Sechs Millionen Deutsche leben fleischfrei | EAT SMARTER
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Weltvegetariertag

Sechs Millionen Deutsche leben fleischfrei

Es ist noch gar nicht solange her, da wurden Vegetarier als blasse, blutleere Außenseiter belächelt. Doch dieses Bild ist in den letzten Jahren gehörig ins Wanken geraten, derzeit leben sechs Millionen Deutsche fleischfrei. Anlässlich des Weltvegetariertages am 1. Oktober erklärt EAT SMARTER, warum sich immer mehr Menschen für ein fleischfreies Leben entscheiden.

An den Tag, an dem sie endgültig auf Fleisch verzichtete, kann sich Debbie Wieber (25) aus Köln noch genau erinnern: Am Abend schaute sie den Dokumentar-Film "Earthlings". Sie sah blutende Rinder, die an Haken hängend zur Schlachtbank gezogen wurden; Schweine, die sich in Boxen zusammengepfercht tot bissen oder Hirsche, die von Jägern nur so zum Spaß erschossen wurden. Die Studentin kämpfte mit den Tränen, danach stand ihr Entschluss fest: "Ich wollte nicht mehr, dass Tiere für mein Essen misshandelt werden oder sterben müssen." Wie Debbie Wieber sehen es viele Vegetarier in Deutschland. Laut einer Vegetarier-Studie der Universität Jena verzichten rund 62 Prozent der Vegetarier aus Tierschutzgründen auf Fleisch. Doch es gibt auch andere: "Der Einfluss der Tierhaltung auf den Klimawandel ist bei vielen Menschen noch stärker ins Bewusstsein gerückt", sagt Sebastian Zösch vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU). Immerhin werden nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO derzeit 1,5 Milliarden Rinder, 1,7 Milliarden Schafe und Ziegen sowie unzählige Schafe und Hühner gehalten. Dafür sind rund 30 Prozent der eisfreien Landfläche in Besitz der Tierwirtschaft. Dabei verursacht die Massentierhaltung rund 18 Prozent der Treibhausgase.

Vegetarier im Trend

Aus diesen Gründen entscheiden sich immer mehr Menschen auf Fleisch zu verzichten. Nach Angaben des Vegetarierbundes Deutschland essen rund sechs Millionen Deutsche kein Fleisch. Der typische Vegetarier ist jung, urban und gebildet, wie die Studie der Uni Jena zeigt: Er lebt in der Stadt und ist zwischen 20 und 28 Jahre alt, fast 30 Prozent haben einen Hochschulabschluss, fast jeder Vierte hat Abitur. Die starke Zunahme registriert auch der VEBU. Im vergangenen Jahr konnte der Bund nach eigenen Angaben einen Mitgliederanstieg um 29 Prozent verbuchen. „Im Schnitt haben wir pro Tag fünf neue Anträge“, sagt Zösch, den dies natürlich freut. Einen besonders starken Zulauf gab es vor allem im Januar, als viele Verbraucher durch Meldungen über dioxinverseuchtes Tierfutter verunsichert wurden. „Allein in diesem Monat hatten wir 300 Anmeldungen“, erinnert sich Zösch. Aktuell zählt der Verein rund 5.000 Mitglieder.

Es geht auch ohne Fleisch

Auch wenn Fleisch nach wie vor noch zu einer ausgewogenen Ernährung gehört: Es geht mittlerweile auch ohne. Eisen, Zink, Kalzium, Jod oder das wichtige Vitamin B12 lassen sich gut durch Pflanzen oder angereicherte Lebensmittel ersetzen, sofern Vegetarier nicht auf Eier oder Milchprodukte verzichten. Seit Debbie Wieber Vegetarierin ist, isst sie zum Beispiel vermehrt Hülsenfrüchte und Nüsse. „Ich achte schon darauf, mich ausgewogen zu ernähren“, sagt sie, „aber so schwer ist es nun auch wieder nicht.“ Außerdem hat eine vegetarische Lebensweise durchaus gesundheitliche Vorteile: Aktuelle Studien zeigen, dass Vegetarier, seltener von Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen betroffen sind.

Debbie Wieber ist nun schon seit rund fünf Jahren Vegetarierin. Und sie fühlt sich richtig gut dabei. Ob sie sich irgendwann eine vegane Lebensweise vorstellen kann, also ohne Eier oder Milchprodukte? "Ethisch gesehen wäre das vielleicht konsequenter", gibt die Studentin zu, "aber auf Käse möchte ich nicht verzichten."

(wil)

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Es geht sehr wohl ohne Fleisch - und man hat nicht weniger Kraft wie manche Menschen - vor allem die männliche Bevölkerung - glaubt. Ganz im Gegenteil! Jeder der Fleisch essen will und meint es unbedingt haben zu müssen, obwohl dafür ein Tier sterben muss, das vielleicht auch noch in übelster Form aufgezogen und gehalten wurde, damit nur ja die tägliche Leichenscheibe auch noch billig auf den Tisch kommen kann, der sollte das jeweilige Tier selber töten müssen. Ich plädiere sogar dafür, dass Kinder bereits im Kindergartenalter zum ersten Mal einen Ausflug in einen Schlachthof machen müssten! Dann wäre vielleicht endlich ein Umdenken möglich!
 
ich freue mich immer mehr wenn ich höre, das menschen aus diesen genannten gründen kein fleisch mehr essen. tiere sind unsere fleischlieferanten und haben es verdammt noch mal verdient zu lebzeiten vernünftig behandelt zu werden. alle die das nicht tun, und das sind leider sehr viele menschen verachte ich und wünsche denen das gleiche schicksal - ja das wünsche ich all denen, die tiere quälen. Esst einfach kein fleisch mehr und ihr tut euch und der Umwelt viel gutes. lg Ellen
 
Vegi rules!
 
Aller Anfang ist schwer, aber danach fragt man sich, wie es den größten Teil des Lebens anders gehen konnte!