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Die Fructose-Falle!

Fruchtzucker - das klingt nach Obst. Deshalb galt er bisher als gesunde Alternative zum raffinierten Kristallzucker. Jetzt entlarven immer mehr Studien diese "Fruchtsüße" als gefährlichen Dickmacher.

"Ohne Zusatz von Kristallzucker!" Unübersehbar prangt der Sticker auf dem Kinderjoghurt, und viele Eltern greifen gerne zu. Schließlich hat sich herumgesprochen: Kristallzucker macht nicht nur dick, sondern verursacht auf ungeputzten Zähnen auch Karies. Also kauft die fürsorgliche Mutter den Joghurt ohne Zuckerzusatz. Zumindest hoffen das die Hersteller. Fakt ist: Den üblichen Kristall-, gleich Haushalts-, gleich Rüben-, gleich Rohrzucker gibt es in ihrem Produkt tatsächlich nicht mehr. Weil aber Kinderjoghurt und alle anderen Produkte "Ohne Zusatz von Kristallzucker" nach wie vor süß schmecken sollen, verwendet die Industrie stattdessen Fruchtzucker, gleich Fructose. Sein positives Image verdankt dieser süße Stoff einer einzigen Tatsache: Im Vergleich zu Kristallzucker lässt er den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen, weil der Körper für die Verarbeitung kaum Insulin braucht. Deshalb machte er vor allem Karriere in gesüßten Diabetikerprodukten. Sollten aber auch gesundheitsbewusste Mütter darauf setzten?

Gefährlich für die Gesundheit

Die Antwort: Wenn deutsche und amerikanische Wissenschaftler, die sich in jüngster Zeit mit dem Vergleich von Frucht- und Kristallzucker und deren Wirkung auf den Menschen beschäftigten, recht haben, dann ist Fruchtzucker trotz seines gesunden Images gefährlicher als sein süßer Konkurrent. Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam haben zum Beispiel Versuchsreihen mit Mäusen durchgeführt und den Tieren beides angeboten. Das Ergebnis: Mäuse, die eine fructosegesüßte Lösung getrunken haben, nahmen mehr zu als ihre Artgenossen, denen eine Lösung mit Haushaltszucker gegeben wurde. Auch bei der Messung der Leberfettwerte schnitten die Fruchtzuckermäuse schlechter ab - obwohl beide Gruppen etwa gleich viel Kalorien aufnahmen. Kommentar der Ernährungswissenschaftlerin und Erstautorin Hella Brönneke: "Es ist anzunehmen, dass Fructose den Stoffwechsel beeinflusst und auf diese Weise die Anreicherung von Körperfett begünstigt." Auch in Humanstudien konnte Fructose ihren Platz als "gesunder Zucker" nicht länger behaupten. Wissenschaftler der Universität Minnesota servierten Männern fünf Wochen lang fructosereiche Nahrung, und sie reagierten wie die Potsdamer Mäuse: Die Blutfettwerte stiegen drastisch an und waren über 30 Prozent höher als erwartet. Untersuchungen in Ohio und Kalifornien zeigten außerdem: Fruchtzucker beeinflusst auch die Insulinwerte negativ. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss: Wer für sein Essen Kristall- durch Fruchtzucker ersetzt, erhöht die Gefahr für seine Gesundheit - durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes II.

Praktisch für die Industrie

Die Lebensmittelhersteller haben die Studien noch gar nicht zur Kenntnis genommen. Im Gegenteil. Sie setzen Fructose immer häufiger als Flüssigzucker ein. Hella Brönneke, die heute an der Universität Cincinnati tätig ist, hat dafür eine einleuchtende Erklärung: "Logistisch gesehen lassen sich Lebensmittel und deren Zutaten in flüssiger Form einfacher und kostengünstiger transportieren und lagern. Ähnliches gelte für die Verarbeitung. Wer Sirup als Süßungsmittel für Joghurt verwendet, muss weniger oft umrühren. Kristallzucker braucht länger, bis er sich aufgelöst hat. Für die Produktion bedeutet dies: geringerer Energieverbrauch, minimierter Zeiteinsatz und damit niedrigere Gesamtkosten."

Weitverbreitet: Fruchtzucker-Unverträglichkeit

Alle, die an Fructose-Malabsorption - also Fruchtzucker-Unverträglichkeit - leiden, sollten bei süßen Sachen die Zutatenliste genau lesen und auf Fruchtzucker verzichten. Die Unverträglichkeit - sei sie angeboren oder erst später erworben - bewirkt, dass Fruchtzucker im Dickdarm einen Gärungsprozess in Gang setzt. Bauchschmerzen und Blähungen sind die Folge. Sogar auf frisches Obst und einige Gemüsesorten reagieren manche Menschen empfindlich. Alle anderen aber dürfen weiterhin lustvoll in knackige Äpfel beißen oder auch Bananen und Erdbeeren genießen. Bei ihnen hat die Natur für ein ausgewogenes und gesundes Mischverhältnis der verschiedenen Zuckersorten gesorgt.
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Die Fruktoseunverträglichkeit verursacht nicht nur Bauchschmerzen und Blähungen,sondern auch krampfartige Durchfälle und Schmerzen, etc.
 
Wie sieht es denn mit Apfel- oder Birnendicksaft aus ? Ist das auch Fruchtzucker?
 
... dies hat mich schon immer interessiert - nun bin ich schlauer!