Das große Vitamin D-Problem | EAT SMARTER
1
6
Drucken
6
Das große Vitamin D-ProblemDurchschnittliche Bewertung: 5151

DGE erhöht Richtwerte

Das große Vitamin D-Problem

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Richtwerte für Vitamin D vervierfacht. Denn bislang nehmen wir viel zu wenig des knochenstärkenden Vitamins auf. EAT SMARTER erklärt, warum es gar nicht so einfach ist, genügend Vitamin D zu sich zu nehmen.

Am 10. Januar hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ihre Empfehlungen für die tägliche Vitamin D-Aufnahme von 5 auf 20 Mikrogramm (μg) vervierfacht. Der Grund: Jugendliche und Erwachsene nehmen im Durchschnitt nur 2 bis 4 Mikrogramm über die Ernährung auf. Die DGE hofft, dass diese durch die neuen Werte nun mehr Vitamin D zu sich nehmen werden. Denn eine ausreichende Versorgung ist für Knochen und Immunsystem extrem wichtig.

Sonnenschein regt die Vitamin D-Produktion an

Es ist nicht so einfach, eine so große Differenz zwischen Empfehlung und tatsächlicher Zufuhr ausgleichen. Die DGE empfiehlt, genügend Sonne zu tanken. Denn mit Hilfe von Sonnenlicht, genauer gesagt den UVB-Strahlen, kann der Körper Vitamin D selber produzieren. Für zehn Mikrogramm muss man sich mit zu einem Viertel unbedeckter Haut (zum Beispiel Gesicht, Hände und ein Teil der Arme) für etwa drei bis acht Minuten in der Sonne aufhalten. Je heller die Haut ist, desto besser kann man Vitamin D herstellen. Dunkle Haut hingegen blockiert die Sonnenstrahlung.

Doch im Winter gibt es in Deutschland ein Problem: Die Sonnenstrahlung ist zu schwach, um die Produktion von Vitamin D auszulösen. Man könnte also bestenfalls von April bis September genügend Sonne tanken, so dass der eigene Vitamin D-Speicher auch für die kalte Jahreszeit reicht. Es gibt nur einen Haken: Sonnencreme verringert die Vitamin D-Produktion um etwa 95 Prozent. Wer sich aber ohne Schutz sonnt, riskiert an Hautkrebs zu erkranken. Daher gilt es, sich nur so lange ungeschützt in der Sonne aufzuhalten, dass man auf keinen Fall verbrennt. Bei Hellhäutigen sind das höchstens zehn Minuten. Übrigens: Es bringt nichts, ins Solarium zu gehen. In den Geräten wird nur bräunendes UVA-Licht verwendet. Dieses kann aber kein Vitamin D produzieren.

Kann die Ernährung bei der Vitamin D-Versorgung helfen?

Gerade im Januar sind bei vielen Menschen die Vitamin D-Speicher leer. Daher muss man besonders im Winter eine andere Möglichkeit nutzen, um sich mit dem Vitamin zu versorgen. Mit Hilfe von Nahrungsmitteln ist das aber fast unmöglich: Nur sehr wenige Lebensmittel enthalten Vitamin D und wenn, auch nur in sehr niedrigen Dosen. Zu ihnen gehören Fettfische, wie zum Beispiel Lachs (16 μg / 100 g), Hering oder Makrele, Eier (3 μg / 100 g), Milchprodukte (ca. 1 μg / 100 g) sowie Pilze (2 μg / 100 g) und Avocados (3,4 μg / 100 g). Um den Bedarf decken zu können, müsste man jeden Tag ein Lachsfilet oder etwa 14 Eier essen.

Sonnenbad anstatt Tabletten

Wie sollen die neuen Richtwerte erreicht werden, wenn es schon bei den alten nicht funktionierte? Laut DGE reichen Sonnenbäder aus. Experten befürchten, dass viele Menschen jedoch wohl eher zu Vitamin D-Präparaten greifen werden. Diese empfiehlt die DGE aber nur den Über-65-Jährigen. Denn mit zunehmendem Alter nimmt die Vitamin D-Eigenproduktion von Natur aus extrem ab.

