Die große Lebensmittelverschwendung | EAT SMARTER
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11 Millionen Tonnen für den Müll

Die große Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelverschwendung Lebensmittelverschwendung

81,6 kg - so viele Lebensmittel wirft jeder von uns pro Jahr weg. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Universität Stuttgart und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Diese Zahl schockt nicht nur die Verbraucher, sondern zwingt auch die Bundesregierung zum Handeln. EAT SMARTER stellt die Ergebnisse der Studie vor und verrät, wie die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner die Lebensmittelverschwendung bekämpfen will.

Wir werfen zu viele Lebensmittel weg, viel zu viele. Nicht nur der Kinofilm "Taste the Waste" zeigte dies im vergangenen Jahr. Auch eine Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) lieferte im Jahr 2011 Hinweise für die große Lebensmittelverschwendung. Von 1.000 Befragten gaben 58 Prozent an, dass sie hin und wieder Lebensmittel wegwerfen. Bei 20 Prozent kam das einmal im Monat, bei 25 Prozent einmal pro Woche und bei 10 Prozent sogar mehrmals pro Woche vor.

Lebensmittelverschwendung: Jeder wirft jährlich 81,6 kg Lebensmittel weg

Jetzt weiß das Ministerium auch über die tatsächlichen Menge der Lebensmittelverschwendung Bescheid. Die Universität Stuttgart hat herausgefunden, dass pro Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt werden. Der Lebensmittelmüll teilt sich wie folgt auf: In Privathaushalten werden jährlich 6,7 Millionen Tonnen weggeworfen. Das sind 81,6 kg pro Kopf im Jahr oder 225 Gramm am Tag. Die Gründe für die Lebensmittelverschwendung sind bekannt. Die Verbraucher kaufen zu viel ein, lagern die Lebensmittel nicht richtig und sind unsicher im Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum.

Die Industrie und die Großverbraucher, wie zum Beispiel Restaurants, Hotels oder Kantinen, werfen je knapp zwei Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Hauptsächlich weil die Lebensmittel von bestimmten Normen abweichen oder falsch gelagert werden. Im Handel ist die Lebensmittelverschwendung vergleichsweise klein. Supermärkte & Co. entsorgen jährlich „nur“ 550.000 Tonnen. Ihr größte Problem: Sie müssen ihre Regale bis Ladenschluss voll haben, auch mit leicht verderblichen Lebensmitteln wie zum Beispiel Obst, Gemüse und Backwaren.

Lebensmittelverschwendung: Das Wegwerfen ist teuer

Auch im Geldbeutel macht sich die Lebensmittelverschwendung bemerkbar. Pro Kopf werden jährlich Lebensmittel im Wert 235 Euro weggeworfen. Insgesamt sind es 21,6 Milliarden Euro pro Jahr. „Wir leben in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft. In Deutschland und Europa wird viel zu viel weggeworfen, wertlos gemacht, vernichtet. Es ist Zeit für einen Bewusstseinswandel – und für mehr Wertschätzung für unsere Lebensmittel“, sagt Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner.

Lebensmittelverschwendung: Das will die Regierung erreichen

Schon nächste Woche, am 19. März, wird das BMELV zusammen mit dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels eine deutschlandweite Aufklärungsaktion über das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) starten. Der Ansatz ist wichtig, denn viele Verbraucher werfen Lebensmittel mit abgelaufenem MHD weg. Dabei gibt das MDH nur eine Frist an, bis zu deren Ablauf der Hersteller eine einwandfreie Qualität der Lebensmittel garantiert. Das bedeutet aber nicht, dass das Lebensmittel danach automatisch verdorben ist. Die Hersteller bauen ein dickes Sicherheitspolster ein.

Ende März wird das BMELV die Informationskampagne „Zu gut für die Tonne“ starten. Aigner beschreibt das Projekt so: „Wir wollen den Menschen nützliches Wissen und praktische Tipps vermitteln über den Umgang mit Lebensmitteln – vom Einkauf über die richtige Lagerung bis hin zur Verarbeitung in der Küche. Auf einer neuen Internetplattform werden alle Informationen gebündelt.“

Die Regierung will auch auf EU-Ebene handeln. Ihr Ziel: die Abschaffung aller Vermarktungsnormen. Denn oft müssen Lebensmittel weggeworfen werden, weil sie gegen eine bestimmte Norm verstoßen, zum Beispiel wenn eine einwandfreie Gurke zu krumm ist. „Irgendwelche Normen dürfen kein Vorwand sein, Agrarprodukte unterzupflügen oder einfach wegzuwerfen“, sagt Aigner.

