Riesling reloaded | EAT SMARTER
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Die jungen Weinmacher

Riesling reloaded

Winzerin Karoline Gaul mit ihrer Schwester Dorothee Winzerin Karoline Gaul mit ihrer Schwester Dorothee

Sie sind jung, gut ausgebildet und sie haben Lust darauf, guten Wein zu machen: In der Initiative „Generation Riesling“ arbeiten mehr als 350 Nachwuchs-Winzer daran, das Image des deutschen Weins zu verjüngen. Und ihre Arbeit zeigt Erfolge.

Wenn man Winzerin Ilonka Scheuring (27) zur Qualität von deutschen Weinen befragt, spricht sie vom milden Klima und den verschiedenen Böden: „Die Trauben bekommen so eine Saftigkeit, eine feine Säure und eine Vielschichtigkeit im Geschmack.“ Wenn man Winzerin Karoline Gaul (28) fragt, was deutsche Weine kennzeichnet, lobt sie die Spritzigkeit: „Genau das macht unsere Weine einzigartig.“ So einzigartig, dass die beiden jungen Frauen die Weingüter ihrer Eltern fortführen und deutsche Weine international weiter bekannt machen wollen.

Die "Generation Riesling"

Ilonka Scheuring und Karoline Gaul stehen für eine neue Generation deutscher Winzer, mehr als 350 von ihnen haben sich in der „Generation Riesling“ organisiert. Der Name steht für die bekannteste deutsche Rebsorte. Junge Winzer unter 35 machen hier mit. Ihr Ziel: Sie wollen das Image des deutschen Weins international aufbessern, es verjüngen und nebenbei vielleicht auch den Wein ein wenig neu erfinden.

Denn noch zur Jahrtausendwende hatte deutscher Wein vor allem bei jüngeren Menschen keinen guten Ruf. Befragungen zeigten, dass sie in weiten Teilen deutsche Weine für altmodisch, billig und süß hielten. Es war eine Zeit, in der man Pinot Grigio trank – und keinen verstaubten deutschen Grauburgunder. Nun begannen vor allem die jungen deutschen Weinanbauer darüber nachzudenken, was sie besser machen könnten. Landesweit gründeten sich Initiativen, darunter 2005 auch die größte von ihnen, die „Generation Riesling“ (www.generation-riesling.de). Ihr Wissen bringen die jungen Winzer aus ihren Ausbildungen mit, die in den vergangenen Jahren internationaler geworden sind. Karoline Gaul lernte ihr Handwerk unter anderem in Südtirol, Ilonka Scheuring in Neuseeland. In den vergangenen Jahren prüfte die junge Generation alte Traditionen und probierte neue Ideen aus.

Neue Ideen mit alten Traditionen

Als sie ihr Studium 2009 beendete, führte Karoline Gaul zum Beispiel auf dem Weingut ihrer Eltern die Traubenteilung ein. Bei diesem Verfahren halbiert man die Anzahl der Trauben an den Rebstöcken. Die übrig gebliebenen Trauben können nun mehr Wasser und Mineralien aufnehmen und eine bessere Qualität ausbilden. „Was gut in den Keller kommt, kann auch gut verarbeitet werden“, sagt Karoline Gaul. Ilonka Scheuring kreierte ein neues Etikett für ihre Flaschen: „Damit wollte ich die Marke moderner machen.“ Speziell für die junge Linie entwarf sie ein Design in knalligem Lila. Und auch sie räumte auf: Während ihr Vater noch 40 Weine anbot, strich sie die Liste auf die Hälfte zusammen.

Der Generationenkonflikt blieb bei beiden aus. „Mein Vater war von der Traubenteilung angetan“, erinnert sich Karoline Gaul. Die Strukturen in ihrem Betrieb wurden professioneller. Nach dem Tod ihres Vaters 2011 übernahm sie gemeinsam mit ihrer Schwester Dorothee das Weingut. Auch Ilonka Scheuring (Bild rechts) hatte mit ihren Eltern schon während der Ausbildung über neue Ideen gesprochen. Vor zwei Jahren entschieden sie, ihr das Weingut zu übertragen.

Ihre Arbeit zeigt Erfolge

Seitdem sind beide Winzerinnen für ihren eigenen Betrieb verantwortlich. Karoline Gaul bearbeitet rund 17 Hektar im pfälzischen Grünstadt-Sausenheim, Ilonka Scheuring besitzt im fränkischen Margetshöchheim 11 Hektar. Sie arbeiten erfolgreich: Ilonka Scheuring wurde 2010 von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft zur besten Jungwinzerin gewählt. Karoline Gaul belegt regelmäßig vordere Plätze bei großen Weinverkostungen. Dass sich der deutsche Wein verbessert hat, beobachtet auch der Mastersommelier und Wein-Blogger Hendrik Thoma (www.weinamlimit.de). „In den letzten vier Jahren hat der deutsche Wein einen wahnsinnigen Qualitätsschub erlebt. Schon für fünf bis acht Euro bekommt man qualitativ sehr hochwertige Weine.“

Es sei vor allem der frische und leichte Stil, der die Weine auszeichne. Der sei gerade in den USA beliebt, aber auch viele Deutsche griffen wieder zu heimischen Gewächsen. „Zu den besten Sorten gehört nach wie vor der Riesling“, sagt Thoma, „doch auch bei den Rotweinen wie dem Pinot Noir gibt es Spitzenprodukte.“ Ganz gleich, ob Weiß, Rot oder Rosé – das angestaubte Image sind Deutschlands Weine in jedem Fall los.

Weitere Links

Weingut Scheuring in Margetshöchheim Weingut Karl-Heinz-Gaul in Grünstadt Sausenheim

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