Die Sorge der Experten ist berechtigt: Ein leichtfertiger Griff zu Vitamin-Präparaten erhöht die Gefahr einer Überdosis. Wenn man über einen längeren Zeitraum zu viele von ihnen einnimmt, kann es zu Nierensteinen und Nierenversagen kommen. Auf natürlichem Weg ist das nicht möglich: Stundenlange Sonnenbäder lassen die Haut altern und können Hautkrebs auslösen, aber zu einer Vitamin D-Vergiftung führen sie nicht. Das Gleiche gilt für Lebensmittel: Man kann gar nicht so viele essen, dass es zu einer Überdosis kommen könnte.

Die Europäische Kommission erklärt, dass "eine maximale tägliche Dosis von 50 Mikrogramm für Jugendliche und Erwachsene [...] von Gesunden ohne Risiko von Nebenwirkungen auch ohne medizinische Aufsicht langfristig einnehmbar" ist. Die Kommission betont weiter: "Diese Angabe ist zumindest für Erwachsene vorsichtig und mit einem Sicherheitsfaktor von 2 versehen, das heißt, dass eigentlich erst bei über doppelt so hohen Dosen [ab täglich 100 Mikrogramm] Nebenwirkungen beobachtet wurden." Die DGE ist der gleichen Meinung: "Intoxikationen konnten bei täglichen Zufuhrmengen von bis zu 100 Mikrogramm nicht nachgewiesen werden."

Gibt es andere Alternativen?

Präparate soll man nicht leichtsinnig einnehmen, stundenlange Sonnenbäder schaden der Haut und in der Nahrung steckt nur sehr wenig Vitamin D – wie soll man den dann genug Vitamin D zu sich nehmen? Experten diskutieren, Lebensmittel künstlich mit Vitamin D anzureichern. Die USA und Kanada machen es vor: Dort wird jedem Liter Milch 10 Mikrogramm Vitamin D hinzugefügt.

(bor)

Ähnliche Artikel
Englisches Essen
England hat einen neuen Thronfolger, der am 23. Oktober getauft wird. Grund genug, englisches Essen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Sanddorn: Zitrone des Nordens
Das steckt hinter den orangefarbenen Früchten
Fettfallen
Manche Lebensmittel sind besonders fetthaltig.
Schreiben Sie einen Kommentar
 
Ich habe letzte Woche von meiner Ärztin gesagt bekommen ,dass in meinem Blut Vitamin D fehlen würde. Das ist ja nicht so gut meinte sie,aber in welchen Lebensmitteln das D Vitamin steckt sagte sie nicht.Ich wollte mich also hier kundig machen. Aber diese Streitgespräche bringen mich auch nicht weiter.Was soll die Aussage ,dass die Amis schon in die Lebensmittel das Vitamin rein geben usw?Bei uns ist es doch nicht besser. Hallo! Man muss sich nur die Mühe machen und mal lesen was drin ist.Und die Vitamin D tabletten sind so teuer ,dass ich als Rentner mir das nicht leisten kann.Wer arm muss eben eher sterben.
 
Die Behauptung "Übrigens: Es bringt nichts, ins Solarium zu gehen. In den Geräten wird nur bräunendes UVA-Licht verwendet. Dieses kann aber kein Vitamin D produzieren." ist absolut falsch. Moderne UV-Röhren entsprechen der Mittags-Sonne am Äquator. Es sind also ausreichend UV-B-Strahlen zur Vitamin D-Bildung vorhanden. Das Solarium ist damit die gesündeste Form zum Vitamin D-Aufbau. Eine Überdosierung (wie etwa bei Vitamin-D-Präparaten möglich)ist hier auch ausgeschlossen. Wichtig ist die Wahl eines Solariums, das der neuen UV-Schutzverordnung entspricht. Die richtige Dosis ist das a und o.
 