Zusammen gegen die Lebensmittelverschwendung

Aigner fordert eine konzentrierte Aktion aller Akteure um die Lebensmittelverschwendung eindämmen zu können: „Erfolg werden wir im Kampf gegen die Müllberge nur haben, wenn alle an einem Strang ziehen – Bund und Länder, EU-Kommission und Mitgliedstaaten, Handel, Industrie, Landwirtschaft Gastronomie – und nicht zuletzt die Verbraucher.“

(bor)
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Also bei mir fliegt nur Verdorbenes in den Müll. Kaufe wenn möglich Reduziertes, dessen MHD kurzfristig ist. Habe schon "Versuche" gemacht, vor allem mit Fruchtjoghurt, das durch (ungesunde) Zuckerzugabe sehr viel länger, je nachdem, wie gut die Verschlussdeckel aufsitzen, mehrere Monate über das MHD hinaus haltbar ist. Auch Salami, Hartkäsescheiben und insbesondere vegetarische Würstchen sind nicht empfindlich und vertragen noch ein paar Wochen über das MHD. Entscheidend ist, wie gut die Verpackkung sitzt. Verdorbenes gibt es auch v o r dem MHD-Datum, wenn beim Joghurtdeckel, durch einen Daumennagel ein Miniriss entsteht oder die Schutzhüllen um Käse oder Dauerwurst etwas verletzt sind! Früher hat man sich die Lebensmittel ageschaut, spätestens bei einer Geschmacksprobe gemerkt, was mit ihnen los ist. Heute hält man sich sklavisch an das MHD. Daran habe ich schon 40 Jahren nicht geglaubt, weil ich meinem Sohn, damals sämtliche Babybreis, die abgelaufen und vom Vertreter ersetzt worden waren, fütterte. ER gedieh prächtig!
 
80 Kilogramm Lebensmittel pro Person? Das wären in einem 2 Personenhaushalt schon mehr als 3 Zentner. Da kann etwas nicht stimmen. Bei mir wird nur so viel gekauft das es auch verbraucht werden kann. Es kommt schon mal vor wenn mann mehrere Tage außer Haus ist das der Brotkanten entorgt werden muß weil er nach 4 Tagen anfängt zu schimmeln. aber ansonsten werden nur Kartoffel-, Zwiebel-. Gurken- ... -Schalen in der Biotonne entsogt. Damit kommen jedoch keine 80kg zusammen. Also müssen Andere noch viel mehr wegwerfen. Diese Studie halte ich persönlich für unglaubwürdig.
 
Also, wenn man in diesem Land dafür in den Knast kommt, weil man Lebensmittel verschenkt hat, die nicht mehr gut waren, oder ein Ladenbesitzer in den Knast kommen kann, weil er abgelaufenen Lebensmittel verschenkt hat, die verdorben waren, ist das kein Wunder. Aber dafür, das man aus der Supermarktmülltonne all die weggeschmissenen Lebensmittel holt, wird man in Deutschland ja auch kriminalisiert (Diebstahl!!! HÄH????). Also, haut erst mal den Juristen eine auf die Schnauze und hört auf die armen Leute fertig zu machen.
 
So lange die Theken in den Supermärkten bis Verkaufsschluß gefüllt sein müssen, solange Lebensmittel in Abfallcontainern landen, solange sollte man nicht darüber reden, was ein Privathaushalt wegwirft. Über 80 kg Lebensmittel werden bei uns nicht weggeworfen. Nicht annähernd 8 kg. Sicher passiert es, daß mal nicht alles aufgegessen wird, aber hartes Brot kann man in Butter braten, Essensreste einfrieren. Und: Mindeshaltbarkeitsdatum schon erreicht, nun - wer zu viel Geld hat...