland und Baden-Württemberg auch Nordrhein-Westfalen das Schulobst-Programm. Umweltminister Eckhard Uhlenberg erklärt gegenüber EAT SMARTER, warum die Politik der EU-Initiative gefolgt ist: "Um eine gesunde Ernährung zu verankern, genügt es eben nicht, Wissen zu vermitteln. Die Verhältnisse vor Ort müssen entsprechend umgestaltet werden. Die Kinder sollen nicht nur lernen, dass Obst und Gemüse gesund sind und viele Vitamine liefern. Sondern sie sollen auch erfahren, wie unsere heimischen Obst- und Gemüsesorten schmecken, wo sie angebaut und weiterverarbeitet werden." In NRW nehmen 355 Grund- und Förderschulen an der ersten Phase teil, beworben hatten sich mehr als doppelt so viele. Ein wichtiges Kriterium für den Zuschlag war dabei, ob ein pädagogisches Konzept die Ausgabe von Apfel, Radieschen und Co. begleitet. Etwa ein gemeinsames Frühstück, bei dem die Lehrer für mundgerechte Stücke sorgen, oder Fahrten zu den Lieferanten. Die auserwählten Schüler kommen jetzt täglich in den Genuss einer Extraportion kostenlosem Obst und Gemüse – meist aus der Region. Das Programm läuft bis zum Ende des Schuljahres. Zum Startschuss schnippelte Minister Uhlenberg an der Heinrich-Heine-Grundschule in Düsseldorf selbst Karotten und Kartoffeln. Den Schülern hat es Spaß gemacht. Und Erfahrungen sprechen für gute Chancen, dass die Freude an dem kostenlosen Vitaminkick erhalten bleibt. Das zeigt etwa ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt im Raum Ludwigshafen/Mannheim, das bis September 2009 lief. Auch nach dem Ende des Projektes griffen Schüler, die mitgemacht hatten, immer noch deutlich häufiger zu frischen Früchten als ihre Altersgenossen. Und die Wertschätzung war während der ganzen Zeit hoch, obwohl das Schulobst umsonst ausgegeben wurde. Erstaunt registrierten die Lehrer die Akzeptanz. "Was verteilt wird, wird gegessen. Es bleiben keine Reste", so Dr. Liesen. Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein machen nicht mit. Zu viel bürokratischer Aufwand, heißt es dort von den Verantwortlichen. Generell seien die Kosten zu hoch. Stattdessen sollen eigene Programme für zusätzliche Vitamine sorgen, versprechen die Länder. Mal sehen, ob daraus etwas wird.
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