Warum müssen Staaten Nahrungsmitteln Stoffe zusetzen? Aus meiner Sicht ein Eingriff in die Selbstbestimmung eines Menschen. Es sollte stattdessen möglich sein Vitamin D in ausreichend hoher Dosis in Drogerien und Apotheken ohne Rezept erwerben zu können. Offensive Aufklärung ist aus meiner Sicht der Bevormundung der Bevölkerung vorzuziehen. Amerika geht hier, wie bei manch anderen Dingen aber den Weg der Bevormundung (siehe Fluor im Trinkwasser oder ähnliches). Die unverschämt überhöhten Preise für die Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D sind nicht gerechtfertigt. Das vergleichsweise preisgünstige & hoch konzentrierte Vitamin D in flüssiger Form ist aber in Apotheken nur gegen Rezept erhältlich. Ein klarer Grund ist für mich nicht ersichtlich. Wenn Menschen sich selbst Schaden zufügen wollen, dann könnten Sie das auch ohne verschreibungspflichtiges Vitamin D - es wäre sinnvoll Vitamin D von der Rezeptpflicht auszunehmen. Ein wunderbares anderes Beispiel ist Elmex Gelee. Ein Zahnpflegeprodukt mit besonders hoher Fluorkonzentration zur Härtung des Zahnschmelzes. Generell ist es apothekenpflichtig, also nur in der Apotheke erhältlich. Sicher nicht falsch, da Fluor nicht in größeren Mengen aufgenommen werden sollte - d.h. hier erwartet man einen entsprechenden Hinweis durch den Apotheker gegenüber dem Käufer. Aber welche Unsinn steckt dahinter, dass die kleine Tube (Packungsgröße N1) ohne Rezept, die große Tube (N2) dagegen nur mit Rezept erhältlich ist? Wenn ich mich damit vergiften wollte, kaufe ich einfach mehr kleine Tuben. Hochgradig absurd. Generell sollte es möglich sein ohne Praxisgebühr den Status des Vitamin D Spiegel im Blut feststellen zu lassen. Denn eigentlich macht eine Ergänzung von egal welchem Vitamin oder Spurenelement nur Sinn, wenn tatsächlich ein Defizit besteht. Warum werden hier künstliche Hürden durch die Krankenkassen geschaffen, gerade wenn es um Vorsorge geht? Hier wird das Gegenteil von Kostensenkung erreicht... Just my 2 cents...
 
Hallo zusammen! Ein sehr interessanter Artikel. Mit diesem Thema habe ich mich auch vor einiger Zeit beschäftigt. Ich bin dabei auf das pflanzliche Produkt Osteomin gestoßen. Dieses beinhaltet Vitamin D und auch Calcium. Beide Stoffe sind unbedingt in Verbindung aufzunehmen, da sie einander benötigen. Ich habe es mir bei www.pflanzliche-Nahrungsergänzung.de bestellt. Ich hoffe Euch helfen zu können. Schönen Abend noch.
 
Die USA machen gerne solche gleichsam erzwungenen Gaben von Mitteln durch Anreicherung von Trinkwasse, Milch, Zahnpasta und anderem. Das hat den Nachteil, dass die Dosierung überhaupt nicht mehr kontrolliert werden kann. Z. B. Fluor im Trinkwasser, Flour im Salz, Fluor in der Zahnpasta usw Wer hat da noch die Übersicht über die Dosierung und was ist wenn jemand solch ein Mittel nicht verträgt? Wie kann er sich dann davor schützen? Oder: Wenn festgestellt wird, dass so ein "gesunder" Wasserzusatz doch nicht so gesund ist, wie lange dauert es dann bin die ganze riesige Apparatur wieder umgestellt ist? Also, ICH stimme mehr für Eigenverantwortung. Wer sich zu Eigenverantwortung nicht fähig fühlt, hat immer noch die Möglichkeit, es dem Hausarzt zu überlassen. Ich bin gegen Zwang.

Seiten